Zink ist ein lebenswichtiges Spurenelement für Immunabwehr, Wundheilung und Zellwachstum, das die meisten Menschen in Deutschland über eine ausgewogene Ernährung ausreichend bekommen. Zusätzliche Präparate brauchst du in der Regel nicht, und zu viel Zink kann sogar schaden.
Zink steckt in unzähligen Enzymen und Eiweißen deines Körpers. Entsprechend groß sind die Erwartungen: Es soll Erkältungen verkürzen, die Haut klären und das Immunsystem stärken. Was davon die Studienlage trägt und wo die Werbung weiter geht als die Forschung, schauen wir uns hier genau an.
Wir haben dafür Referenzwerte der Fachgesellschaften, Verbraucherschutz-Informationen und wissenschaftliche Übersichtsarbeiten gesichtet und ordnen sie verständlich ein.

- Was Zink in deinem Körper macht
- Wie viel Zink brauchst du?
- Zinkhaltige Lebensmittel und die Rolle von Phytat
- Zink bei Erkältung: was die Studien zeigen
- Zinkmangel: Risikogruppen und Symptome
- Zink als Nahrungsergänzung: Obergrenzen und Nebenwirkungen
- Haut und Akne: Was ist dran?
- Wann solltest du zum Arzt?
- Häufige Fragen
Was Zink in deinem Körper macht
Zink ist Baustein vieler Enzyme und Proteine und an zahlreichen Stoffwechselvorgängen beteiligt. Dazu gehören das Zellwachstum, die Wundheilung und die Abwehr von Krankheitserregern. Dein Körper kann Zink nicht selbst herstellen, du musst es also über die Nahrung aufnehmen. Mehr zu weiteren Mineralstoffen und Vitaminen findest du in unserer Kategorie Nährstoffe.
Wichtig für die Einordnung: Ein funktionierendes Immunsystem braucht ausreichend Zink. Das heißt aber nicht, dass mehr Zink es auch stärker macht. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass eine Zufuhr über den Bedarf hinaus ein normal arbeitendes Immunsystem nicht weiter steigert.
Wie viel Zink brauchst du?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt gemeinsam mit den Fachgesellschaften aus Österreich und der Schweiz Referenzwerte an. Weil Zink aus pflanzlichen Lebensmitteln schlechter aufgenommen wird, hängt der Wert davon ab, wie viel Phytat du mit der Nahrung aufnimmst (dazu gleich mehr). Für Erwachsene ab 19 Jahren gilt pro Tag:
- Frauen: 7 mg bei niedriger, 8 mg bei mittlerer und 10 mg bei hoher Phytatzufuhr.
- Männer: 11 mg bei niedriger, 14 mg bei mittlerer und 16 mg bei hoher Phytatzufuhr.
In der Schwangerschaft steigt der Bedarf: Im ersten Drittel nennt die DGE je nach Phytatzufuhr 7 bis 11 mg, im zweiten und dritten Drittel 9 bis 13 mg. Stillende liegen bei 11 bis 14 mg pro Tag. Kinder und Jugendliche haben altersabhängig niedrigere Werte, etwa 3 mg bei 1 bis unter 4 Jahren.
Diese Zahlen sind Richtwerte für die Bevölkerung, keine Zielmarke, die du jeden Tag auf das Milligramm treffen müsstest. Dein Körper gleicht Schwankungen über mehrere Tage aus.
Zinkhaltige Lebensmittel und die Rolle von Phytat
Gute Zinkquellen sind Fleisch, Eier, Milchprodukte, Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide und Nüsse. Aus tierischen Lebensmitteln nimmt dein Darm Zink besser auf als aus pflanzlichen.
Was ist Phytat?
Phytat ist ein natürlicher Pflanzenstoff, der vor allem in Vollkorn, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen steckt. Im Darm bindet er Zink und verringert so die Menge, die ins Blut gelangt. Das ist kein Grund, Vollkorn oder Hülsenfrüchte zu meiden: Sie liefern viele andere wertvolle Nährstoffe. Du kannst die Aufnahme aber unterstützen:
- Hülsenfrüchte und Getreide einweichen, keimen lassen oder per Sauerteig vergären. Das senkt laut DGE den Phytatgehalt.
- Pflanzliche Lebensmittel mit tierischem Eiweiß kombinieren, etwa Haferflocken mit Joghurt. Das verbessert die Zinkaufnahme.

