Eine Erkältung geht bei den meisten Menschen nach ein bis zwei Wochen von selbst vorbei. Kein Mittel verkürzt sie nachweislich deutlich, aber Ruhe, genug Trinken und gezielte Linderung einzelner Beschwerden machen die Zeit erträglicher; Antibiotika helfen bei Viren nicht.
Die Nase läuft, der Hals kratzt, der Kopf brummt: Eine Erkältung kennt fast jeder. Erwachsene erkälten sich im Schnitt zwei- bis viermal im Jahr, Kinder deutlich öfter. Rund um das Thema kursieren viele Versprechen. Wir haben für dich zusammengetragen, was die Studienlage tatsächlich hergibt, wo sie dünn ist und wann du lieber ärztlichen Rat suchen solltest.
Die Hinweise ersetzen keine Untersuchung; sie sollen dir helfen, die Erkältung gelassen und sinnvoll zu überstehen.

Wie lange dauert eine Erkältung?
Eine Erkältung entwickelt sich meist über zwei bis drei Tage und klingt dann in der Regel nach ein bis zwei Wochen von selbst ab. Das Schlimmste ist oft nach etwa einer Woche überstanden. Halsschmerzen und Schnupfen sind häufig schon nach wenigen Tagen vorbei.
Der Husten hält sich dagegen gern länger: Bei Erwachsenen dauert es im Durchschnitt 18 Tage, bis er ganz verschwunden ist, bei Kindern kann er bis zu drei Wochen anhalten. Das ist kein Grund zur Sorge, solange er langsam besser wird.
Verursacht wird eine Erkältung von Viren, die die Schleimhäute in Nase und Rachen reizen. Weil es sehr viele verschiedene Erkältungsviren gibt, existiert kein Medikament, das sie gezielt bekämpft und die Dauer spürbar verkürzt. Von der echten Grippe (Influenza) unterscheidet sich die Erkältung meist durch den Beginn: Die Grippe startet oft plötzlich mit hohem Fieber, Schüttelfrost und starken Glieder- und Muskelschmerzen.
Was dir wirklich guttut
Gegen die Viren selbst kannst du wenig tun, aber du kannst deinem Körper die Zeit geben und die Beschwerden lindern:
- Ruhe: Bleib zu Hause, wenn du Fieber hast oder dich dein Alltag überfordert. Das schont dich und schützt andere.
- Genug trinken: Wasser, ungesüßter Tee oder Brühe gleichen den Flüssigkeitsverlust aus. Trink so viel, dass du keinen Durst hast.
- Leichte, ausgewogene Kost: Wenn der Appetit fehlt, ist das in Ordnung. Iss, worauf du Lust hast.
- Nicht rauchen: Rauch kann die Beschwerden verschlimmern.
- Dampf: Der Aufenthalt im Bad bei heißer Dusche kann eine verstopfte Nase lösen. Bei Kindern solltest du keine Schüssel mit heißem Wasser zum Inhalieren verwenden, denn es besteht Verbrühungsgefahr.
Schlaf ist in dieser Zeit mehr als Komfort. Falls du schlecht schläfst, findest du Anregungen in unserem Beitrag Besser einschlafen: Tipps.
Gegen Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen können Wirkstoffe wie Ibuprofen oder Paracetamol einzelne Beschwerden lindern. Sie bekämpfen die Erkältung nicht, sondern nehmen ihr die Spitzen. Kombiniere sie nicht mit anderen Erkältungsmitteln, die denselben Wirkstoff enthalten, damit du nicht versehentlich zu viel einnimmst. Kindern unter 16 Jahren gibt man kein Aspirin. Lass dich bei Unsicherheit in der Apotheke beraten.
Abschwellende Nasensprays können die Nase kurzfristig frei machen. Sie sind nur für wenige Tage gedacht: Länger als etwa eine Woche angewendet, können sie die Beschwerden verschlimmern. Für Kinder unter sechs Jahren sind sie nicht vorgesehen.

