Ein erhöhter Blutzucker macht sich oft lange nicht bemerkbar. Typische Zeichen sind starker Durst, häufiges Wasserlassen und Müdigkeit; sicher klären lässt es sich nur mit einer Blutuntersuchung beim Arzt.
Viele Menschen erfahren erst bei einer Routineuntersuchung, dass ihre Werte erhöht sind. Das ist kein Grund zur Panik, denn gerade in der Frühphase kannst du noch viel beeinflussen. In diesem Ratgeber erfährst du, woran du einen erhöhten Blutzucker erkennen kannst, welche Werte laut Leitlinie gelten, was Prädiabetes bedeutet und was Bewegung und Gewicht nachweislich bewirken können. Er ersetzt keine ärztliche Diagnose.

Welche Symptome sind typisch?
Bei dauerhaft erhöhtem Blutzucker nennt das Gesundheitsportal des Bundes vor allem starken Durst, vermehrten Harndrang sowie Müdigkeit und Antriebslosigkeit. Auch Übelkeit und Schwindel können vorkommen. Der Körper versucht, überschüssigen Zucker über den Urin auszuscheiden, deshalb musst du öfter zur Toilette und bekommst mehr Durst.
Der entscheidende Punkt: Ein Typ-2-Diabetes kann sich über längere Zeit entwickeln, ohne dass du irgendetwas spürst. Die Beschwerden sind oft schwach oder unspezifisch, und nicht selten fällt der erhöhte Wert nur zufällig bei einer Untersuchung auf. Müdigkeit allein hat natürlich viele andere Ursachen. Umgekehrt gilt aber auch: Wer sich gesund fühlt, kann trotzdem erhöhte Werte haben.
Bei sehr hohen Blutzuckerwerten kommen laut diabinfo weitere Anzeichen dazu, zum Beispiel trockener Mund, verschwommenes Sehen, Appetitlosigkeit, Wadenkrämpfe oder Bauchschmerzen. Das sind eher Zeichen einer akuten Entgleisung (mehr dazu im Notfall-Abschnitt).
Diagnosewerte: Was gilt als erhöht?
Die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Typ-2-Diabetes nennt für Blutplasma die folgenden Grenzen. Die Werte gelten für Messungen im Labor, nicht für Selbsttests mit dem Messgerät:
| Messwert | Kein Diabetes | Erhöhtes Risiko (Prädiabetes) | Diabetes |
|---|---|---|---|
| Nüchternblutzucker (Nüchternplasmaglukose) | unter 100 mg/dl (5,6 mmol/l) | 100 bis 125 mg/dl (5,6 bis 6,9 mmol/l) | ab 126 mg/dl (7,0 mmol/l) |
| HbA1c (Langzeitwert) | unter 5,7 % (39 mmol/mol) | 5,7 bis unter 6,5 % (39 bis unter 48 mmol/mol) | ab 6,5 % (48 mmol/mol) |
| Gelegenheitsblutzucker (unabhängig von der letzten Mahlzeit) | – | – | ab 200 mg/dl (11,1 mmol/l) |
Der Nüchternblutzucker wird morgens nach mindestens acht Stunden ohne Essen gemessen. Der HbA1c spiegelt den durchschnittlichen Blutzucker der letzten acht bis zwölf Wochen wider; dafür musst du nicht nüchtern sein. Beim oralen Glukosetoleranztest (oGTT) trinkst du nach dem Fasten eine Lösung mit 75 g Zucker und der Blutzucker wird nach zwei Stunden gemessen: unter 140 mg/dl gilt als normal, 140 bis 199 mg/dl als gestörte Glukosetoleranz, ab 200 mg/dl als Diabetes.

Ein einzelner Wert reicht meist nicht
Die Leitlinie verlangt für die Diagnose in der Regel mindestens zwei auffällige Laborwerte, etwa Nüchternblutzucker plus HbA1c oder zweimal Nüchternblutzucker. Ein einzelner erhöhter Wert ist also noch keine Diagnose. Hast du dagegen typische Symptome wie starken Durst und häufiges Wasserlassen, genügt ein eindeutig auffälliger Wert. Widersprechen sich die Ergebnisse, wird ein dritter Wert bestimmt, gegebenenfalls ein oGTT.
