Neue Depressionen Therapie: Mit der richtigen Ernährung gegen Depressionen (Smiles Studie)

Im Jahr 2017 erregte eine Studie der Forscher der Deakin Universität aufsehen, in der sich Wissenschaftler mit der Frage beschäftigten inwiefern die Ernährung eines Probanden mit dessen Zustand, hinsichtlich depressiver Erkrankungen, zusammenhängt. Im folgenden Artikel sollen Sie einen Einblick in diese hochinteressante Studie bekommen, außerdem behandelt der Artikel neben diversen Frage- und Antwortstellungen rund um das Thema Diät und Depression auch einen grundlegenden Überblick über die derzeitigen leitlinienkonformen Behandlungsstandards depressiver Erkrankungen, sowie Behandlungsempfehlungen hinsichtlich der Erkenntnisse der SMILES-Studie.

​Hintergrund der SMILES-Studie: Wie beeinflusst die Ernährung Depressionen?

Die Forscher der australischen Universität Deakin in Geelong gingen der Frage nach, inwiefern sich Diäten auf den mentalen Status bereits krankhaft vorbelasteter depressiver Probanden auswirkt. Das Interesse der Forscher wurde durch die bereits seit Jahren von vielen Wissenschaftlern vertretene Meinung geweckt, falsche Diäten könnten das Risiko an einer Depression zu erkranken, beziehungsweise eine Symptomverschlechterung herbeizuführen begünstigen.

Die Wissenschaftler wollten ebenfalls herausfinden, wie die bereits über Lebensmittel gewonnenen Erkenntnisse auf klinische Patienten anwendbar sind, beziehungsweise nachgewiesen werden können. Dabei nutzen die Forscher das bereits seit langem beobachtete Phänomen, das sich Lebensmittel wie beispielsweise Pflanzen, Früchtesorten, Gemüsearten sowie fettarmes Protein und Fisch positiv auf die Symptome einer Depression auswirken können.

Ebenfalls konnte im Umkehrschluss bereist vielfach beobachtet werden, dass Diäten, die den Schwerpunkt auf Fertiggereichte und zuckerreiche Speisen setzt, sich negativ auf den mentalen Status von Menschen mit Depressionen auswirken.

Ebenso gingen die Forscher der Wirkung der vielgepriesenen mediterranen Diät, hinsichtlich der positiven Wirkung auf depressive Erkrankungen nach.

Auch durch die bereits erforschte Tatsache, dass verschiedene Kohortenstudien (Studie zur Untersuchung von verschiedenen Expositionsarten, die eine Krankheiten zur Folge haben) beweisen haben, dass falsch geführte Diäten während der Schwangerschaft in einer mentalen Dysregulation des Kindes nach der Geburt resultieren können. Als potenzielle Mechanismen beziehungsweise Entstehungsorte wurden die Neuroplastizität, die Darmflora, Entzündungen und oxidativer Stress vermutet.

Wie Sie vielleicht erkennen werden, sind bereits einige Studien mit durchaus interessantem Zusammenhang zwischen psychischen Folgen und der Aufnahme unterschiedlicher Nahrungsmittel durchgeführt worden. Doch hatte keine Studie das Ziel zu erforschen, inwiefern sich die richtige Ernährung in Form einer optimierten Diät potenziell positiv auf den psychischen Status einer depressiven Person auswirkt.

Die Forscher nutzten dazu eine randomisiert kontrollierte Studie um die Effektivität eines speziell ausgearbeiteten und optimierten mediterranen Diätprogramms und deren Auswirkung auf depressiven Episoden zu untersuchen. Die Forscher stellten dabei die Hypothese auf, dass strukturierte Unterstützung bei der Diätführung, mit dem Ziel der Verbesserung der Diätqualität, bessere Behandlungsprognosen für depressive Verstimmungen biete, als die Methode der alleinigen sozialen Unterstützung der betroffenen Probanden.

