Blutdruck richtig messen: So misst du zu Hause zuverlässig

Wichtig: Dieser Artikel informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Beschwerden sprich bitte mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Du misst deinen Blutdruck am zuverlässigsten mit einem geprüften Oberarmgerät, nach fünf Minuten ruhigem Sitzen, mit passender Manschette auf Herzhöhe und möglichst über eine ganze Woche morgens und abends. Zu Hause gilt nach Angaben der Deutschen Hochdruckliga ein Wert unter 135/85 mmHg als unauffällig, in der Praxis liegt die Grenze bei 140/90 mmHg.

Ein einzelner Blutdruckwert sagt erstaunlich wenig aus: Er schwankt im Tagesverlauf, steigt bei Aufregung und fällt nach Ruhe. Wie gut deine Messung ist, hängt deshalb weniger vom Gerät allein ab als davon, wie du misst. In diesem Ratgeber zeigen wir dir, worauf es bei Gerät, Manschette und Haltung ankommt, wie ein sinnvolles Messprotokoll aussieht und wie du die Zahlen einordnest. Er ersetzt keine ärztliche Beratung, hilft dir aber, deinem Arzt brauchbare Werte mitzubringen.

Blutdruckmessgerät mit Manschette auf einem Tisch
Ein geprüftes Oberarmgerät liefert in der Regel die verlässlichsten Heimwerte.

Oberarm oder Handgelenk? Das richtige Gerät

Für die Selbstmessung gibt es zwei Gerätetypen: Oberarm- und Handgelenkgeräte. Fachleute ziehen in der Regel das Oberarmgerät vor, denn es ist weniger fehleranfällig. Bei Handgelenkgeräten ist vor allem die Höhe das Problem: Das Handgelenk muss während der gesamten Messung auf Herzhöhe liegen, sonst verfälscht das die Werte. Besonders bei älteren Menschen und bei Menschen mit Diabetes gelten Handgelenkgeräte als anfälliger für Fehler. Bei Diabetes, Arteriosklerose oder Herzrhythmusstörungen wird deshalb ein Oberarmgerät empfohlen.

Ganz verzichtbar sind Handgelenkgeräte nicht. Wenn der Oberarm sehr kräftig ist und keine Manschette sinnvoll passt, kann ein Handgelenkgerät eine Alternative sein. Dann gilt: Arm nicht schräg vor der Brust halten, sondern am Tisch auflegen, sodass das Handgelenk etwa auf Herzhöhe liegt. Eine weitere Möglichkeit ist, die Hand des Messarms auf die gegenüberliegende Schulter zu legen und den Ellbogen locker hängen zu lassen.

Geprüfte Genauigkeit: Worauf du achten kannst

Nicht jedes Gerät misst gut. Die Deutsche Hochdruckliga hat ein eigenes Prüfprotokoll entwickelt; unabhängige Institute testen Geräte dafür an mindestens 96 Personen unterschiedlichen Alters. Nach einem Bericht der Apotheken Umschau ist bisher etwa die Hälfte der getesteten Oberarmgeräte und rund 70 Prozent der Handgelenkgeräte durchgefallen. Das CE-Zeichen allein sagt nichts über die Messgenauigkeit aus. Die Hochdruckliga veröffentlicht auf ihrer Website eine Liste geprüfter Geräte, in der Oberarmgeräte deutlich überwiegen. Schau dort nach, bevor du kaufst. Wenn du unsicher bist, kannst du dein Gerät zur Kontrolle einmal in der Hausarztpraxis neben der Praxismessung benutzen.

Zur Einordnung: Viele Krankenkassen übernehmen die Kosten für ein Gerät nach der Diagnose Bluthochdruck. Frag dort oder in der Apotheke nach.

Die passende Manschette

Die Manschette ist die häufigste versteckte Fehlerquelle. Ist sie zu schmal, zeigt das Gerät zu hohe Werte an, ist sie zu breit, zu niedrige. Menschen mit sehr kräftigen oder sehr dünnen Armen brauchen daher andere Größen als der Durchschnitt; für kräftige Oberarme gibt es größere Manschetten. Lass dich dazu in der Apotheke beraten und miss deinen Oberarmumfang vor dem Kauf. Konkrete Größenbereiche findest du in der Gebrauchsanleitung des Geräts.

