Traditionelle Chinesische Medizin: Grundlagen und Grundsätze

Die „Traditionelle Chinesische Medizin“ im Folgenden oft kurz TCM genannt, beschreibt eine sogenannte Konstitutionstherapie, also eine Therapie die nicht nur auf einzelne Organe, sondern auf den Körper als Ganzes wirken soll. Im folgenden Artikel zum Thema „Traditionelle Chinesische Medizin: Grundlagen und Grundsätze“ soll auf die unterschiedlichen Formen und Möglichkeiten der TCM eingegangen werden, um Ihnen ein fundiertes Wissen über die Behandlungsprinzipien dieser alten Kunst zu vermitteln (Mayer-Fally 2014).

​Geschichte der Traditionellen Chinesischen Medizin

Die Geschichte der TCM reicht bereits viele Jahrtausende zurück, Experten sind sich nicht vollkommen einig über den Zeitpunkt der Entstehung der Traditionellen Chinesischen Medizin, jedoch liegt der Entstehungszeitraum der TCM rund 2.000 bis 6.000 Jahre zurück. Grundsätzlich ist die Entstehung der Traditionellen Chinesischen Medizin auf den chinesischen Raum zurückzuführen, wo zu Beginn eine vorwiegende Verbreitung im ostasiatischen Raum dokumentiert wurde. Durch die vielen Länder, in denen die TCM über etliche Epochen verbreitet wurde entwickelten sich auch verschiedene, länderspezifische Unterkategorien an Therapiemethoden, angelehnt an die Behandlungskonzepte der Traditionellen Chinesischen Medizin.

Viele Behandlungsmethoden der TCM sind bis in die Gegenwart hinein gleichgeblieben und erfreuen sich vor allem im asiatischen Raum konsequenter Beliebtheit. In die westliche Welt, die vor allem durch die evidenzbasierte Medizin geprägt ist, haben es nur einige medizinische Verfahren der TCM geschafft. Beispiel hierfür die Akupunktur, die seit dem Jahr 2002 offiziell zur Therapie verschiedenster Krankheiten von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen wird (Schwarz 2013).

Grundlagen der TCM und wichtige Begriffe

Die Traditionelle Chinesische Medizin baut auf unterschiedlichen Säulen und Regulationskonzepten auf und soll im Folgenden für Sie verständlich aufgeschlüsselt werden. Danach sollten Sie ein grundlegendes Verständnis für die gängigsten Begriffe und Grundlagen der TCM entwickelt haben.

Qi

Das Wort Qi lässt sich nicht eindeutig aus dem chinesischen übersetzen, bedeutet jedoch, heruntergebrochen auf den Bereich der TCM, soviel wie Lebensenergie, beziehungsweise generell die spirituelle Energie. Eine wichtige Grundsäule der TCM ist die Balancierung des Qi’s im Körper des Patienten. Ebenfalls gehen TCM-Befürworter davon aus, dass das Qi im Einklang mit den fünf Elementen des Körpers ist, und ein kontinuierlicher Qi-Fluss angestrebt werden sollte.

Kommt es laut TCM-Gelehrten zum Stocken oder Aufstauen des Qi-Flusses, so kommt es zu unterschiedlichsten physischen Krankheiten. Einige Therapieformen der TCM konzentrieren sich daher auf den Ausgleich dieser Qi-Dysbalancen. Hier sind laut der TCM, Therapien und Techniken wie Akupunktur, Ernährungslehre und Diätetik, sowie unterschiedliche pflanzliche Heilmethoden indiziert.

Das Gleichgewicht in diesem gedachten dynamischen Qi-System, lässt sich durch Gegensätze ausgleichen. So sind Gegensätze im Verständnis der TCM entsprechend deren Form grundsätzlich in Yin und Yang unterteilt. So geht es zwischen Yin und Yang nicht darum, über das Gegenstück zu triumphieren oder zu dominieren, sondern darum, die Anerkennung des Anderen zu erlangen und so ins Gleichgewicht zu kommen (Mayer-Fally 2014).