Methoden der SMILES-Studie

Die Wissenschaftler nutzen zur Untersuchung derer Hypothese eine 12 Wochen andauernde, Parallelgruppenblindstudie in Form einer randomisiert kontrollierten Studie. Die Probanden wurden über einen Zeitraum von drei Jahren aus zwei unterschiedlichen Standorten ausgewählt. Einerseits von Melbourne, andererseits aus Geelong selbst. Danach wurden die Probanden so getrennt, dass eine Gruppe entstand die bereits Unterstützung in deren Diät bekam, sowie eine Gruppe die soziale Unterstützung erfuhr. Am Beginn der Studie erfolgt die Feststellung einer Ausgangslage der Probanden, um nach 12 Wochen die primären und sekundären Auswirkungen in beiden Gruppen messen zu können.

Probanden

Hinsichtlich der Probanden wurden Personen ausgewählt, die deren Einverständniserklärung abgeben konnten und damit ein Alter von über 18 Jahren hatten. Ebenfalls mussten sie die die Kriterien des „Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders“ in der vierten Edition erfüllen und damit die grundlegenden Symptome einer depressiven Episode aufweisen. Ebenfalls musste beim „Montgomery-Åsberg Depression Rating Scale“ (MADRS) ein Wert von 18 oder höher erzielt werden. Zusätzlich wurde hinsichtlich der Diät ein modifiziertes Screening Tool verwendet welches speziell auf australische Produkte ausgerichtet war. Hier musste von einem Gesamtwert von 104 Punkten, mindestens ein Wert von 75 oder weniger erreicht werden. Grob definiert fungierte das Screening Tool zur Messung der Qualität der täglichen, beziehungsweise wöchentlichen Nahrungsaufnahme. Dabei wurde besonders auf eine verminderte Einnahme von Ballaststoffen, fettarmem Protein, Früchte und Gemüse geachtet. Im Zusammenhang damit wurde auch auf einen erhöhten Konsum von salzigen Snacks, Fertiggerichten und Süßigkeiten geachtet.

Neben den Aufnahmekriterien gab es jedoch auch studienspezifische Kriterien, die eine Teilnahme ausschlossen, dazu gehörten unter anderem folgende Punkte:

  • Eine gleichzeitige Diagnose von bipolaren I oder II Störungen
  • Zwei oder mehr fehlgeschlagene Versuche einer Antidepressiva-Therapie
  • Eine Instabile klinisch-systemische Erkrankung
  • Schwangerschaft
  • Beginn einer neuen Psychopharmakatherapie innerhalb der zweiwöchigen Studienzeit
  • Lebensmittelallergien oder spezifische Abneigungen gegen Lebensmittel
  • Gleichzeitige Teilnahme an anderen Diätprogrammen
  • Eine primäre klinische Diagnose unterschiedlicher Persönlichkeitsstörungen beziehungsweise eine aktuelle medikamenten- oder drogenbedingte Abhängigkeitserkrankung.

Anwerben der Studienprobanden

Die Forscher nutzten gruppen- beziehungsweise gesellschaftsbezogene Methoden zur Rekrutierung von Studienprobanden. Dabei wurden Flyer in Warteräumen von Arztpraxen, Apotheken und ähnlichen verteilt. Ebenfalls wurden an verschiedenen Universitäten Personen angeworben.

Auch nahmen die Forscher Kontakt zu fachspezifischen Einrichtungen und Zentren auf, um dort möglichst spezifisch an Probanden zu gelangen und um direkt die gewünschte Zielgruppe anzusprechen. Ebenfalls wurden über das Internet, sowie über unterschiedliche Radiostationen Informationen über die Studie unter die Bevölkerung gebracht.

Ernährungsunterstützung

Den Probanden der Ernährungsunterstützungsgruppe wurde ein klinischer Diätologe zur Seite gestellt, welcher unter anderem mit den Probanden folgende Aufgaben erfüllte:

  • Coaching im richtigen Führen einer Diät
  • Motivationsgesprächen
  • Realistische Zielsetzung
  • Übungen zum achtsamen Essen

Die Termine mit dem Diätologen erfolgten in Form von Einzelsitzungen und in individuellem Ausmaß, angepasst an die Bedürfnisse der Probanden. Bezüglich der Zeitplanung wurden die ersten vier Sitzungen der insgesamt sieben Sitzungen wöchentlich abgehalten, die restlichen drei Sitzungen erfolgten alle zwei Wochen.