So prüfst du den Sitz am Oberarm:

  • Die Manschette liegt auf der nackten Haut, nicht über dickem Stoff.
  • Der untere Rand sitzt etwa zwei bis drei Zentimeter oberhalb der Ellenbeuge.
  • Die Markierung der Manschette liegt über der Armarterie an der Innenseite des Arms.
  • Vor dem Aufpumpen passen noch zwei Finger unter die Manschette, sie sitzt also weder zu locker noch zu fest.
Arm mit angelegter Manschette bei der Blutdruckmessung
Die Manschette sitzt auf der nackten Haut und etwa auf Herzhöhe.

So misst du richtig: Bedingungen und Haltung

Die Messung soll deinen Ruhezustand abbilden, nicht deinen Weg zum Stuhl. Diese Punkte haben sich bewährt:

  • Vorher: Etwa 30 Minuten lang keine körperliche oder seelische Belastung. Wer kurz vorher Treppen gestiegen ist, misst zu hoch. Geh vorher auf die Toilette, denn eine volle Blase kann den Blutdruck erhöhen. Vor der Messung möglichst eine Stunde auf Kaffee und Nikotin verzichten.
  • Ruhen: Setz dich fünf Minuten entspannt, aber aufrecht an einen Tisch. Die Füße stehen nebeneinander auf dem Boden, die Beine sind nicht übereinandergeschlagen.
  • Arm: Der Arm liegt locker auf dem Tisch, die Manschette etwa auf Herzhöhe. Dicke Pullover ausziehen, hochgeschobene Ärmel können den Blutfluss stauen.
  • Während der Messung: Nicht sprechen, nicht bewegen, nicht nebenbei aufs Handy schauen oder Fernsehen.
  • Wiederholen: Miss zweimal im Abstand von etwa einer Minute und notiere den zweiten Wert, der meist etwas niedriger ausfällt. Zu häufiges Messen hintereinander verfälscht die Werte.

Bei Vorhofflimmern oder anderen Herzrhythmusstörungen empfiehlt die Hochdruckliga dreimal im Minutenabstand zu messen und den Mittelwert zu notieren. Zeigt dein Gerät häufig Fehlermeldungen oder Rhythmus-Hinweise, sprich das beim Arzt an.

Messen an beiden Armen?

Ja, mindestens einmal. Zu Beginn sollte dein Arzt an beiden Armen messen. Unterschiede bis 10 mmHg gelten als unbedeutend; größere Differenzen sollten ärztlich abgeklärt werden. Zu Hause misst du dann immer am selben Arm, im Zweifel an dem mit den höheren Werten. Ein Wechsel der Seite von Tag zu Tag macht dein Protokoll nur unübersichtlich.

Messzeitpunkte und Messprotokoll

Der Blutdruck schwankt im Tagesverlauf, deshalb sind feste Zeiten sinnvoll: morgens und abends. Morgens misst du vor der Einnahme blutdrucksenkender Medikamente (falls du welche nimmst) und vor dem ersten Kaffee oder Tee.

Die Deutsche Hochdruckliga empfiehlt als Protokoll eine Messwoche pro Monat:

  1. Sieben Tage hintereinander messen.
  2. An jedem Tag morgens und abends jeweils zweimal (Abstand etwa eine Minute), also vier Messungen pro Tag.
  3. Die Werte des ersten Tages bleiben bei der Auswertung außen vor.
  4. Aus den Tagen zwei bis sieben bildest du den Mittelwert.

Trage jede Messung mit Datum, Uhrzeit und Puls in ein Blutdrucktagebuch ein. Ein Papiertagebuch reicht völlig; viele Geräte speichern auch selbst. Nimm das Tagebuch zum Arzttermin mit. So sieht dein Arzt statt einzelner Zufallswerte ein verlässliches Bild.

Notizbuch und Stift auf einem Tisch für das Blutdrucktagebuch
Ein Blutdrucktagebuch macht deine Werte für den Arzt nachvollziehbar.

Praxis, Weißkittel und Selbstmessung

In der Praxis sind Werte oft höher als zu Hause. Im Schnitt liegen sie nach Angaben aus der Fachpresse etwa 5 mmHg höher, weil die Aufregung mitmisst. Bei der sogenannten Weißkittelhypertonie ist der Blutdruck nur in der Praxis erhöht, zu Hause aber normal. Das Gegenteil heißt maskierte Hypertonie: In der Praxis sieht alles gut aus, im Alltag sind die Werte aber zu hoch. Genau diese Unterschiede macht die Selbstmessung sichtbar. Deshalb sind deine Heimwerte für den Arzt so wertvoll.