Die fünf Elemente und Funktionskreise

Eine weitere wichtige Rolle in der Traditionellen Chinesischen Medizin spielen die fünf Elemente die sich aufteilen in:

  • Erde
  • Feuer
  • Wasser
  • Metall
  • Holz

Diese fünf Elemente umfassen und beherbergen unterschiedliche Jahreszeiten und ebenso unterschiedliche Eigenschaften. Die fünf Elemente stehen im Gleichgewicht zueinander beziehungswiese gehen diese in ein Gleichgewicht ineinander über, sodass ein Qi-Gleichgewicht und eine entsprechende Balance das Resultat ist. Folgend sollen den fünf Elementen einige Symbole und Eigenschaften zugeordnet werden, die es Ihnen leichter machen sollen, die Auswirkungen dieser Funktionskreise auf den Körper nachvollziehen zu können.

​Feuer

Jahreszeit: Sommer
Organ: Herz
Emotion: Freude
Geschmack: bitter
Wetter: Hitze
Farbe: rot

​Wasser

Jahreszeit: Winter
Organ: Niere
Emotion: Angst
Geschmack: salzig
Wetter: Kälte
Farbe: schwarz

​Erde

Jahreszeit: Mitte der Jahreszeiten
Organ: Milz
Emotion: Nachdenklich
Wetter: feucht/regnerisch
Farbe: gelb/orange

​Metall

Jahreszeit: Herbst
Organ: Lunge
Emotion: Trauer
Wetter: Trockenheit
Farbe: weiß

​Holz

Jahreszeit: Frühling
Organ: Leber
Emotion: Zorn/Wut
Wetter: Wind
Geschmack: sauer
Farbe: grün

​​Durch die gegenseitige Ergänzung und gegenseitige Unterstützung der Elemente und der Funktionskreise untereinander, kann laut der TCM-Philosophie ein geregelter Ablauf aller fünf Jahreszeiten, beziehungsweise Funktionskreise erfolgen.

Kommt es jedoch zu einer Dysbalance, so können sich die Jahreszeiten nichtmehr ausgleichen und die Harmonie wird gestört. Der TCM-Arzt geht davon aus, dass hier spezifische Symptome durch die Eigenschaften der fünf Elemente, beziehungsweise der Funktionskreise, erklärt werden können. Zur Verdeutlichung der fünf Elemente und der damit zusammenhängenden Balance soll die untenstehende Abbildung dienen (Mayer-Fally 2014).

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Von Johannes Sense - unter Verwendung von Glio_5elements.gif, CC BY-SA 3.0, Link

Behandlungsmethoden der TCM

Nachdem nun das grundlegenden Verständnis über die Begrifflichkeiten und Hintergründe der Traditionellen Chinesischen Medizin besprochen wurde, sollen Sie im Folgenden einen Überblick über die Behandlungsmöglichkeiten bekommen, die die TCM bietet.

Akupunktur

Die Akupunktur stellt wohl die Bekannteste und gleichwohl am weitesten verbreitete Behandlungsmethode des kompletten TCM-Spektrums dar. Zudem ist, wie zu Beginn erwähnt, die Akupunktur eine von der Weltgesundheitsorganisation anerkannte Behandlungsmethoden für verschiedenen Krankheiten.

Unter anderem lassen sich folgende Organsysteme durch Akupunktur behandeln:

Bronchopulmonale Erkrankungen
  • Bronchitis
  • Pseudokrupp
  • Asthma bronchiale
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Funktionelle Herzerkrankungen
  • Herzrhythmusstörungen
  • Angina pectoris
  • Hypertonie beziehungsweise Hypotonie
Gynäkologische Krankheitsbilder
  • Geburtseinleitung
  • Zyklusstörungen
Neurologische Erkrankungen
  • Migräne
  • Trigeminusneuralgie
  • Phantomschmerzen
Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes
  • Hepatitis
  • Ösophagitis
  • Gastritis
  • Morbus Crohn und Colitis ulcerosa
Erkrankungen des Bewegungsapparates
  • Gonarthrosen
  • Arthirits
  • Karpaltunnelsyndrom
Psychische Erkrankungen
  • Depressionen oder depressive Verstimmungen
  • Alkoholabusus
  • Nikotinabusus
  • Bulimie
  • Schlafstörungen
Erkrankungen des Urogentialtraktes
  • Reizblase
  • Impotenz
  • Pyelonephritis
Erkrankungen der Haut
  • Neurodermitis
  • Urtikaria (Nesselsucht)

Akupunktur stellt also eine schulmedizinisch anerkannte und evidenzbasierte Methode dar, die komplementärmedizinisch zu einer schnelleren Genesung verschiedenster Krankheitsbilder, der unterschiedlichsten Organsysteme beiträgt (Mahlknecht und Mayer-Fally 2011), (Aku-Punkt.ch 2016).