Wenn du dich vegetarisch oder vegan ernährst, lohnt sich ein bewusster Blick auf deine Zinkquellen. Tipps für pflanzliches Eiweiß, das oft auch Zink mitbringt, findest du in unserem Artikel über vegane Proteinquellen. Wer auf Eisen achtet, kann sich zusätzlich bei den eisenhaltigen Lebensmitteln umsehen, denn beide Mineralstoffe stecken oft in ähnlichen Lebensmitteln.
Zink bei Erkältung: was die Studien zeigen
Kaum ein Einsatzgebiet ist so bekannt wie Zink bei Erkältungen. Die Studienlage ist aber weniger eindeutig, als Werbung manchmal vermuten lässt.
Vorbeugung
Zur Vorbeugung von Erkältungen gibt es laut der Verbraucherzentrale, die den aktuellen Cochrane-Review von 2024 einordnet, keine gesicherten Belege. Die Auswertung zeigt mit hoher Wahrscheinlichkeit wenig oder keinen Nutzen.
Behandlung
Bei der Behandlung sieht es etwas anders aus, aber mit großen Einschränkungen. In den ausgewerteten Studien lagen die Dosen bei 45 bis 276 mg Zink pro Tag über 4,5 bis 21 Tage, meist als Lutschpastillen. Das ist ein Vielfaches dessen, was in Nahrungsergänzungsmitteln üblich sein sollte. Im Schnitt verkürzten solche hohen Dosen die Erkältung um etwa zwei Tage. Die Aussagekraft ist gering, weil sich die Studien stark voneinander unterscheiden. Ob Zink die Stärke der Beschwerden mindert, ist unklar.
In einer Fachkritik am Cochrane-Review (erschienen 2024 in einer Fachzeitschrift) heißt es genauer: Der Review berechnete über acht Studien einen Unterschied von rund 2,4 Tagen, mit einer sehr breiten Unsicherheitsspanne (95-%-Konfidenzintervall 0,5 bis 4,2 Tage) und stark uneinheitlichen Ergebnissen. Die Autoren der Kritik rechneten nur für Lutschtabletten neu und kamen bei Erwachsenen auf eine um 37 Prozent verkürzte Erkältungsdauer. Für Kinder sehen sie bisher keinen Beleg für einen solchen Effekt. Dass Fachleute hier unterschiedlich rechnen, zeigt: Ein klares Urteil ist nach heutigem Stand nicht möglich.
Dazu kommen Nebenwirkungen. Der Cochrane-Review fand wahrscheinlich ein erhöhtes Risiko für nicht schwere Nebenwirkungen (Risikoverhältnis 1,34). Lutschtabletten schmecken oft metallisch, und bei übermäßiger Einnahme können Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit auftreten.
Unser Fazit: Wenn du Zink bei einer Erkältung ausprobieren möchtest, solltest du wissen, dass die möglicherweise hilfreichen Dosen weit über den empfohlenen Höchstmengen für Nahrungsergänzungsmittel liegen. Sprich vorher mit Apotheke oder Arztpraxis.
Zinkmangel: Risikogruppen und Symptome
Ein schwerer Zinkmangel ist in Deutschland und Europa selten, schreibt das Portal gesund.bund.de. Eine ausgewogene Ernährung deckt den Bedarf in der Regel. Häufiger kommt ein leichter Mangel vor, wenn mehrere ungünstige Faktoren zusammentreffen.
Wer ist gefährdet?
- Menschen mit einseitiger Ernährung oder sehr phytatreicher, rein pflanzlicher Kost
- Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa
- Menschen mit starkem Flüssigkeitsverlust, etwa durch anhaltenden Durchfall
- Menschen mit hohem Alkoholkonsum, weil dann mehr Zink über den Urin verloren geht
- Menschen, die bestimmte Medikamente nehmen, zum Beispiel einige Antibiotika und Entwässerungsmittel
- Schwangere, Säuglinge und Kinder, die einen erhöhten Bedarf haben
Woran erkennst du einen Mangel?
Das ist leider schwierig, denn die Anzeichen sind unspezifisch. Ein leichter Mangel kann sich durch eine geschwächte Abwehr, verändertes Geschmacks- und Geruchsempfinden, trockene Haut oder veränderte Nägel zeigen. Bei schwerem Mangel kommen Hautentzündungen, Durchfall, Haarausfall, schlechte Wundheilung und bei Kindern Wachstumsverzögerung hinzu. All das kann aber viele andere Ursachen haben. Bei Haarausfall solltest du zum Beispiel auch an Eisen denken (Eisenmangel und Haarausfall).