Der Aufbau der ersten Sitzungen beschäftigte sich unter anderem mit der Erstellung der bisherigen Ernährungsgewohnheiten, um einen Punkt festzustellen, von dem aus die Probanden jeweils in die, von der Studie empfohlene Diät, starten konnten.

Hinsichtlich der Wahl der richtigen Diät für die Studie, nutzen die Wissenschaftler eine angepasste Version der „ModiMedDiet“ (modified Mediterranean dietary). Die Entscheidung der Wissenschaftler für die Auswahl dieser Diätvariante begründete sich einerseits auf der gleichzeitigen Erfüllung der Richtlinien für Diäten in Australien, andererseits stimmte die Diät mit den Empfehlungen der Wissenschaftler hinsichtlich der Depressionsbehandlung durch gewisse Nahrungsmittel überein.

Die Anwendung der Diät durch die Probanden erfolgte durch die Aufnahme von 12 verschiedenen, von den Forschern als sogenannte „Schlüssel-Lebensmittel“ bezeichneten Nahrungsmitteln. Diese Lebensmittel sind in folgender Tabelle gemeinsam mit den, von den Forschern empfohlenen, Einnahmeempfehlungen aufgelistet.

„Schlüssel-Lebenmittel“

​Einnahmeempfehlung

​Vollkorn

​5-8 Portionen pro Tag

​Gemüse

​6 Portionen pro Tag

​Obst

​6 Portionen pro Tag

​Hülsenfrüchte

​3-4 Portionen pro Woche

Diätnahrungsmittel (ungesüßt und mit wenig Fett)

​2-3 Portionen pro Woche

Fisch

​Mindestens 2 Portionen pro Woche

Mageres rotes Fleisch

​3-4 Portionen pro Woche

Huhn

​2-3 Portionen pro Woche

Eier

​Mehr als 6 Stück pro Woche

Olivenöl

​3 Esslöffel pro Tag

Zusätzlich zum oben genannten, lebensmittelbezogenen Ernährungsumfang, sollten die Probanden zusätzliche Lebensmittel auf ein Minimum reduzieren. Darunter sind Lebensmittel wie beispielsweise Süßigkeiten, gesüßte Limonaden und Säfte, Fertiggerichte sowie frittierte Lebensmittel gemeint. Die Studienteilnehmer wurden dazu aufgefordert, auf zusätzliche Lebensmittel nicht mehr als dreimal pro Woche zurückzugreifen.

Die Zusammensetzung der Diät hinsichtlich der Nährstoffe war wie folgt von den Wissenschaftlern festgelegt:

​Nährstoff

​Prozent des Tagesenergiebedarfs

​Protein

​18%

​Fett

​40%

​Kohlenhydrate

​37%

​Alkohol

​2%

​Andere

​3%

Einige Probanden wurden dazu aufgefordert, die komplette Diät ad libitum, also nach freiem Belieben zu vollziehen, da die Versuchsreihe sowieso von Beginn an nicht das Ziel des effektiven Gewichtsverlusts verfolgte. Das angefertigte Scoring-System zur Messung der Diätqualität ist Kriterien basiert und orientiert sich an den Lebensmittelgruppen die in der Diät enthalten sind. Der maximale Wert des Scorings belief sich dabei auf 120 Punkte. Die Probanden der Diätgruppe erhielten dabei einen Korb mit Lebensmitteln, der die nahrungstechnische Grundlage für die folgende Diätphase beinhaltete.