Honig, Halsschmerzen und Nase: was die Evidenz sagt
Honig bei Husten
Honig ist eines der wenigen Hausmittel mit ernstzunehmender Studienlage, allerdings vor allem bei Kindern. Ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2018 wertete sechs Studien mit 899 Kindern mit akutem Husten aus. Honig lindert den Husten demnach wahrscheinlich besser als keine Behandlung oder ein Scheinmedikament und verkürzt ihn wahrscheinlich etwas. Gegenüber einem gängigen Hustenstiller (Dextromethorphan) macht er wahrscheinlich kaum einen Unterschied. Eine Einschränkung: Die meisten Kinder wurden nur eine Nacht lang behandelt, über längere Zeiträume wissen wir also wenig. Nebenwirkungen traten nicht häufiger auf als in den Vergleichsgruppen.
Wichtig: Babys unter 12 Monaten dürfen keinen Honig bekommen. Mehr zu Honigsorten und was von besonderen Sorten zu halten ist, findest du in unserem Beitrag Manuka-Honig. Gesundheitsportale nennen für Husten außerdem pflanzliche Präparate mit Thymian, Efeu, Eukalyptus, Primel- oder Pelargonienwurzel als Möglichkeit, die den Husten etwas lindern könnten.
Halsschmerzen
Halsschmerzen sind oft nach wenigen Tagen vorbei. Zum Lindern kannst du warme Getränke ausprobieren; ein Getränk aus warmem Wasser, dem Saft einer halben Zitrone und ein bis zwei Teelöffeln Honig kann den Hals beruhigen. Auch Salzwasser zum Gurgeln kann Linderung bringen, ist aber für Kinder nicht geeignet. Beides lindert Beschwerden, die Erkältung verkürzt es nicht.
Die ärztliche Leitlinie zu Halsschmerzen nennt bei stärkeren Schmerzen Ibuprofen oder Naproxen. Lutschtabletten mit örtlichen Betäubungsmitteln oder entzündungshemmenden Wirkstoffen können erwogen werden; Lutschtabletten mit Antiseptika oder Antibiotika soll man dagegen nicht empfehlen, da sie nur an der Oberfläche wirken. Speichelanregendes Lutschen und kühlendes Menthol können ebenfalls Linderung bringen.
Nasenspülung
Salzwasser für die Nase ist beliebt, die Studienlage ist aber schwach. Ein älterer Cochrane-Review (2010) fand drei kleine Studien mit 618 Erwachsenen und Kindern. Bei den meisten Messgrößen zeigte sich kein Unterschied zur Vergleichsgruppe, bei Erwachsenen gab es begrenzte Hinweise auf einen Nutzen. Die Autoren hielten die Studien für zu klein und zu fehleranfällig, um sicher zu sein. Bei Babys vertrugen 40 Prozent die Salzwassertropfen nicht. Wenn dir die Spülung guttut, spricht wenig dagegen; ein belegter Heilungseffekt ist es nicht.
Ingwer und andere Hausmittel
Viele schwören bei Erkältung auf Ingwertee. Als wärmendes Getränk ist er angenehm und hilft dir beim Trinken. Was über seine Wirkung wirklich bekannt ist, haben wir in Ingwer: Wirkung eingeordnet.

Vitamin C, Zink und Echinacea
Hier ist die Erwartung oft größer als der Nutzen. Gesundheitsportale schreiben zusammenfassend, dass sich der Nutzen von Vitamin C, Zink und Echinacea derzeit nicht zuverlässig beurteilen lässt. Das ergibt sich aus den Cochrane-Übersichtsarbeiten:
- Vitamin C: Der Cochrane-Review von 2013 wertete bei der Vorbeugung 29 Vergleiche mit 11.306 Teilnehmenden aus. Bei der Allgemeinbevölkerung senkte regelmäßig eingenommenes Vitamin C das Risiko, sich zu erkälten, praktisch nicht. Anders bei Menschen unter extremer körperlicher Belastung (Marathonläufer, Skifahrer, Soldaten bei Übungen in der Subarktis): In fünf Studien mit 598 Personen war das Erkältungsrisiko etwa halbiert. Wer regelmäßig Vitamin C nahm, hatte Erkältungen im Mittel etwa 8 Prozent kürzer (Erwachsene) beziehungsweise 14 Prozent kürzer (Kinder). Erst nach Beginn der Symptome eingenommen, zeigte sich in den Studien kein einheitlicher Effekt.
