Für den Einstieg reicht es, an zwei bis drei Tagen pro Woche den ganzen Körper mit wenigen Grundübungen zu belasten, die Gewichte langsam zu steigern und zwischen den Einheiten Pausen einzuplanen. Die WHO empfiehlt Erwachsenen Muskelkräftigung an mindestens zwei Tagen pro Woche, die alle großen Muskelgruppen einbezieht.
Krafttraining hat den Ruf, nur etwas für Fitnessstudio-Profis zu sein. Dabei ist es einer der einfacheren Wege, den eigenen Körper zu stärken, und du brauchst für den Anfang weder Hanteln noch einen teuren Plan. In diesem Ratgeber erfährst du, was Krafttraining nach heutigem Wissen bringt und was nicht gut belegt ist, welche Grundübungen sich für Einsteiger anbieten und wie du Schritt für Schritt steigerst. Außerdem klären wir, wann ein Arztbesuch vor dem Start sinnvoll ist.

Was Krafttraining bringt – und was nicht sicher belegt ist
Die WHO fasst in ihren Leitlinien zusammen, dass regelmäßige Bewegung bei Erwachsenen mit einem geringeren Risiko für frühzeitigen Tod, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes und bestimmte Krebsarten verbunden ist. Auch Schlaf, geistige Leistungsfähigkeit und seelische Gesundheit profitieren, und Körperfettwerte können sich verbessern. Das gilt für Bewegung insgesamt, nicht nur für Krafttraining.
Zum Krafttraining speziell gibt es eine Auswertung von 16 Beobachtungsstudien. Menschen, die muskelkräftigende Aktivitäten machten, hatten ein um etwa 10 bis 17 Prozent geringeres Sterberisiko, auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs insgesamt und Diabetes kamen seltener vor. Der Zusammenhang war am stärksten bei etwa 30 bis 60 Minuten pro Woche; mehr brachte in den Daten nicht automatisch mehr. Wichtig: Beobachtungsstudien zeigen Zusammenhänge, keinen sicheren Beweis für Ursache und Wirkung. Wer regelmäßig trainiert, lebt oft auch sonst gesünder.
Besonders gut untersucht ist Krafttraining bei älteren Menschen. Ein Cochrane-Review wertete 121 Studien mit rund 6.700 Teilnehmenden aus. Das Ergebnis: Die Muskelkraft stieg deutlich, die körperliche Alltagsfunktion verbesserte sich nur klein bis moderat (am deutlichsten beim Aufstehen vom Stuhl). Schwere Zwischenfälle waren selten und wurden nicht direkt dem Training zugeschrieben. Gelenk- und Muskelbeschwerden kamen allerdings häufig vor und wurden in den Studien nur lückenhaft erfasst.
Und die Knochen?
Hier ist die Lage weniger eindeutig, als oft behauptet wird. Die WHO nennt bessere Knochengesundheit als Vorteil von vielseitiger Bewegung mit Kraft- und Gleichgewichtselementen bei Menschen ab 65. Eine Meta-Analyse mit sieben Studien und 370 gesunden Menschen ab 55 Jahren fand dagegen keine statistisch klare Veränderung der Knochendichte durch Krafttraining. Die Autorinnen und Autoren vermuten, dass Training eher größere Verluste verhindern als die Dichte erhöhen könnte. Die Studienlage ist hier also dünn, und wir können nicht versprechen, dass Krafttraining deine Knochen messbar stärkt.
Die Bewegungsempfehlung der WHO
Für Erwachsene von 18 bis 64 Jahren empfiehlt die WHO zwei Bausteine:
- Ausdauerbewegung: 150 bis 300 Minuten pro Woche mit mittlerer Intensität (oder 75 bis 150 Minuten mit hoher Intensität bzw. eine Mischung).
- Muskelkräftigung: an mindestens zwei Tagen pro Woche, mit mindestens mittlerer Intensität, unter Einbeziehung aller großen Muskelgruppen.
Für Menschen ab 65 gelten diese Empfehlungen ebenfalls. Zusätzlich rät die WHO zu vielseitiger Bewegung mit Schwerpunkt auf Gleichgewicht und Kraft an drei oder mehr Tagen pro Woche. Und wenn du chronisch krank bist oder die Empfehlungen aktuell nicht schaffst, rät die WHO, nach den eigenen Möglichkeiten aktiv zu sein und die passende Art und Menge mit medizinischem Fachpersonal zu besprechen.