Wo Fachgesellschaften unterschiedlich urteilen
Nicht alle Fachleute sind sich bei allem einig. Die Hausarzt-Fachgesellschaft DEGAM und die Arzneimittelkommission der Ärzteschaft nutzen für den Nüchternwert die WHO-Grenze: Erst ab 110 mg/dl gilt das Risiko als erhöht. Den oGTT halten sie in der Hausarztpraxis für wenig sinnvoll, während die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ihn bei widersprüchlichen Werten oder Werten im Risikobereich empfiehlt. Auch der HbA1c steigt mit dem Alter leicht an und ist ab 60 Jahren als Diagnosekriterium weniger aussagekräftig, vor allem knapp um die 6,5 %. Lass dir deine Werte deshalb immer von deiner Ärztin oder deinem Arzt einordnen.
Was ist Prädiabetes?
Prädiabetes ist eine Vorstufe des Typ-2-Diabetes. Deine Blutzuckerwerte sind erhöht, aber noch nicht so hoch, dass man von Diabetes spricht. Du hast dann ein erhöhtes Risiko, später einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln. Eine Diagnose ist es nicht, eher eine Warnlampe.
Die gute Nachricht laut diabinfo: Mehr Bewegung und eine Gewichtsabnahme können dieses Risiko wieder senken. Bemerken tust du den Zustand in der Regel nicht, deshalb wird er meist über Blutuntersuchungen entdeckt. Die Insulinresistenz, bei der die Körperzellen schlechter auf Insulin ansprechen, beginnt nach diabinfo oft schon vor dem Prädiabetes und geht hohen Blutzuckerwerten häufig um Jahre bis Jahrzehnte voraus.
Risikofaktoren
Diabinfo, das Informationsportal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, nennt unter anderem diese Faktoren, die einen Typ-2-Diabetes begünstigen:
- Typ-2-Diabetes in der Familie und höheres Alter
- Übergewicht, Bluthochdruck und erhöhte Blutfette
- Rauchen, Bewegungsmangel sowie eine ballaststoffarme und/oder fettreiche Ernährung
- Diabetes in der Schwangerschaft
- bestimmte Medikamente, die den Zuckerstoffwechsel beeinflussen, zum Beispiel Kortison in Tablettenform
- hormonelle Erkrankungen wie das polyzystische Ovarsyndrom
Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wie viel Übergewicht bei dir eine Rolle spielt, kannst du grob mit dem BMI-Rechner und dem Taille-Hüft-Verhältnis-Rechner einschätzen. Beides ersetzt keine Untersuchung. Wer mehrere Risikofaktoren mitbringt, sollte das Thema bei der nächsten Gelegenheit in der Praxis ansprechen.
Was Lebensstil bewirken kann
Ernährung und Bewegung sind die wichtigsten Stellschrauben, die du selbst in der Hand hast. Das Gesundheitsportal des Bundes formuliert es vorsichtig: Bei Menschen mit hohem Risiko lässt sich der Beginn eines Typ-2-Diabetes durch eine Ernährungsumstellung und mehr Bewegung oft um mehrere Jahre hinauszögern. Ob sich die Erkrankung damit vollständig verhindern lässt, ist laut dieser Quelle nicht abschließend geklärt. Ein Garantieversprechen gibt es also nicht.
Die Studie, auf die sich viele beziehen
Am bekanntesten ist das amerikanische Diabetes Prevention Program. In dieser randomisierten Studie wurden 3.234 Menschen auf drei Gruppen verteilt. Die Lebensstil-Gruppe sollte rund sieben Prozent ihres Ausgangsgewichts verlieren und mindestens 150 Minuten pro Woche zügig gehen oder sich ähnlich bewegen. Dabei wurde sie intensiv betreut: mit persönlichem Coach und einem Kurs mit 16 Einheiten in den ersten 24 Wochen. Im Ergebnis sank die Zahl der neuen Diabetesfälle in dieser Gruppe um 58 Prozent, in der Gruppe mit dem Medikament Metformin um 31 Prozent. Wichtig zur Einordnung: Das waren sehr betreute Bedingungen und es handelt sich um relative Zahlen, die sich nicht eins zu eins auf deinen Alltag übertragen lassen.