- Zink: Der aktuelle Cochrane-Review (2024) bezieht 34 Studien mit 8.526 Teilnehmenden ein. Zink hat demnach möglicherweise kaum oder keinen Einfluss darauf, ob du dich erkältest, und kann eine bestehende Erkältung möglicherweise etwas verkürzen. Bei der Behandlung treten wahrscheinlich mehr (nicht schwerwiegende) Nebenwirkungen auf. Die Sicherheit der Ergebnisse stufen die Autoren als niedrig bis mäßig ein. Mehr zum Mineralstoff findest du in Zink: Wirkung.
- Echinacea: Der Cochrane-Review von 2014 umfasste 24 Studien. Keine der Einzelstudien zur Vorbeugung zeigte für sich genommen einen Effekt; eine grobe gemeinsame Auswertung deutete auf ein etwas geringeres Erkältungsrisiko hin (Risikoverhältnis 0,83). Bei der Behandlung fanden die vier Studien mit geringem Fehlerrisiko keinen Nutzen. Die Autoren beschreiben die Belege für eine klinisch relevante Wirkung als schwach. Die geprüften Präparate waren sehr unterschiedlich; Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Übelkeit und schlechter Geschmack kamen in den Behandlungsstudien etwas häufiger vor.
Unterm Strich: Ein Wundermittel ist nicht dabei. Bei Vitamin D gilt laut Gesundheitsportalen, dass es nicht gegen Erkältungen zu wirken scheint, außer bei einem bestehenden Mangel. Wenn du dein Immunsystem langfristig unterstützen möchtest, helfen Schlaf, Bewegung und Ernährung mehr als ein Präparat; Hintergründe findest du in Immunsystem stärken.
Warum Antibiotika nicht helfen
Antibiotika wirken nur gegen Bakterien, nicht gegen Viren. Da Erkältungen fast immer virusbedingt sind, helfen sie nicht: Sie lindern die Beschwerden nicht und beschleunigen die Genesung nicht, können aber Nebenwirkungen haben. Sie kommen nur infrage, wenn zusätzlich Bakterien Komplikationen auslösen, etwa bei einer bakteriellen Nasennebenhöhlenentzündung. Das entscheidet eine Ärztin oder ein Arzt. Drängle deshalb nicht auf ein Rezept und nimm keine Reste alter Packungen ein.
Ansteckung vermeiden
Erkältungsviren verbreiten sich über Tröpfchen beim Husten und Niesen und über Oberflächen wie Türklinken, Haltegriffe oder Tastaturen, von denen sie über die Hände an Nase und Mund gelangen. Auf Händen und Flächen können Erreger bis zu 24 Stunden überleben. Ansteckend kannst du schon einige Tage vor den ersten Symptomen sein und bleibst es, bis die Beschwerden abgeklungen sind, meist ein bis zwei Wochen.
- Wasche deine Hände oft mit normaler Seife und warmem Wasser.
- Fass dir möglichst nicht ins Gesicht.
- Niese und huste in ein Taschentuch und wirf es sofort weg.
- Teile keine Tassen, Gläser und Handtücher mit erkälteten Menschen.
- Bleib bei Fieber oder deutlicher Erschöpfung zu Hause.
Eine Impfung gegen Erkältungsviren gibt es nicht, und die Grippeimpfung schützt nicht vor einer Erkältung. Für Probiotika gibt es laut Gesundheitsportalen Hinweise, dass sie Infekte der oberen Atemwege seltener machen könnten; die Datenlage ist aber begrenzt.
Wann solltest du zum Arzt?
Meist reicht eine Erkältung ohne Arztbesuch. Such ärztlichen Rat, wenn:
- du Luftnot oder Atembeschwerden oder Brustschmerzen hast,
- das Fieber hoch ist oder länger als etwa drei Tage anhält,
- die Beschwerden stärker werden oder nach etwa 10 Tagen nicht besser sind,
- ein Husten länger als drei Wochen dauert,
- du eine chronische Erkrankung hast, zum Beispiel der Lunge (etwa COPD), des Herzens, der Nieren oder Diabetes, oder dein Immunsystem geschwächt ist,
- du dir unsicher bist, ob es wirklich nur eine Erkältung ist.