Krafttraining ersetzt also keine Ausdauer, und Ausdauer ersetzt kein Krafttraining. Wenn du für den Ausdauerteil eine Orientierung für deinen Puls suchst, hilft dir unser Herzfrequenz-Rechner bei einer ersten Einschätzung.

Vier Grundübungen für den Einstieg
Für den Anfang eignen sich Übungen, die mehrere Gelenke und große Muskelgruppen gleichzeitig fordern. Die Sportmedizin (ACSM) empfiehlt, Mehrgelenkübungen in den Mittelpunkt zu stellen. Die folgenden vier decken Beine, Rumpf, Brust, Rücken und Arme ab. Die Hinweise sind allgemein gehalten; eine Trainerin oder ein Trainer kann dir Technikfehler zeigen, die du selbst nicht bemerkst.
Kniebeuge
Du stehst etwa hüftbreit, beugst Hüfte und Knie, als wolltest du dich auf einen Stuhl setzen, und richtest dich wieder auf. Achte darauf, dass dein Rücken gerade bleibt und die Knie in Richtung der Füße zeigen. Wenn dir das noch schwerfällt, hilft der Weg vom Stuhl: aufstehen und hinsetzen, nur so tief, wie es sich angenehm anfühlt.
Liegestütz
Du stützt dich auf Hände und Füße (oder Knie) und senkst den Oberkörper kontrolliert ab, bevor du dich wieder wegdrückst. Der Körper bleibt dabei möglichst eine Linie. Als leichtere Variante bietet sich der Liegestütz an der Wand oder auf einer erhöhten Fläche an, den auch der britische Gesundheitsdienst NHS in seinen Einsteigerübungen als Variante zeigt.
Rudern
Rudern trainiert den oberen Rücken und die Arme: Du ziehst ein Gewicht, ein Gummiband oder ein Kabel zum Körper heran, ohne mit Schwung zu arbeiten. Im Fitnessstudio gibt es dafür Geräte, die dir die Bewegungsbahn vorgeben. Das macht den Einstieg oft leichter als freie Gewichte. Beide Varianten, Geräte und freie Gewichte, nennt die Sportmedizin als geeignet für Einsteiger.
Plank (Unterarmstütz)
Beim Plank stützt du dich auf Unterarme und Füße und hältst den Körper gerade, ohne ins Hohlkreuz zu fallen. Du trainierst damit den Rumpf. Beginne mit kurzen Haltezeiten und brich ab, wenn die Spannung nachlässt und deine Haltung kippt.
Zwei allgemeine Regeln gelten für alle Übungen: Saubere Technik hat Vorrang vor schwerem Gewicht, und du atmest beim Anstrengen aus und beim Zurückgehen ein, statt die Luft anzuhalten.
Sätze, Wiederholungen und Pausen
Die bekannteste Orientierung stammt aus einer Stellungnahme des American College of Sports Medicine (ACSM) für gesunde Erwachsene. Für Untrainierte empfiehlt sie:
- Training des ganzen Körpers an zwei bis drei Tagen pro Woche.
- Pro Übung ein bis drei Sätze.
- Gewichte, mit denen du etwa 8 bis 12 Wiederholungen pro Satz schaffst.
- Pausen zwischen den Sätzen von ein bis zwei Minuten (diese Empfehlung stuft das ACSM selbst als weniger gut abgesichert ein).
Anfänger gewinnen laut der Stellungnahme schon mit eher niedrigen Lasten an Kraft. Zu Beginn kann es sinnvoll sein, mit leichten bis mäßigen Gewichten zu arbeiten, weil du erst die Bewegung lernen musst. Ein medizinisches Nachschlagewerk beschreibt ähnliche Richtwerte: 8 bis 12 kontrollierte Wiederholungen, höchstens etwa drei Sätze pro Übung, große Muskelgruppen zuerst.
Das sind Orientierungswerte für gesunde Erwachsene, keine Pflicht. Auch das ACSM betont, dass die Empfehlungen zu deinen Zielen, deinen körperlichen Voraussetzungen und deinem Trainingsstand passen müssen. Wenn du Vorerkrankungen hast, gilt das noch mehr.

Progression: So wirst du Schritt für Schritt stärker
Dein Körper passt sich nur an, wenn die Belastung nach und nach steigt. Fachleute sprechen von progressiver Überlastung. Du kannst sie auf mehrere Arten erhöhen: mehr Gewicht, mehr Wiederholungen, mehr Sätze oder eine schwierigere Variante der Übung. Gerade am Anfang passieren Anpassungen oft schnell, danach musst du bewusst nachlegen.