Phytotherapie

Die Phytotherapie beschäftigt sich mit der Therapie von Krankheiten, aufbauend auf der Gabe verschiedener pflanzlicher Wirkstoffe. So gilt die Phytotherapie als eine der ältesten Therapiemethoden überhaupt und hat Einzug in die verschiedensten medizinischen Konzepte und Behandlungsstrategien gefunden.

Typische Beispiele bei denen eine Phytotherapie zum Einsatz kommt sind:

  • Schmerzen im Hals
  • Zahnfleischentzündungen
  • Bauchschmerzen und Blährungen
  • Erkältungen

Hier kommen verschiedene pflanzliche Extrakte und deren Inhaltsstoffe zum Einsatz, die die Erkrankungsursache durch die enthaltenen Wirkstoffe bekämpfen, lindern, eindämmen oder sogar komplett heilen.

So werden bei Halsschmerzen oft Gurgelkuren mit Salbei verschrieben, für Zahnfleischentzündungen kommt ebenfalls Salbei lokal zur Anwendung, da diese Heilpflanze besonders entzündungshemmende Eigenschaften aufweist. Bei Bauchschmerzen oder Blähungen kommt oft Kümmeltee zum Einsatz und bei Erkältungen kann Lindenblütentee schnelle Abhilfe schaffen.

In der TCM nimmt die Phytotherapie einen besonderen Platz ein, so werden verschiedenen Rezepturen unterschiedliche Eigenschaften zugewiesen, die beispielsweise das Yang stärken und den Körper damit wärmen oder die eine kühlende Wirkung entfalten und daher das Yin stärken.

Je nach Anamnese, Pulsdiagnose und Zungendiagnose erfolgt vom behandelnden TCM-Arzt eine entsprechende Verschreibung und Behandlungsdisziplinen (Mayer-Fally und Pitschmann, Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) - Netdoktor 2015).

Tuina

Tuina stellt eine selbstständige Massageform mit chinesischen Wurzeln dar, die eine der fünf Hauptsäulen der TCM-Behandlung umfasst. Besonders interessant an dieser Stelle ist für Sie, dass die Technik des Tuina, westliche Behandlungsformen miteinschließt. Hier ist gemeint, dass Chiropraktik, Akupressur aber auch verschiedene manuelle Therapieformen und Massagetechniken hier zur Anwendung kommen. Besonders an der Behandlungsform Tuina ist nicht nur, dass eine Fremdbehandlung durchgeführt werden kann, sondern auch eine Selbstbehandlung möglich ist.

Die Tuina-Technik soll dabei die „Ganzkörperenergiebänder“ im Gleichgewicht halten, beziehungsweise ins Gleichgewicht bringen. Hier kommt es vor allem wieder auf die Regulierung des Qi beziehungsweise des Xue an. Das Xue umfasst dabei Blut und andere fließende Energien.

Die Therapie mittels Tuina setzt sich aus 18 grundlegenden Griffvariationen und 300 Einzelhandgriffen zusammen. Ebenfalls sollten Sie wissen, dass bei starken Beschwerden durchaus ein schmerzhafter Behandlungsablauf die Folge sein kann (Chaling 2013).

Qi Gong, Tai Qi

Qi Gong und Tai Qi sind Methoden, um den Körper und den Geist zu harmonisieren und in Einklang zu bringen. Dabei wirken diese beiden Techniken eher als begleitende Maßnahme, beziehungsweise als Ergänzung zu anderen Formen der TCM-Therapie.

Qi Gong ist eine chinesische Meditations- sowie Konzentrations- und Bewegungstechnik die teilweise an Kampfkunst erinnert. Das Forschungszentrum für Qi Gong listet heute rund tausend verschiedene Formen auf, die unter anderem vom Buddhismus, andererseits vom Daoismus beeinflusst werden.

Um Qi Gong richtig auszuführen, müssen mindestens zwei der sieben folgenden Komponenten in die eigenen Übungen integriert werden.