Auch die Diagnose ist nicht einfach: Bei leichtem Mangel kann der Blutwert normal sein, und bei einer Infektion ist er oft niedriger, obwohl gar kein Mangel besteht. Ein Selbsttest oder Beschwerdelisten aus dem Internet helfen deshalb nicht weiter.

Zink als Nahrungsergänzung: Obergrenzen und Nebenwirkungen
Welche Mengen gelten als vertretbar?
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat für Erwachsene eine tolerierbare Obergrenze von 25 mg Zink pro Tag aus allen Quellen zusammen festgelegt, also aus Essen und Präparaten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schlägt für Nahrungsergänzungsmittel eine Höchstmenge von 6,5 mg pro Tag vor. Ab 3,5 mg pro Tag soll laut BfR ein Hinweis auf der Packung stehen, nicht noch weitere zinkhaltige Präparate zu nehmen. Diese BfR-Werte sind Empfehlungen, keine gesetzlichen Grenzen. Arzneimittel mit mehr als 25 mg Zink pro Tag sind verschreibungspflichtig, weil Nebenwirkungen auftreten können.
Die Verbraucherzentrale verweist außerdem auf eine Untersuchung aus dem Jahr 2024, nach der viele Produkte deutlich mehr Zink enthalten als der BfR-Vorschlag, und auf Internetprodukte mit viel zu hohem Gehalt. Ein Blick auf die Mengenangabe lohnt sich also.
Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden
Zu viel Zink auf einmal führt häufig zu Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchbeschwerden. Eine Übersichtsarbeit nennt als Beispiel eine Studie, in der gesunde Freiwillige sechs Wochen lang dreimal täglich 50 mg reines Zink bekamen. Übelkeit, Appetitlosigkeit und Bauchkrämpfe wurden von 84 Prozent der Frauen und 18 Prozent der Männer berichtet. Das ist ein einzelnes Beispiel und keine Empfehlung, zeigt aber, dass hohe Dosen spürbare Folgen haben.
Kupfermangel bei dauerhafter Überdosierung
Auf Dauer ist das größere Risiko ein Kupfermangel. Der Mechanismus: Viel Zink regt im Darm die Bildung eines Eiweißes (Metallothionein) an, das Kupfer stärker bindet als Zink. Das Kupfer ist dann für den Körper nicht mehr verfügbar. Zink und Eisen konkurrieren zudem um einen gemeinsamen Transportweg im Darm. Die Verbraucherzentrale beschreibt, dass mittelfristig die Aufnahme von Kupfer und Eisen beeinträchtigt werden kann.
Als Folgen eines zinkbedingten Kupfermangels nennt die Übersichtsarbeit unter anderem Blutarmut, eine niedrige Zahl weißer Blutkörperchen und in Einzelfällen Nervenschäden. In Fallberichten bildeten sich die Beschwerden nach dem Absetzen von Zink und Gabe von Kupfer zurück, Nervenschäden jedoch nur langsam. Viele dieser Befunde stammen aus Fallberichten, Tier- oder Laborversuchen und lassen sich nicht ohne Weiteres auf übliche Aufnahmemengen übertragen. Bei Mengen, wie sie in zugelassenen Präparaten üblich sein sollten, ist dieses Risiko gering, aber es zeigt, warum „mehr hilft mehr“ bei Zink nicht stimmt.
Außerdem kann Zink mit Medikamenten wechselwirken. Nimmst du regelmäßig Arzneimittel, frage vor der Einnahme in der Apotheke nach.
Haut und Akne: Was ist dran?
Zink steht oft für „schöne Haut“. Das hat einen wahren Kern: Bei ausgeprägtem Zinkmangel treten Hautentzündungen und schlecht heilende Wunden auf. Daraus folgt aber nicht, dass Zink bei normaler Versorgung die Haut verbessert.
Zu Akne gibt es eine Meta-Analyse (zusammenfassende Auswertung mehrerer Studien) aus dem Jahr 2020. Sie fand, dass Menschen mit Akne im Schnitt niedrigere Zinkwerte im Blut hatten als Menschen ohne Akne. Außerdem hatten mit Zink behandelte Patientinnen und Patienten nach der Behandlung weniger entzündliche Papeln (gerötete Knötchen) als Unbehandelte. Die Nebenwirkungsrate unterschied sich nicht signifikant von den Vergleichsgruppen. Die Autoren betonen allerdings, dass die Belege für die Wirksamkeit bisher begrenzt waren.