Bewegung
Die Leitlinie der DDG zu Bewegung empfiehlt zur Vorbeugung mindestens 150 Minuten Ausdauerbewegung mittlerer Intensität pro Woche oder 75 Minuten bei höherer Intensität, dazu Muskeltraining an mindestens zwei Tagen pro Woche. Auch langes Sitzen solltest du möglichst oft unterbrechen, idealerweise alle 30 Minuten. Jede Bewegung ist besser als keine, aber leichte Aktivität wirkt deutlich weniger als mittlere oder hohe Intensität. Einstiegstipps findest du im Ratgeber Krafttraining für Anfänger.

Gewicht und Ernährung
Bei Übergewicht rät die Fachwelt zum Abnehmen. Ein realistischer Weg ohne Crash-Diät steht in unserem Artikel Abnehmen ohne Diät. Zur Ernährung nennen die Bundesportale ganz allgemein eine ausgewogene Kost; ballaststoffarme und fettreiche Ernährung gilt als Risikofaktor. Was einzelne Lebensmittel am Blutzucker verändern, haben wir in Blutzuckersenkende Lebensmittel eingeordnet. Der glykämische Index beschreibt dabei, wie stark ein kohlenhydrathaltiges Lebensmittel den Blutzucker nach dem Essen ansteigen lässt. Wundermittel gibt es nicht, und Lebensmittel ersetzen keine Therapie.
Zusätzlich nennt diabinfo Stress vermeiden, nicht rauchen und wenig oder keinen Alkohol trinken. Das Portal räumt offen ein, dass die Umsetzung im Alltag, besonders langfristig, schwerfällt. Setz dir deshalb kleine, machbare Ziele.
Wann solltest du zum Arzt?
Such ärztlichen Rat, wenn du länger anhaltend starken Durst, häufigen Harndrang oder ungewohnte Müdigkeit bemerkst, und zwar auch dann, wenn du eine andere Erklärung vermutest. Ein Termin ist außerdem sinnvoll, wenn du mehrere Risikofaktoren hast, zum Beispiel Diabetes bei nahen Verwandten, Übergewicht, Bluthochdruck oder Bewegungsmangel. Frag dann, ob eine Blutzuckermessung sinnvoll ist, auch ohne Beschwerden.
Das ist in der Praxis unkompliziert: Meist wird der Nüchternblutzucker und/oder der HbA1c aus einer Blutprobe bestimmt. Online-Fragebögen wie der Diabetes-Risiko-Test der BZgA oder der FINDRISK können einen ersten Hinweis geben, ob sich ein Test lohnt. Auffällige Ergebnisse lassen sich damit aber nur einschätzen, nicht bestätigen.
Wichtig: Teststreifen aus der Apotheke oder ein Messgerät zu Hause ersetzen die Laboruntersuchung nicht. Ein einzelner Wert, den du selbst misst, ist keine Diagnose.
Notfallzeichen bei sehr hohem Blutzucker
Ein stark entgleister Blutzucker kann lebensbedrohlich werden. Besonders betroffen sind laut diabinfo ältere Menschen mit Typ-2-Diabetes. Warnzeichen sind unter anderem:
- Verwirrtheit, ungewöhnliche Schläfrigkeit oder andere Veränderungen des Bewusstseins
- Herzrasen, Schwindel oder Ohnmachtsgefühl
- süßlicher Atemgeruch oder tiefe, angestrengte Atmung
- Erbrechen, Bauchschmerzen und starke Schwäche, besonders in Verbindung mit sehr großem Durst
Im Zweifel ruf sofort den Rettungsdienst unter 112. Außerhalb von Notfällen erreichst du den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Bei Bewusstlosigkeit gib der Person nichts in den Mund.
- Erhöhter Blutzucker bleibt oft unbemerkt; typische Zeichen sind Durst, häufiges Wasserlassen und Müdigkeit.