1.         Natürlichkeit

2.         Atmung

3.         Bewegung

4.         Mentale Vorstellung

5.         Klang/Ton

Tai Qi wird in westlichen Teilen der Welt häufig als „Schattenboxen“ bezeichnet und umfasst eine Kampfkunst, beziehungsweise einen Bewegungssport der für den bewaffneten und unbewaffneten Nahkampf geeignet ist und dessen Grundintention es ist, die Persönlichkeitsentwicklung zu fördern, sowie den Körper und Geist zu stärken.

Ernährung und chinesische Diätetik

Die chinesische Diätetik, oder auch fünf Elemente Ernährung genannt, umfasst eine wichtige therapeutische Säule der Traditionellen chinesischen Medizin. Im asiatischen Raum, besonders in China werden Lebensmittel als Heilmittel angesehen, die auf den jeweiligen Zustand und die Verfassung eines Menschen abgestimmt werden können. So wird in der TCM die Auffassung vertreten, dass Lebensmittel, ähnlich wie auch verschiedenste Heilkräuter, eine energetische Wirkung auf den Organismus des Anwenders aufweisen. Folgend soll kurz kategorisiert und erklärt werden, wie Nahrungsmittel laut der TCM auf den Körper wirken.

Einteilung nach dem Temperaturverhalten

Hier wird differenziert zwischen heiß, kalt, warm, neutral oder kühl. Je nach dem individuellen Temperaturverhalten kommt es hier zu einer unterschiedlichen Auswirkung auf den Energiehaushalt Ihres eigenen Körpers.

Einteilung nach den fünf Geschmacksrichtungen

Hier wird unterschieden zwischen sauer, bitter, salzig und scharf. Je nach Unterscheidung weisen Lebensmittel hier unterschiedliche Auswirkungen auf Organkreise aus. So können Organsysteme wie beispielsweise die Milz, die Leber oder auch die Nieren von der Wirkung des Lebensmittels betroffen sein.

Einteilung nach der Wirkungsrichtung

Die Wirkrichtung ist in der Vorstellung zuerst ein etwas abstrakteres Kriterium. Hier wird unterteilt zwischen aufsteigend, fallend, schwebend und absteigend. Alle Richtungen beziehen sich dabei auf den Fluss des Qi’s.

Die TCM-Gelehrten gehen davon aus, auf diese Art und Weise in die Funktionsmechanismen der einzelnen Organe eingreifen zu können. Wichtig ist zudem auch, dass bei der TCM-Diätetik die Zubereitungsarten möglichst schonend und ohne große Belastung für die Lebensmittel gewählt werden. Meist werden so Darreichungsformen wie Breie, Suppen, aber auch Abkochungen und gedünstete Gerichte serviert.

Auch ist es wichtig, dass Sie wissen, dass die chinesische TCM-Diätetik nicht nur zur Heilung, beziehungsweise zur Regulierung des Qi dient, sondern auch dafür Sorge tragen soll, dass es gar nicht erst zum Auftreten von Erkrankungen kommt (Schwarz 2013), (Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur e.V. 2009).

Die fünf grundlegenden Säulen der TCM-Therapie

Nachdem Sie nun die Grundlegenden Behandlungskonzepte der TCM verstanden haben, soll nun darauf eingegangen werden, was unter den grundlegenden Säulen der Traditionellen Chinesischen Medizin verstanden wird.

Hierbei handelt es sich um die grundlegenden Behandlungsprinzipien, die gemeinsam oder im Einzelnen für eine Verbesserung des Gesundheitszustandes oder sogar zu einer Genesung der Grunderkrankung führen können. Grundlegend stützt sich die Traditionelle Chinesische Medizin also auf die fünf therapeutischen Säulen die folgende Therapiekonzepte umfassen:

  • Akupunktur
  • Chinesische Pflanzenheilkunde
  • Chinesische Massagen
  • Chinesische Bewegungslehre

Entsprechend diesen fünf Säulen, lassen sich also folglich die bereits zuvor besprochenen Therapiemöglichkeiten aufteilen.

Mittel dieser Verfahren, die die fünf Säulen umfassen, lassen sich dabei besonders Behandlungen durchführen, die auf Erkrankungen funktioneller und chronischer Art zurückzuführen sind.