Das heißt für dich: Zink ist kein belegtes Wundermittel gegen Akne, und ob die untersuchten Dosen für dich geeignet sind, kann eine Hautärztin oder ein Hautarzt beurteilen. Auf eigene Faust hohe Dosen zu nehmen, ist keine gute Idee. Mehr zu Pflege und Hautthemen findest du in der Kategorie Kosmetik.
Wann solltest du zum Arzt?
Suche ärztlichen Rat, wenn du einen Zinkmangel vermutest und typische Beschwerden dauerhaft bestehen, etwa lange anhaltender Durchfall, schlecht heilende Wunden, deutlicher Haarausfall oder wiederkehrende Hautentzündungen. Ärztinnen und Ärzte klären, ob ein Mangel vorliegt und welche Ursache dahintersteckt. Bei nachgewiesenem Mangel verordnen sie Präparate, meist über mehrere Wochen. Die Beschwerden bessern sich nach gesund.bund.de oft innerhalb von ein bis zwei Wochen.
Auch wenn du Zink-Präparate nimmst und Übelkeit, Bauchschmerzen, Müdigkeit, Blässe oder Missempfindungen wie Kribbeln bemerkst, sprich mit deiner Praxis und setze das Präparat vorerst ab. Das gilt besonders, wenn du Medikamente einnimmst, schwanger bist oder eine Darmerkrankung hast.
- Der Zinkbedarf liegt für Erwachsene laut DGE je nach Phytatzufuhr bei 7 bis 10 mg (Frauen) und 11 bis 16 mg (Männer) pro Tag.
- Mit Fleisch, Eiern, Milchprodukten, Hülsenfrüchten, Vollkorn und Nüssen deckst du den Bedarf in der Regel gut. Einweichen, Keimen und Sauerteig verbessern die Aufnahme aus Pflanzen.
- Gegen Erkältungen gibt es keine gesicherte Vorbeugung durch Zink. Hohe Dosen als Lutschtabletten verkürzen sie möglicherweise um etwa zwei Tage, die Aussagekraft ist aber gering.
- Zinkmangel ist hierzulande selten, seine Symptome sind unspezifisch. Lass einen Verdacht ärztlich klären.
- Die EFSA nennt 25 mg täglich aus allen Quellen als Obergrenze. Das BfR schlägt für Präparate 6,5 mg vor.
- Dauerhaft zu viel Zink kann einen Kupfermangel verursachen. Kurzfristig drohen Übelkeit und Bauchbeschwerden.
- Zur Akne gibt es Hinweise auf einen Nutzen, die Belege sind aber begrenzt.
Häufige Fragen
Sollte ich vorsorglich Zink nehmen?
Für die meisten Menschen ist das nicht nötig. Wenn du dich ausgewogen ernährst, bekommst du genug. Bei Risikofaktoren wie einer Darmerkrankung oder streng pflanzlicher Ernährung kannst du in der Praxis klären lassen, ob ein Präparat sinnvoll ist.
Kann ich Zink über Lebensmittel überdosieren?
Das ist über normale Ernährung nicht zu erwarten. Probleme entstehen vor allem durch hoch dosierte Präparate, besonders über längere Zeit oder kombiniert mit mehreren zinkhaltigen Produkten.
Hilft Zink gegen Haarausfall?
Haarausfall kann bei schwerem Zinkmangel auftreten, hat aber viele andere Ursachen. Lass die Ursache abklären, statt auf Verdacht Präparate zu nehmen.
Sind Antioxidantien und Zink dasselbe?
Nein. Zink ist ein Spurenelement mit vielen Aufgaben. Wie Antioxidantien in der Ernährung einzuordnen sind, erklären wir im Artikel Antioxidantien.
Wo finde ich Begriffe rund um Mineralstoffe erklärt?
In unserem Lexikon erklären wir Fachbegriffe verständlich.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, Zink. D-A-CH-Referenzwerte. https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/zink/
- Verbraucherzentrale: Mehr Zink bei Erkältungen? Verbraucherportal, zuletzt eingesehen 2026. https://www.verbraucherzentrale.de/node/13390
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit): Zinkmangel. Gesundheitsportal. https://gesund.bund.de/zinkmangel
- Übersichtsarbeit: Zinc Toxicity: Understanding the Limits. Fachzeitschrift, 2024, PMC11243279. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11243279/
- Fachkritik: Shortcomings in the Cochrane review on zinc for the common cold (2024). Frontiers in Medicine, 2024, PMC11521859. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11521859/
- Serum zinc levels and efficacy of zinc treatment in acne vulgaris: A systematic review and meta-analysis. Dermatologic Therapy, 2020 (PubMed 32860489). https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32860489/
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