Soziale Unterstützung

Die Probandengruppe mit der sozialen Unterstützung folgte einem Protokoll, welches einen freundschaftlichen Gesprächsstil beziehungsweise Umgang vermitteln sollte. Dabei wurden die Kandidaten der Gruppe für soziale Unterstützung zu den gleichen Zeiten für die gleiche Dauer wie die Kandidaten der Diätgruppe, zu speziell geschulten Mitarbeitern geschickt, um an individualisierten Gesprächen teilzunehmen. Dabei diskutierten die Mitarbeiter zunächst neutrale Themen mit den Probanden, sowie Dinge, die den Probanden besonders interessierten wie beispielsweise Sport oder Nachrichten beiziehungsweise auch Thematiken aus der Musik.

Da sich einige Probanden mit alleiniger Gesprächsführung teils unwohl fühlten, griffen die Forscher auch zu anderen Methoden, wie dem gemeinsamen Kartenspielen mit dem Forschungsmitarbeiter beziehungsweise dem Spielen unterschiedlicher Brettspiele.

Das Ziel der wissenschaftlichen Mitarbeiter war es dabei stets die Probanden der Testgruppe bei Laune und bei positiven Gedanken zu halten (Jacka, et al. 2017).

Primärergebnisse der SMILES-Studie

Nach der auslaufenden Testphase wurde das MADRS Bewertungsschema genutzt, um die depressive Symptomatik der Probanden zu beurteilen. Beim MADRS handelt es sich um einen Frageboden, welcher eine Fremdbeurteilung einer Person hinsichtlich des Schweregrades einer depressiven Symptomatik ermöglicht.

Beim Fragebogen handelt es sich um 10 Fragen die auf einer 7-stufigen Skala beurteilt werden. Die Beurteilung der Fragen findet dabei in einem Bereich von 0 bis 6 statt. Am Ende der Fragenbeurteilung kommt es zu einer Beurteilung des kompletten Fragebogens, wobei der Wert je nach zustande gekommener Summe zwischen 0 und 60 liegen kann (Strauß und Schumacher 2005).

Die 10 Fragestellungen des MADRS-Fragebogens beziehen sich auf folgende Symptome:

  • Sichtbare Traurigkeit
  • Traurigkeit in mitgeteilter Form
  • Anspannung von innen heraus
  • Reduktion von Schlaf
  • Verminderter Appetit
  • Schwierigkeiten bei der Konzentration
  • Mangelnder Antrieb
  • Gefühllosigkeit
  • Pessimistische Gedanken
  • Suizidgedanken

Dabei werden üblicherweise unterschiedliche Wertebereiche festgelegt, anhand deren die Einteilung depressiver Symptome einfacher bewertet werden kann. Folgende Tabelle soll Ihnen einen Überblick über diese Einteilung verschaffen (Strauß und Schumacher 2005), (Herrmann, et al. 1998).

Wertebereich

​Bedeutung für die Symptomatik

0-6

Keine Depression beziehungsweise symptomlos

​7-19

​Leichte Form der Depression

​20-34

​Mäßige Depression

​>34

​Schwere Form der Depression

Sekundärergebnisse der SMILES-Studie

Um die Sekundärergebnisse der Studie beurteilen zu können wurden unterschiedliche Beurteilungsschemata und Scoring-Systeme von den Forschern angewandt. Unter anderem nutzten diese das HADS (Hospital Anxiety and Depression Scale) was einen Fragebogen in Form einer Selbstbeurteilung darstellt.

Um die Stimmung der Probanden zu beurteilen nutzen die Wissenschaftler den POMS (Profile of Mood States). Auch Dieses  dient als vollkommen standardisiertes Verfahren zu Selbstbeurteilung von Erwachsenen klinischer und nichtklinischer Gruppen (Spektrum der Wissenschaft 2000).

Zur Einschätzung der Symptomänderung zwischen Beginn der Studie und Studienende nutzen die Wissenschaftler den CGI-I (Clinical Global Impression – Improvement). Ebenso wurde hierzu die (WHO-5) Word Health Organization wellbeing scale, sowie die Generalized self-efficacy Scale genutzt, um einerseits das Wohlbefinden und andererseits die Eigenwirksamkeit zu ermitteln. Klinisch wurde ebenfalls der Body-Mass-Index (BMI) ermittelt und dabei auch Höhe, Gewicht und Taillenumfang gemessen und dokumentiert (Jacka, et al. 2017).