Mittels der fünf therapeutischen Grundsäulen der TCM lassen sich also beispielsweise Erkrankungen wie:

  • Tinnitus
  • Gelenks- und Rückenschmerzen
  • Asthma
  • Allergien
  • Chronische Darmerkrankungen entzündlicher Art
  • Kopfschmerzen
  • Migräne

behandeln.

Weiters weist die Behandlung nach der Traditionelle Chinesische Medizin eine schmerzlindernde Wirkung auf, wodurch auch Dosierungen von Schmerzmitteln aus der westlichen Medizin merklich gesenkt werden können. Es lässt sich also mit den fünf Grundsäulen der TCM eine gute Ergänzung zur westlichen Schulmedizin erreichen (Schwarz 2013), (Praxis für Traditionelle Chinesische Medizin Jin Long Schaffhausen 2010).

Vor der Behandlung erfolgt die chinesische Diagnostik

Wie immer in der medizinischen Therapie, gilt es zu allererst die Diagnose, und damit die Ursache zu finden, die der Erkrankung zugrunde liegt. Dabei verlassen sich TCM-Mediziner meist mehr auf deren eigene Sinne, beziehungsweise auf die Körperreaktion, bedingt durch die diagnostischen Methoden. Grundlegend kommen bei der chinesischen Diagnostik vier verschiedene Verfahren zum Einsatz, die Sie im Folgenden besser kennenlernen sollen.

Die Patientenbefragung (Erhebung der Anamnese)

Um den aktuellen Behandlungsstatus beziehungsweise den Gesundheitsstatus an sich zu erkennen, beginnt der TCM-Mediziner mit der Befragung des Patienten. Dies geschieht wie in der Schulmedizin auch, anhand der Abarbeitung eines Schemas.

Grundlegend geht es dem TCM-Mediziner darum, bereits laufende oder vorangegangene Erkrankungen und Therapien in Erfahrung zu bringen, um die eigene Diagnostik und Therapiestellung entsprechend auf den Patienten und dessen nähere Umstände anpassen zu können. Weiters fragt der TCM-Arzt nach Dingen wie laufenden oder beendeten medikamentösen Einnahmen, vorangegangenen operativen Eingriffen, nach dem Allgemeinbefinden, sowie nach Schlafqualität, Appetit, Durst und Ausscheidungsverhalten. Auch geht der TCM-Mediziner auf die seelischen Zustände des Patienten ein und versucht so seinen diagnostischen Ansatz zu vervollständigen.

Durch die spezielle Achtsamkeit des TCM-Arztes auf den Patienten, fallen dem Mediziner Besonderheiten am Patienten meist sofort auf. So achtet der TCM-Gelehrten auf die Bewegungen die der Patient vollführt, auf die Stimme des Patienten, auf dessen Haut sowie auch auf dessen Fingerabdrücke und die allgemeinen Lebensumstände.

Aus all diesen Umständen ergibt sich für den erfahrenen TCM-Arzt ein Gesamtbild, das durch die folgend erklärten diagnostischen Maßnahmen auf eine zielgerichtete Diagnose hindeutet. So kann durch die strukturierte Befragung die Wurzel des Übels und des energetischen Ungleichgewichts gefunden werden (Van den Berg 2005), (Simhofer 2016).

Die Klang- und Geruchsdiagnostik

Hier kommt es, wie der Name schon sagt, zu einer Geruchs- und Klangbeurteilung des Patienten. Folgend soll Ihnen etwas nähergebracht werden, inwiefern die Beurteilung von Klang- und Geruch durch den TCM-Mediziner von diagnostischer Bedeutung ist.

Bei der Klangdiagnostik wird grundlegend auf die konstitutionelle Verfassung des Patienten geachtet. Hier kann der TCM-Arzt herausfiltern, ob anhand der Stimmparameter: Lautstärke, Volumen, Höhe und Klangart eine Dysbalance und Störung der Funktionskreise beziehungsweise der fünf Elemente vorliegt. Hohe, laute und schnelle Sprachgeschwindigkeit deuten auf einen Zustand der körperlichen Fülle, leise Töne und Geräusche, sowie ein verlangsamtes Atemtempo hingegen, auf einen körperlichen Zustand der Leere hin. Ebenfalls Teil der Klangdiagnostik ist die Beurteilung der Atmung. Ist die Atmung rau, schnell und laut, so deutet dies ebenfalls auf einen Fülle-Zustand hin. Ist die Atmung jedoch langsam, flach und leise, so deutet dies auf einen Zustand der Leere hin.