Wichtig: Messe auch dann weiter wie geplant, wenn du dich gesund fühlst. Ein hoher Blutdruck macht sich oft lange nicht bemerkbar. Und umgekehrt: Wirst du nervös, wenn du eine Zahl siehst, macht das den Wert nicht besser. Ein Ausreißer nach oben ist kein Grund zur Panik, denn ein einzelner Wert ist wenig aussagekräftig.

Was dir sonst noch hilft, deinen Blutdruck im Alltag zu beeinflussen, liest du in unserem Beitrag zu Hausmitteln gegen Bluthochdruck. Wenn du die Begriffe nachschlagen willst, hilft dir auch der Lexikon-Eintrag Blutdruck.

Richtwerte nach aktueller Leitlinie

Die europäische Leitlinie der ESC von 2024 hat die Einteilung vereinfacht. Die früheren Stufen „optimal“ und „normal“ gibt es nicht mehr. Stattdessen gilt:

  • Nicht erhöhter Blutdruck: unter 120/70 mmHg.
  • Erhöhter Blutdruck: systolisch 120 bis 139 und/oder diastolisch 70 bis 89 mmHg. Das ist noch keine Hypertonie, aber ein Bereich, in dem der Arzt dein Gesamtrisiko für Herz und Gefäße betrachtet.
  • Bluthochdruck (Hypertonie): ab 140/90 mmHg, unverändert.

Die Leitlinie nennt für Menschen, die blutdrucksenkende Medikamente einnehmen und gut vertragen, als Ziel für den oberen Wert in der Regel 120 bis 129 mmHg. Bei Älteren oder gebrechlichen Menschen soll der Wert so niedrig sein, wie es vernünftigerweise erreichbar ist. Ein Ziel legt immer dein Arzt individuell mit dir fest; du solltest nicht auf eigene Faust Medikamente verändern.

Für die Messung zu Hause nennt die Deutsche Hochdruckliga 135/85 mmHg als Grenze, in der Praxis 140/90 mmHg. Als Faustregel gilt, dass Heimwerte etwa 5 mmHg niedriger liegen als Praxiswerte. Auch das Alter spielt eine Rolle: Für die Praxis nennt die Hochdruckliga bei unter 65-Jährigen ein Ziel unter 130/80 mmHg. Verschiedene Quellen nennen leicht unterschiedliche Zahlen (manche Ratgeber sprechen von 130/80 als Grenze), je nachdem, ob sie Diagnosegrenze oder Behandlungsziel meinen. Verlass dich deshalb auf die Einordnung deines Arztes. Welche Lebensstilfaktoren zusätzlich eine Rolle spielen, findest du etwa in unserem Beitrag zum Cholesterin senken und im Ratgeber Stress abbauen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bevorzugt ein von der Hochdruckliga geprüftes Oberarmgerät nutzen; Handgelenkgeräte nur mit Arm auf Herzhöhe.
  • Die Manschette muss zum Oberarm passen: zu schmal misst zu hoch, zu breit zu niedrig.
  • Vor der Messung fünf Minuten ruhig sitzen, nicht sprechen, Arm auf Herzhöhe, zweimal im Minutenabstand messen.
  • Empfohlen wird eine Messwoche pro Monat: sieben Tage, morgens und abends je zwei Messungen; Tag eins zählt nicht.
  • Richtwerte: Praxis ab 140/90 mmHg Hypertonie, zu Hause 135/85 mmHg; „erhöht“ ist 120/70 bis 139/89 mmHg.
  • Bei dauerhaft erhöhten Werten oder Warnzeichen ärztlich abklären lassen.

Wann solltest du zum Arzt?

Such ärztlichen Rat, wenn dein Wochenmittel über der Grenze für Heimwerte liegt oder die Werte unverändert hoch bleiben. Erst dann ist ein Kontrolltermin beim Hausarzt sinnvoll; ein einzelner hoher Wert ist es nicht. Sprich außerdem an, wenn:

  • sich die Werte beider Arme um mehr als 10 mmHg unterscheiden,
  • dein Gerät häufig Fehler oder Rhythmus-Hinweise anzeigt,
  • du ein neues Blutdruckmedikament bekommen hast und dich schwindelig oder schwach fühlst,
  • du Diabetes, eine Nierenerkrankung oder eine Herzerkrankung hast und deine Werte schwanken.