- Laut NVL gilt ein Nüchternblutzucker ab 126 mg/dl oder ein HbA1c ab 6,5 % als Diabetes-Bereich; Werte darunter, aber über 100 mg/dl beziehungsweise 5,7 %, zeigen ein erhöhtes Risiko.
- Meist braucht es für die Diagnose zwei auffällige Laborwerte.
- Prädiabetes ist eine Vorstufe, die sich durch Bewegung und Gewichtsabnahme günstig beeinflussen lässt.
- Bei Risikofaktoren oder Beschwerden: Blutzucker ärztlich messen lassen.
- Bei Verwirrtheit, Schläfrigkeit oder süßlichem Atem: 112.
Häufige Fragen
Kann ich erhöhten Blutzucker ohne Symptome haben?
Ja. Ein Typ-2-Diabetes kann sich über längere Zeit ohne Beschwerden entwickeln. Deshalb wird er oft zufällig entdeckt.
Ist ein Nüchternblutzucker von 105 mg/dl schon Diabetes?
Nein. Nach der NVL liegt dieser Wert im Bereich des erhöhten Risikos (100 bis 125 mg/dl). Deine Ärztin oder dein Arzt entscheidet, ob weitere Messungen sinnvoll sind. Beachte, dass einzelne Fachgesellschaften die Risikogrenze erst bei 110 mg/dl ansetzen.
Muss ich für den HbA1c nüchtern sein?
Nein. Für diesen Langzeitwert ist keine Nüchternheit nötig.
Kann ich Prädiabetes rückgängig machen?
Laut diabinfo können mehr Bewegung und Gewichtsabnahme das Risiko wieder senken. Ob sich ein Diabetes dauerhaft ganz verhindern lässt, ist laut Gesundheitsportal des Bundes nicht abschließend geklärt. Hilfreich ist es in jedem Fall, den Verlauf ärztlich begleiten zu lassen.
Spielt auch das Cholesterin eine Rolle?
Erhöhte Blutfette gelten als Risikofaktor, die Werte hängen oft mit Übergewicht und Lebensstil zusammen. Mehr dazu im Beitrag Cholesterin senken.
Weitere Ratgeber zum Thema findest du in der Kategorie Gesundheit.
Quellen
- Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF: Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes, Version 3 (2023), Kapitel 4 Diagnostik. https://www.leitlinien.de/themen/diabetes/version-3/kapitel-4
- Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Ein kurzer Einblick in die Nationale Versorgungsleitlinie Diabetes mellitus Typ 2, Abschnitt Diagnostik. Arzneiverordnung in der Praxis 2023. akdae.de
- diabinfo.de (BZgA/Helmholtz Munich/DDG): Typ-2-Diabetes: Diagnose. https://www.diabinfo.de/en/living-with-diabetes/type-2-diabetes/basic-principles/diagnosis.html
- diabinfo.de: Blutzucker messen, Häufige Fragen. https://www.diabinfo.de/leben/info-ecke/haeufige-fragen/blutzucker-messen.html
- diabinfo.de: Was erhöht das Typ-2-Diabetes-Risiko? https://www.diabinfo.de/vorbeugen/bin-ich-gefaehrdet/was-erhoeht-das-risiko-fuer-typ-2-diabetes.html
- diabinfo.de: Am Ball bleiben – mit einem gesunden Lebensstil das Risiko für Diabetes Typ 2 senken. 2022. diabinfo.de
- diabinfo.de: Überzuckerung (Hyperglykämie) und Ketoazidose. https://www.diabinfo.de/en/living-with-diabetes/treatment/high-blood-sugar-hyperglycemia-and-diabetic-ketoacidosis.html
- gesund.bund.de (Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit): Typ-2-Diabetes. https://gesund.bund.de/en/diabetes-typ-2
- Deutsche Diabetes Gesellschaft u. a.: Lifestyle: physical activity and training as prevention and therapy of type 2 diabetes mellitus (Update 2023). https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10133083/
- Diabetes Prevention Program Research Group: The Diabetes Prevention Program (DPP): Description of lifestyle intervention. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC1282458/
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