Als Faustregel nennt das ACSM: Wenn du mit dem aktuellen Gewicht ein bis zwei Wiederholungen mehr schaffst als geplant, kannst du die Last um etwa 2 bis 10 Prozent erhöhen. Das ist ein Anhaltspunkt, kein Gesetz. Steigere lieber etwas zu vorsichtig als zu schnell, denn Überlastung kann laut einem Beitrag im Deutschen Ärzteblatt gerade bei Untrainierten Knochen, Sehnen, Bänder und Gefäße belasten.
Ein sinnvoller Ablauf für die ersten Wochen kann so aussehen:
- Wähle vier bis sechs Grundübungen für den ganzen Körper.
- Starte mit einem bis zwei Sätzen und einem Gewicht, das du sauber bewegen kannst.
- Trainiere zwei- bis dreimal pro Woche, mit mindestens einem Ruhetag dazwischen.
- Erhöhe erst Wiederholungen, dann Gewicht oder Schwierigkeit, wenn die Technik stimmt.
- Wechsle nach einigen Wochen einzelne Übungen aus, damit das Training abwechslungsreich bleibt.
Wenn du dein Training mit der Ernährung abstimmen möchtest: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) beschreibt, dass eine ausgewogene, vielseitige Ernährung in den meisten Fällen auch für sportlich Aktive ausreicht und Nahrungsergänzungsmittel keinen Ersatz dafür darstellen. Eine grobe Orientierung zur Eiweißzufuhr findest du in unserem Eiweißbedarf-Rechner.
Regeneration und Verletzungsvorbeugung
Muskeln wachsen nicht während des Trainings, sondern in den Pausen danach. Für Einsteiger gilt deshalb: Plane zwischen zwei intensiven Einheiten für dieselbe Muskelgruppe etwa 48 Stunden Erholung ein. Ein medizinisches Nachschlagewerk weist darauf hin, dass Muskeln überfordert werden, wenn man sie häufiger als jeden zweiten Tag intensiv trainiert. Mehr dazu findest du im Lexikon unter Regeneration.
Aufwärmen, Technik, Steigerung
- Wärme dich mit leichten Bewegungen auf, die den Körper erwärmen. Dehnen ist laut der gleichen Quelle nach dem Training sinnvoller als davor.
- Beginne mit geringer Intensität, um die Technik zu lernen und Zerrungen vorzubeugen.
- Führe die Bewegungen ruhig und gleichmäßig aus, nicht ruckartig.
Muskelkater ist normal, Schmerz nicht immer
Ein ziehender Schmerz 24 bis 48 Stunden nach dem Training kann nach Krafttraining normal sein. Wie du ihn einordnest, erklärt das Lexikon unter Muskelkater. Einen stechenden, plötzlichen oder anhaltenden Schmerz solltest du dagegen nicht einfach „wegtrainieren“. Hör bei Warnzeichen wie anhaltenden Schmerzen, nachlassender Leistung oder einem erhöhten Ruhepuls auf deinen Körper und mach eine Pause. Bleibt es, sprich mit einer Ärztin oder einem Arzt.
- Die WHO empfiehlt Erwachsenen Muskelkräftigung an mindestens zwei Tagen pro Woche, mit allen großen Muskelgruppen.
- Zum Einstieg reichen vier bis sechs Grundübungen, zwei- bis dreimal pro Woche, je ein bis drei Sätze mit etwa 8 bis 12 Wiederholungen.
- Steigere Gewicht oder Schwierigkeit langsam; saubere Technik geht vor.
- Plane Ruhetage ein und unterscheide Muskelkater von Verletzungsschmerz.
- Gesundheitlicher Nutzen ist vor allem als Zusammenhang belegt; beim Knochenaufbau ist die Studienlage uneinheitlich.
- Bei Vorerkrankungen oder Beschwerden sprich vor dem Start mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Wann solltest du zum Arzt?
Für gesunde Menschen ist Krafttraining in der Regel gut machbar. Trotzdem ist ein Gespräch vor dem Start sinnvoll, wenn eines davon auf dich zutrifft:
- Du hast eine chronische Erkrankung, etwa des Herzens, der Gefäße, der Atemwege oder Diabetes. Auch die WHO rät, in solchen Fällen Art und Menge der Bewegung mit Fachpersonal zu besprechen.
- Du bist übergewichtig oder steigst nach langer Pause wieder ein. Ein Beitrag im Deutschen Ärzteblatt nennt hier einen Gesundheits-Check vor Trainingsbeginn als sinnvoll.