Zusätzlich zu den oben genannten Verfahren und Diagnose- beziehungsweise Screening-Tools, wurden den Probanden folgende Fragen gestellt:

  • Besteht derzeit ein chronisches Rauchverlangen
  • besteht derzeit eine physische oder psychische medizinische Erkrankung
  • Name und Dosierung von jedem Medikament, welches eingenommen wird

Mittels des IPAQ (Interantional Physical Activity Questionnaire) wurde das aktuelle Level hinsichtlich Sportlichkeit und Fitness gemessen und bewertet. Die Diätqualität wurde durch den ModiMedDiet-Score gemessen, welcher auf der Aufnahme der „Schlüssel-Nahrungsmittel“ basiert. Zudem wurden hier ebenfalls Biomarker des Blutes gemessen, um genauere Rückschlüsse auf das Diätverhalten der Probanden werden zu können. So wurden Freie-Fettsäuren, Nüchtern-Glucosewerte, Totalcholesterin, LDL- und HDL-Cholesterin und Triglyceride gemessen (Jacka, et al. 2017).

Resultate der Probandenauswahl

Zur Beginn der Studie wurden 166 Personen von den Wissenschaftlern ausgewählt. Von dieser zuvor ausgewählten Gruppe wurden wiederum 99 Personen ausgeschlossen. Die resultierenden 67 Personen wurden stichprobenartig auf die unterschiedlichen Untersuchungsgruppen aufgeteilt.

Dabei wurden, entsprechend der bereits zu Beginn besprochenen Kriterien, 33 Personen der Gruppe für die Diätintervention zugeteilt, sowie die anderen 34 Personen der Sozialunterstützungs-Kontrollgruppe zugeteilt. Schlussendlich beendeten 56 der 67 Probanden die Studie.

Analyse der Resultate

Bei den 56 Personen die die Studie bis zum Ende mitmachten, handelte es sich um nurmehr 83,6 Prozent der Anfangs angeworbenen 166 Personen. Am Schluss der Studie nach 12 Wochen zeigte sich eine deutliche Verteilung der Personen, die die Studie beendeten, hin zu Diät unterstützenden Gruppe, hier waren 31 Personen bis zum Ende der Studie dabei. In der Gruppe der Personen mit sozialer Unterstützung schlossen nur 25 Personen die Testungen der Studie ab.

Zudem zeigte sich, dass die Personen, die die Studie aus der Gruppe der sozialen Unterstützung zu 81 Prozent Personen mit Hochschulausbildung waren.

Resultate der Studie zu depressiven Symptomen

Hinsichtlich der primären Ergebnisse stießen die Forscher auf erstaunliche Entwicklungen hinsichtlich der Veränderung der depressiven Symptomatik. Denn die Forscher konnten feststellen, dass die Probanden der diätunterstützten Gruppe deutlich bessere Ergebnisse bei MADRS-Testungen erzielten als Personen, die der Gruppe mit dem Schwerpunkt der sozialen Unterstützung angehörten.

Die untenstehende Abbildung soll veranschaulichen, wie sich der MADRS-Score vom Beginn der Studie, bis zum Ende hin verändert hatte.

​Abbildung 1: Vorher-Nachher-Ergebnisse der SMILES-Studie hinsichtlich des MADRS-Scores (Jacka, et al. 2017)

Deutlich zu entnehmen ist der Grafik, dass die Diätgruppe im Mittel vor Beginn der Studie einen weitaus höheren Punktebereich bei der MADRS-Testung erreichte als zum Ende er Studie hin (Jacka, et al. 2017).

Auch kann auf einen Blick erkannt werden, dass sich in der Gruppe mit sozialer Unterstützung, im Vergleich zur Diät unterstützten Gruppe, nur sehr wenig geändert hatte.