Notfall

Fachlich unterscheidet man bei sehr hohen Werten ab etwa 180/110 mmHg zwei Situationen. Ohne Beschwerden spricht man von einer hypertensiven Entgleisung; auch dann solltest du zeitnah ärztlichen Rat suchen. Kommen Zeichen eines Organschadens dazu, ist es ein hypertensiver Notfall. Warnzeichen sind Brustschmerz, Atemnot, Sprachstörungen, Lähmungen, Sehstörungen, Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen, auch starke Kopfschmerzen oder Erbrechen können dazugehören. In diesem Fall wähle den Notruf 112 und warte nicht ab. In der Schwangerschaft gilt besondere Vorsicht, hier suchst du bei hohen Werten und Beschwerden immer ärztlichen Rat.

Häufige Fragen

Wie oft sollte ich meinen Blutdruck messen?

Die Hochdruckliga empfiehlt eine Messwoche pro Monat mit je zwei Messungen morgens und abends. Tägliches Dauermessen ist nicht nötig und kann dich eher verunsichern.

Darf ich im Liegen oder im Stehen messen?

Für die Selbstmessung gilt: ruhig und aufrecht am Tisch sitzen. Das macht deine Werte über Wochen vergleichbar.

Welcher Arm ist der richtige?

Lass zu Beginn beide Arme messen. Danach bleibst du zu Hause bei einem Arm, im Zweifel bei dem mit den höheren Werten.

Mein Gerät zeigt zwei Werte, die stark abweichen. Was nun?

Das erste Ergebnis ist oft das höchste. Warte eine Minute, miss erneut und notiere den zweiten Wert. Bleiben große Abweichungen dauerhaft bestehen, nimm Gerät und Tagebuch mit zum Arzt.

Muss ich vor der Messung Kaffee weglassen?

Es wird empfohlen, vor der Messung eine Stunde auf Kaffee und Nikotin zu verzichten, damit sie deine Werte nicht beeinflussen.

Quellen

  1. Pharmazeutische Zeitung: Blutdruck richtig messen. Ausgabe 20/2016. https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-202016/blutdruck-richtig-messen/
  2. Apotheken Umschau: Blutdruckmessgeräte, worauf es beim Kauf ankommt. https://www.apotheken-umschau.de/gesund-bleiben/vorsorge/butdruckmessgeraete-worauf-es-beim-kauf-ankommt-824109.html
  3. Aponet (Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände): Welches Blutdruckmessgerät ist das richtige? https://www.aponet.de/artikel/welches-blutdruckmessgeraet-ist-das-richtige-25256
  4. Aponet: Blutdruck messen, warum sieben Tage im Monat reichen (Empfehlung der Deutschen Hochdruckliga). https://www.aponet.de/artikel/blutdruck-messen-warum-sieben-tage-im-monat-reichen-30808
  5. Pharmazeutische Zeitung: Hinweise zur Blutdruck-Selbstmessung (Deutsche Hochdruckliga). https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=76293
  6. Pharmazeutische Zeitung: Erhöhter Blutdruck schon ab 120/70 mmHg (zur ESC-Leitlinie 2024). https://www.pharmazeutische-zeitung.de/erhoehter-blutdruck-schon-ab-12070-mmhg-149733/
  7. Pharmazeutische Zeitung: Erhöhter Blutdruck schon ab 120/70 mmHg, Seite 2 (Zielwerte). https://www.pharmazeutische-zeitung.de/erhoehter-blutdruck-schon-ab-12070-mmhg-149733/seite/2/
  8. Deutsche Kardiologische Gesellschaft: Kommentar zu den ESC-Leitlinien 2024 für erhöhten Blutdruck und Hypertonie (Zusammenfassung). herzmedizin.de, DGK-Kommentar ESC 2024
  9. apotheken.de: Tipps für die Selbstmessung. https://www.apotheken.de/gesundheit/12267-blutdruck-richtig-messen
  10. DocCheck Flexikon: Hypertensive Krise. https://flexikon.doccheck.com/de/Hypertensive_Krise

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