Diagnostisch ebenfalls von Relevanz für den TCM-Mediziner ist die Geruchstherapie. Hier wird nicht vorwiegend auf den Körpergeruch an sich geachtet, sondern auf sehr feine Gerüche eingegangen, die auf unterschiedliche krankhafte Ursachen zurückzuführen sein können. Die Diagnose durch Riechen stützt sich auf die Tatsache, dass jedes Organsystem bei krankhaften Veränderungen einen spezifischen Geruch erzeugt beziehungsweise abgibt. Im weiteren Verlauf sollen kurz einige Organe mit deren spezifischen Gerüchen aufgelistet werden (Van den Berg 2005).

Organ

​Geruch

Leber

​säuerlich/ranzig

​Herz

​bitter/verbrannt

​Lunge

​übelriechend/verdorben

​Niere

​faulig/abgestanden

​Milz

​widerlich/süßlich

Die Pulsdiagnostik

Die Diagnostik des Pulses ist eine überaus wichtige diagnostische Methode in der Traditionellen Chinesischen Medizin. Dabei ist klar zu sagen, dass die Pulsdiagnostik der westlichen Medizin keinerlei Ähnlichkeit mit der Pulsdiagnostik in der Traditionellen Chinesischen Medizin hat.

Es kann die allgemeine Konstitution bestimmt werden, aber auch die ganz individuelle aktuelle Konstitution in einem sehr differenzierten Maß diagnostiziert werden. Die Pulsdiagnostik wird an der Arteria radialis durchgeführt, also am Übergang zwischen Ober- und Unterarm. Getastet wird an drei Stellen, in drei Schichten und mit den Fingerkuppen des Zeigefingers, des Mittelfingers sowie des Ringfingers. Die differenzierte Beurteilung umfasst dabei ebenfalls 12 Pulspositionen, die den Zustand der inneren Organe wiederspiegeln.

Nun stellen Sie sich vielleicht die Frage, welche Kriterien des Pulses hier beurteilt werden, anbei sollen die wichtigsten Kriterien beschrieben werden.

  • Frequenz: langsam, schnell
  • Stärke: voll, leer, breit oder schmal, durchgehend
  • Qualität: oberflächlich, tief, weich bzw. hart
  • Rhythmus: regelmäßig, unregelmäßig, schlüpfrig, rau

Für eine differenzierte Diagnose des Pulses ist ein hohes Maß an Routine und Wissen des TCM-Arztes notwendig und zwingend erforderlich. Die Kombination aus großer Leere und großer Fülle führen zur letztendlichen Diagnosestellung (Van den Berg 2005).

Die Zungendiagnostik

Bei der Zungendiagnose geht es diagnostisch rein um die Befunderhebung. Es werden dabei Farbe, Stärke und Verteilung des Zungenbelags untersucht und von einem erfahrenen TCM-Arzt beurteilt. Die Zunge kann hinsichtlich unterschiedlicher Co-Faktoren beurteilt werden. So sind einerseits Kriterien wie:

  • Zungenbelag
  • Form der Zunge und
  • Beweglichkeit der Zunge entscheidend.

Bei einer dunklen Färbung der Zunge kann beispielsweise eine innere Ruhelosigkeit vorliegen, auch kann eine zu dunkle Färbung ein Indiz für erhöhten Blutdruck und Stress sein. Eine blassblaue Zunge kann beispielsweise auf Schmerzen im Rücken zurückzuführen sein. Ist die Zunge verdickt und blass, so ist die Möglichkeit eines Darmproblems gegeben.

Ein weiser, dicker Zungenbelag ist ein Hinweis auf eine Magen-Darm-Problematik und ein gelblicher Belag kann die Folge einer Störung der Leber, der Gallenblase und der Gallenwege, sowie der Darmfunktion sein. Auch brauner Zungenbelag kann Darmprobleme zur Ursache haben.