Die Ergebnisse der Diätgruppe konnten in Form der Studie zeigen, dass eine Verbesserung der Diät eine deutliche Auswirkung auf die Therapie beziehungsweise die Linderung von Symptomen einer Depression beziehungsweise einer depressiven Episode haben.

Die Forscher konnten mit der laufend durchgeführten Messung des BMI-Wertes auch darauf schließen, dass die Verbesserungen hinsichtlich der psychischen Symptomatik der Patienten, nicht in Verbindung mit einer etwaigen Veränderung des BMI-Wertes steht. Auch war der beobachtete Besserungseffekt unabhängig vom Rauchverhalten, der körperlichen Aktivität, sowie ebenfalls nicht abhängig von der Eigenwirksamkeit (Jacka, et al. 2017).

Passend zum primären Ergebnis konnten auch die sekundären Ergebnisse die Erwartungshaltung der Wissenschaftler erfüllen. Es konnten dementsprechend auch deutliche Verbesserungen hinsichtlich der selbst beobachteten depressiven Symptome, sowie der Angstsymptome registriert werden. Ebenfalls deutlich verbessert hatten sich die Ergebnisse der Clincial Global Impressions Improvement scale.

Die Forscher erkannten jedoch auch, dass andere verwendete Stimmungscores und Scores zur Messung des Wohlbefindens keine signifikante Änderung ergaben. Jedoch wurden geringe Verbesserungen, entsprechend der Erwartungen der Wissenschaftler verzeichnet.

Sollten Sie sich nun Fragen, wie sich diese verbesserte Diätform auf die Geldbörse auswirkt, lesen Sie weiter unten, wie die Forscher auch dieser Frage auf den Grund gingen.

Die Forscher gelangten aufgrund der eindeutigen Symptomlage zu dem Schluss, dass die Verbesserung der Eigenschaften einer Diät ein gut zugänglicher Weg ist, um Effektiv gegen depressive Symptome vorzugehen. Hinsichtlich der Kritik, die Diätvariation der Forscher würde um einiges teurer sein, untersuchten die Forscher die durchschnittlichen Kosten der modifizierten Diätvariante im Vergleich zur herkömmlichen Nahrungsmittelaufnahme der Probanden.

Dabei konnten die Wissenschaftler feststellen, dass die Ernährungskosten pro Woche bei der modifizierten Variante der Diät mit 138 australische Dollar zu Buche schlug. Die herkömmliche Ernährungsform der Probanden sich jedoch ebenfalls mit 112 australischen Dollar betiteln lies.

Eine Schlussfolgerung daraus ist, dass entsprechend der guten Resultate, nur ein geringer Aufpreis in Kauf zu nehmen ist, um eine vollwertige und effektive depressionsbekämpfende Ernährung zu erhalten (Jacka, et al. 2017).

Die Ergebnisse der Verbesserungen hinsichtlich der depressiven Symptomatik, lies sich nicht auf eine Verbesserung der Biomarker für Herz-Kreislauf-Erkrankungen umlegen. Die Forscher argumentierten hier mit einer nicht immer miteinander einhergehenden Verbindung zwischen gesunder Diät und deutlicher Veränderung der spezifischen Biomarker für Erkrankungen des Herz- und Kreislaufsystems.

Die Forscher äußerten jedoch den Verdacht, dass viele andere physiologische Wege zu einer Verbesserung der depressiven Symptomatik führen könnten. Dabei spezifizierten die Wissenschaftler deren Verdacht durch die Nennung von Möglichkeiten wie die Reduktion von oxidativem Stress, die Verbesserung der Neuroplastizität, sowie die positiven Eigenschaften einer Diät auf die Darmflora.

Anwendung auf zukünftige Therapiemodelle depressiver Erkrankungen

Durch die von der Studie gewonnenen neuen Erkenntnisse hinsichtlich der Auswirkung von ausgewogener Ernährung und optimierter Diätführung zur Verbesserung depressiver Symptome, kann künftig durch angepasste Mahlzeiten schon im Krankenhaus mit dem vorbeugenden, symptomorientierten Entgegenwirken beginnender depressiver Erkrankungen begonnen werden.