- Du bist über 40, beginnst neu mit Sport und hattest schon einmal Herzprobleme, Brustschmerzen, Atemnot, Herzklopfen oder Beinschmerzen beim Gehen. Ein medizinisches Nachschlagewerk rät, diese Punkte anzusprechen, ebenso plötzliche Herztodesfälle bei nahen Verwandten unter 50 Jahren.
- Du nimmst Medikamente wie Betablocker, die die Belastbarkeit beeinflussen können.
- Du hast Bluthochdruck: Mit dem Arzt klären, wie viel Belastung für dich passt. Hintergründe findest du in unserem Artikel zu Hausmitteln gegen Bluthochdruck.
Bei starken Beschwerden während des Trainings, etwa Druck in der Brust, ausgeprägter Atemnot, Schwindel oder anhaltenden Schmerzen, brich ab und such ärztlichen Rat. Bei akuten, starken Symptomen rufst du den Notruf 112. Nach den Angaben des genannten Nachschlagewerks brauchen die meisten Menschen übrigens kein Belastungs-EKG, wenn sie die Intensität schrittweise steigern. Ob das bei dir zutrifft, entscheidet aber die Ärztin oder der Arzt.
Häufige Fragen
Wie oft pro Woche sollte ich als Anfänger trainieren?
Die WHO nennt mindestens zwei Tage Muskelkräftigung pro Woche. Für untrainierte Erwachsene empfiehlt die Sportmedizin zwei bis drei Ganzkörpereinheiten. Dazwischen brauchst du Pausentage.
Reicht Krafttraining mit dem eigenen Körpergewicht?
Für den Einstieg oft ja. Die ACSM-Stellungnahme zeigt, dass schon niedrige Lasten bei Untrainierten Kraft aufbauen können. Mit der Zeit musst du den Reiz erhöhen, zum Beispiel über schwierigere Varianten oder zusätzliches Gewicht.
Wie lange sollte eine Einheit dauern?
Dafür gibt es keine feste Vorgabe. In der Auswertung von Beobachtungsstudien lag die größte Risikosenkung bei etwa 30 bis 60 Minuten Muskelkräftigung pro Woche. Beginne lieber kürzer, wenn deine Muskeln schon nach wenigen Minuten schmerzen.
Brauche ich Proteinpulver?
Nach Einschätzung der DGE reicht in den meisten Fällen eine ausgewogene, vielseitige Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz dafür. Wie viel Eiweiß für dich sinnvoll ist, kannst du mit dem Rechner oben grob einschätzen und bei Unsicherheit mit einer Ernährungsfachkraft besprechen.
Quellen
- World Health Organization: Physical activity. Fact Sheet, WHO. https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/physical-activity
- Bull FC et al.: World Health Organization 2020 guidelines on physical activity and sedentary behaviour. British Journal of Sports Medicine 2020. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7719906/
- American College of Sports Medicine: Progression models in resistance training for healthy adults (Position Stand). Medicine & Science in Sports & Exercise 2009;41(3):687-708. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19204579/
- Cochrane: Progressive resistance strength training for improving physical function in older adults. Cochrane Database of Systematic Reviews, CD002759. https://www.cochrane.org/de/evidence/CD002759_progressive-resistance-strength-training-improving-physical-function-older-adults
- Momma H et al.: Muscle-strengthening activities are associated with lower risk and mortality in major non-communicable diseases: a systematic review and meta-analysis of cohort studies. British Journal of Sports Medicine 2022. https://bjsm.bmj.com/content/56/13/755.abstract
- The Effect of Resistance Training on Bone Mineral Density in Older Adults: A Systematic Review and Meta-Analysis. Healthcare (Basel) 2022. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9222380/
- MSD Manual Ausgabe für Patienten: Beginn eines Trainingsprogramms. https://www.msdmanuals.com/de/heim/spezialthemen/sport-und-fitness/beginn-eines-trainingsprogramms
- Deutsches Ärzteblatt: Vor dem Sport steht der Gesundheitscheck. Vermischtes. https://www.aerzteblatt.de/news/vor-dem-sport-steht-der-gesundheitscheck-81906c29-67db-45ad-9bc8-94ddb668bf1c
- NHS: Strength exercises. https://www.nhs.uk/live-well/exercise/strength-exercises/
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Ernährung und Sport. https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/gezielte-ernaehrung/ernaehrung-und-sport/
Bildquellen
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