Auch die Form der Zunge kann ein Hinweis auf krankhafte Abläufe im Körper sein. So ist eine steife Zunge ein Hinweis für einen Energie- beziehungsweise Nährstoffmangel. Ist die Zunge hingegen geschwollen, so kann ursächlich ein Flüssigkeitsstau vorliegen. Auch kann der Grund die Überforderung der Leber beziehungsweise der Nieren sein.

So ist also auch die Beweglichkeit der Zunge ein Kriterium, welches bei der Zungendiagnostik von Bedeutung ist. Sollte die Zunge beispielsweise zittrig sein, so kann der Auslöser ein Energiemangel sein, der durch plötzliche Kopfschmerzen gekennzeichnet sein kann und in weiterer Folge zu Schwindel und sogar zum Kollaps führen könnte (Simhofer 2016), (Van den Berg 2005).

​Einsatzgebiete der Traditionellen chinesischen Medizin

Die TCM-Therapie kommt zu großen Teilen in China vor. Hier gibt es kaum eine, bis gar keine Indikationseinschränkung für die Anwendung einer TCM-Behandlung. Dies lässt sich auch daran erkennen, dass es in quasi jedem chinesischen Krankenhaus eine Abteilung mit der Spezialisierung „TCM“ gibt.

In Europa kommen Teile der Traditionellen Chinesischen Medizin bereits seit einigen Jahren zur Anwendung. Vor allem die Akupunktur hat sich bei Beschwerden des Bewegungsapparates durchgesetzt. Wichtig für Sie könnte auch sein, dass durch den wissenschaftlich belegten Nutzen eine Akupunktur-Kostenübernahme von Krankenkassen oftmals übernommen wird.

Alle medizinischen Behandlungen die die TCM umfasst, sollten nur von Personen durchgeführt werden, die eine besondere Ausbildung in diesem Bereich erhalten haben. Mediziner können hierzu beispielswiese ein Diplom bei einer Ärztekammer erwerben.  

Zukunft der TCM in Europa und der westlichen Welt

Bereits durch die zunehmende Öffnung Chinas in den 70er-Jahren hat die Traditionelle Chinesische Medizin auch in Europa zunehmend Einzug gehalten. Schon in den 50er-Jahren kam es zur zunehmenden Anwendung alternativer Naturheilverfahren durch speziell ausgebildetes ärztliches Personal. Im Laufe der Jahre wurden auch zunehmend westliche Fachliteraturen zum Thema TCM veröffentlicht. Im Buch „Klinische chinesische Pharmakologie“ des Autors Manfred Pokert wurden erstmals, für den Westen aufbereitete, Wirkprinzipien chinesischer Arzneimittel veröffentlicht.

Heute gibt es in Deutschland Fachorganisationen, in denen Wissenschaftler, Ärzte und andere fachlich qualifizierte Berufsgruppen zusammen forschen, fortbilden und lehren. Es wird davon ausgegangen, dass auch in Zukunft ein weiterer Boom alternativer Heilmethoden stattfinden wird, wodurch die Traditionelle Chinesische Medizin weiterhin an Bedeutung als komplementäres Heilverfahren zur Therapievervollständigung der westlichen Medizin dienen wird (Mangel 2017).

Wo liegen die Grenzen der TCM-Therapie

Wie alle anderen Therapieverfahren und Heilmethoden hat auch die Traditionelle Chinesische Medizin Grenzen. Besonders gut eignet sich die TCM-Therapie bei Erkrankungen des Bewegungsapparates und bei chronischen Leiden. Hingegen ist die Therapie von akuten Erkrankungen wie beispielsweise schweren Herzkrankheiten, irreversiblen Organschädigungen oder Infektionskrankheiten nicht geeignet, da hier auch die Wirkung nicht nachgewiesen werden kann. Auch eignet sich die TCM-Therapie nicht in Notfallmedizinischen Belangen wo schnelles Handeln gefragt ist. In diesen Bereichen wird auch in Zukunft die Schulmedizin dominieren. Die Traditionelle Chinesische Medizin kann jedoch als Ergänzung zu schulmedizinischen Verfahren durchaus die Heilung beschleunigen und die Therapie für den Patienten daher deutlich angenehmer und komplikationsloser gestalten (Simhofer 2016), (TCM Zentrum 2016).

​Quellen und weiterführende Links


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