Die Wissenschaftler, die die Studie durchführten stellen somit ein ganz neues Forschungsfeld auf die Beine, welches sich mit der nahrungsmittelbezogenen Behandlung psychischer Krankheiten umfasst. Weitere Studien mit größerem Patientenumfang sollen auch in Zukunft weiter für Bestätigung der gewonnenen Ergebnisse sorgen.

Beispielhafter Ernährungsplan anhand der Studienergebnisse

Durch die gut dokumentierten und verblüffenden Ergebnisse der Forscher wollen viele Menschen die sich depressiver Erkrankungen ausgeliefert fühlen, selbst durch die Verbesserung der eigenen Ernährung helfen.

Wollen auch Sie sich durch die Verbesserung ihrer Ernährung und durch eine Umstellung auf empfohlene Lebensmittel potenziell besser fühlen, so sollten Sie auf die Lebensmittel der ModiMedDiet-Tabelle im Folgenden, besonderen Wert legen.

​Abbildung 2: Empfohlene Lebensmittel der ModiMedDiet-Diätvariante (Friedman School of Nutrition Science & Policy at Tufts University 2017)

Die oben angeführten Lebensmittel sollten entsprechend täglich oder über die Woche verteilt zugeführt werden.

Beispielsweise stehen täglich Vollkornprodukte und Gemüsesorten sowie Früchte und Milchprodukte mit wenig Fettanteil sowie Nüsse und Olivenöl auf dem Plan. So lassen sich viele dieser Produkte bereits am Morgen bei einem ausgewogenen Frühstück gut kombinieren.

Auch Sollten Sie immer auf eine ausgewogene und abwechslungsreiche Hauptspeise achten. Hier empfiehlt sich laut der ModiMedDiet-Diätvariante eine Variation von Fisch, Geflügel und magerem roten Fleisch.

Rufen Sie sich auch noch einmal in Erinnerung, dass es sich bei der Diät nicht primär um den Verlust von Körpergewicht handelt, sondern eine Verbesserung des mentalen Zustandes erreicht werden soll. Lassen Sie Ihren Kochkünsten und Ideen also freien Lauf, etwaige Grenzen der ModiMedDiet finden Sie im oberen Bereich des Artikels bei der Behandlung der Ernährungsunterstützung.

Herkömmliche Behandlung der Depression

Schulmedizinisch lassen sich Depressionen in unterschiedliche Gruppen einteilen und klassifizieren. Im ICD-10 Code, in dem alle Krankheiten gruppiert und gelistet sind, lässt sich die Depression in fünf Untergruppen einteilen.

  • Gruppe: Bipolare Störungen
  • Gruppe: Depressive Episode
  • Gruppe: Rezidivierende depressive Störung
  • Gruppe: Anhaltende affektive Störungen
  • Gruppe: Sonstige affektive Störungen

Nur durch geeignete Diagnostik kann eine sichere und effektive Behandlungsart gefunden werden, die dem Patienten eine Hilfestellung, Heilung und Linderung bietet. Verschiedene Faktoren werden von der modernen Medizin heute als Auslöser für depressive Erkrankungen beschrieben. Unter diese fallen beispielsweise biologische Faktoren, psychosoziale Theorien, Evolutionsbiologische Theorien.

Wichtig bei der Behandlung der Depression ist eine umfangreiche und wirkungsstarke Therapie, die oft eine Kombination von pharmakologischen und psychotherapeutischen Methoden vereint. Diese Kombinationstherapien werden meist von Fachärzten speziell an dafür eingerichteten Stationen oder in Fachkrankenhäusern angeboten und durchgeführt.

Die nationale S3-Versorgungsleitlinie der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) empfiehlt je nach Schweregrad unterschiedliche therapeutische Ansätze die im Folgenden kompakt für Sie aufbereitet sind.