Bei Kleinkindern können Komplikationen wie Mittelohrentzündung oder Pseudokrupp auftreten. Wenn du dir um dein Kind Sorgen machst, ruf lieber einmal zu früh in der Praxis an. Auch bei älteren Menschen und bei bestehenden Vorerkrankungen gilt: im Zweifel früher nachfragen. Bei akuter Atemnot oder starken Brustschmerzen wähle den Notruf.
Ernsthafte Komplikationen wie eine Lungenentzündung sind bei einer Erkältung selten.
- Eine Erkältung dauert meist ein bis zwei Wochen; Husten kann länger bleiben.
- Ruhe, ausreichend Trinken und die Linderung einzelner Beschwerden sind der Kern der Selbsthilfe.
- Honig kann bei Husten helfen (nicht bei Babys unter 12 Monaten); Nasenspülung hat nur schwache Belege.
- Vitamin C, Zink und Echinacea: kein verlässlicher Nutzen für die Allgemeinheit, teils Nebenwirkungen.
- Antibiotika wirken nicht gegen Viren.
- Händewaschen und Zuhausebleiben schützen andere.
- Bei Atemnot, Brustschmerzen, hohem oder anhaltendem Fieber oder Besserung, die ausbleibt, ärztlichen Rat suchen.
Häufige Fragen
Ist Husten nach zwei Wochen noch normal?
Ja, das kann sein. Bei Erwachsenen dauert Husten nach einer Erkältung im Schnitt 18 Tage. Lass ihn ärztlich abklären, wenn er länger als drei Wochen anhält oder du zusätzlich Atemnot oder Brustschmerzen hast.
Muss ich bei Erkältung ins Bett?
Nicht zwingend. Wenn du Fieber hast oder dich schlapp fühlst, ist Schonung sinnvoll. Mit leichten Beschwerden kannst du ruhig Alltägliches tun, solltest aber andere nicht anstecken und dich nicht überfordern.
Welche Rolle spielt Stress?
Wie Stress und Lebensstil das Immunsystem beeinflussen, ist ein eigenes Thema; Ideen zum Abschalten findest du in unserem Beitrag Stress abbauen. Gegen eine akute Erkältung ist vor allem Erholung nützlich.
Kann ich einer Erkältung mit Hausmitteln vorbeugen?
Verlässlich wirksam sind vor allem Hygiene-Maßnahmen wie Händewaschen. Für einzelne Hausmittel oder Nahrungsergänzungen ist die vorbeugende Wirkung nicht ausreichend belegt.
Quellen
- gesund.bund.de (Bundesministerium für Gesundheit): Erkältung. https://gesund.bund.de/erkaeltung
- IQWiG: Erkältung. gesundheitsinformation.de. https://www.gesundheitsinformation.de/erkaeltung.2642.de.html
- NHS: Common cold. https://www.nhs.uk/conditions/common-cold/
- Hemilä H, Chalker E: Vitamin C for preventing and treating the common cold. Cochrane Database Syst Rev 2013 (Europe PMC). https://europepmc.org/article/MED/23440782
- Cochrane Database Syst Rev: Zinc for prevention and treatment of the common cold. 2024 (Europe PMC, Suche). https://europepmc.org/search?query=%22Zinc%20for%20prevention%20and%20treatment%20of%20the%20common%20cold%22
- Cochrane-Review zu Echinacea (2014), zusammengefasst in: JAMA Clinical Evidence Synopsis (PubMed Central). https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4367446
- Cochrane Database Syst Rev: Honey for acute cough in children. 2018 (Europe PMC). https://europepmc.org/article/MED/29633783
- Kassel JC et al.: Saline nasal irrigation for acute upper respiratory tract infections. Cochrane Database Syst Rev 2010 (Europe PMC, Suche). https://europepmc.org/search?query=%22Saline%20nasal%20irrigation%20for%20acute%20upper%20respiratory%20tract%20infections%22
- Pharmazeutische Zeitung: Was bei akuten Halsschmerzen hilft (zur DEGAM-Leitlinie Halsschmerzen). https://www.pharmazeutische-zeitung.de/was-bei-akuten-halsschmerzen-hilft-129580/
Bildquellen
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