Leitlinienkonformer Behandlungsablauf

Der Behandlungsablauf entsprechend der S3-Leitlinie setzt vor beginnender Therapie erst ein Aufklärungsgespräch voraus, was den Patienten realistische Hoffnungen, Ziele und Möglichkeiten vermitteln und gleichzeitig für dessen Entlastung sorgen soll.

Die allgemeinen Behandlungsziele lassen sich aus der Leitlinie wie folgt ableiten:

  • Erreichen einer Vollständigen Remission, sowie Verminderung der Symptome
  • Verringerung der Suizidrate und damit gleichzeitig der depressionsbedingten Mortalität
  • Leistungsrückgewinn in Beruf und sozialem Umfeld
  • Erreichen und wiedererlangen des seelischen Gleichgewichtes
  • Reduktion der Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls beziehungsweise einer verzögerten Wiedererkrankung

Entsprechend klinischer Faktoren, Symptomschwere und Verlauf der Erkrankung, sowie der Patientenpräferenz erfolgt die Ausarbeitung einer Behandlungsstrategie. Dabei soll die Therapie immer auf die aktuell vorliegende Behandlungsphase zugeschnitten sein. Die Verschiedenen Behandlungsphasen sind in folgender Abbildung dargestellt.

​Abbildung 3: Behandlungsphasen der Depression (Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde 2015)

Generell kann zwischen Niederschwelliger psychosozialer Intervention, pharmakologischer Therapie, Psychotherapie und nichtmedikamentösen somatischen Therapieverfahren unterschieden werden.

Die niederschwellige psychosoziale Intervention umfasst verschiedene Formen der angeleiteten und individuellen Selbsthilfe. Aber auch die technologiebasierte Intervention fällt unter diese Behandlungskategorie. Dabei umfasst die technologiebasierte Intervention, beispielsweise neben der Bibliotherapie als angeleitete individuelle Selbsthilfemethode, die Telefon-, Internet- oder computergestützte Selbsthilfe.

Die pharmakologische Therapie kommt meist bei der akuten depressiven Störung als Mittel der Wahl zum Einsatz und kann sich dabei einer Vielzahl an zugelassenen Medikamenten bedienen. Die wichtigsten Substanzgruppen in der pharmakologischen Therapie der Depression sind:

  • Trizyklische Antidepressiva
  • Tetrazyklische Antidepressiva
  • NSMRI’s (nichtselektive Monoamin-Rückaufnahme-Inhibitoren)
  • SSRI’s (selektive Serotinin-Rückaufnahme-Inhibitoren)
  • MAOI‘s (Monoaminoxidase-Inhibitoren)
  • SSNRI’s (Selektive Serotonin-/Noradrenalin Rückaufnahme Inhibitoren)
  • Alpha-2-Rezeptorantagonisten
  • Selektive Noradrenalin-Dopamin-Rückaufnahme-Inhibitoren (Bupropion)
  • Melatonin-Rezeptor-Antagonisten (MT1/MT)

Auch kommen in der pharmakologischen Therapie der Depression nicht-klassifizierte Antidepressiva zum Einsatz sowie Lithiumsalze als Stimmungsstabilisierer und auch verschiedene Phytopharmaka.

Auch der Psychotherapie kommt eine hohe therapeutische Bedeutung zu. Bei der Psychotherapie kommt es zu einer Behandlung auf der Basis des Einwirkens auf den Patienten mit überwiegend psychologischen Mitteln. Die psychotherapeutischen Methoden sind heute vielfältig aufgestellt und haben sich in Bereichen der ambulanten, teilstationären sowie stationären Therapie etabliert.

​Zu den nichtmedikamentösen somatischen Verfahren zählen unter anderem die elektrokonvulsive Therapie, bei der Strom über Elektroden am Kopf an das Gehirn weitergeleitet wird und dabei ein generalisierter, therapeutischer Krampfanfall ausgelöst wird. Diese Therapie hat sich bei der Behandlung der therapieresistenten Depression durchgesetzt und ist charakteristisch für deren raschen Wirkungseintritt (Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde 2015).

​Quellen und weiterführende Links

​Abbildungsverzeichnis


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