Darmflora aufbauen – Die Darmflora natürlich sanieren und stärken

Die Darmflora ist ein hochkomplexes Ökosystem, welches aus über 400 Arten von Bakterien und Mikroorganismen zusammensetzt. Ist der Darmtrakt eines Kindes im Mutterleib noch völlig „steril“ so besiedeln die Bakterien nach der Geburt schnell den Darmtrakt, wobei vor allem das Colon (der Dickdarm) über eine besonders reiche Vielfalt an Bakterien verfügt. Die 400 Mikroorganismus-Vertreter kommen zusammen im Zahlenbereich von Billionen im Gastrointestinaltrakt vor. Umso verständlicher ist es auch, dass sich eine derartig große Anzahl an Mikroorganismen gesamt auf ein Gewicht von bis zu 1,5 kg im ausgewachsenen menschlichen Körper beläuft.​

Die Darmflora ist jedoch keineswegs unnütz geschweige denn unwichtig, denn Sie ist für den menschlichen Körper von essenzieller Bedeutung. Um das Ausmaß der Mikroorganismenbesiedelung im menschlichen Darm nochmals zu verdeutlichen, lässt sich sagen, dass die Darmflora 1,3-Mal so viele Mikroorganismen beherbergt, wie der menschliche Körper über Zellen verfügt. Neben Aufgaben des Immunsystems und der Abwehrfunktion sind auch verdauungsunterstützende Aufgaben Teil der Darmflora. Welche umfangreichen und vielseitigen Aufgaben die Darmflora noch für sich einnimmt, erfahren Sie im folgenden Artikel „​Darmflora aufbauen - Wie Sie Ihre Darmbakterien natürlich stärken und sanieren“ (Sender, Fuchs und Milo 2016), (Kraft 2015).

Rolle der Darmflora

Die Rolle der Darmflora im menschlichen Körper gibt auch heute noch Rätsel auf, die Wissenschaft forscht weiter an den Funktionen diese komplexen, dynamischen Ökosystems. Folgend werden einige wichtige Aufgaben der Darmflora aufgezählt, um Ihnen die vielfältigen Aufgaben dieses Systems näherzubringen.

1. Effekt der Darmflora auf die Insulinsensitivität

Wie sich der Darm auf die Körperfülle auswirkt, ist seit vielen Jahren ein Gebiet intensiver Forschungen. Wissenschaftler auf aller Welt beschäftigen sich dabei auch mit der Rolle der Darmflora in diesem Zusammenhang. Eine Theorie beschreibt, dass durch bestimmte Darmbakterien Ballaststoffe, die mit der Nahrung aufgenommen werden und in den Darm gelangen, besser abgebaut werden können. Auch wird vermutet, dass eine bessere Durchlässigkeit der Darmwand für Einfachzuckern durch die Darmbakterien ermöglicht wird. So sollen Darmbakterien auch dabei helfen, Fettdepots anzulegen, womit diesen beim „Dickmachen“ eine deutliche Rolle zukommen würde. So können Bakterien auch gegenteilig Wirken und sogenannte schlankmachende Bakterien können das Sättigungsgefühl verstärken. Ebenfalls forschen Wissenschaftler an der Möglichkeit, dass durch Bakterien der Darm, bedingt durch Mikroentzündungen, löchrig werden könne. Wissenschaftlern zufolge würde eine solche erhöhte „Löchrigkeit“ des Darms zur vermehrten Aufnahmen von toxischen Bakterienbestandteilen führen, was zu einer entzündlichen Reaktion führen würde und so eine Insulinsensitivität einschränken könne.

Eine Ungleichheit der Darmflora kann also wissenschaftlich zufolge einen Grund für das erhöhte Risiko von Typ-II Diabetes darstellen (Zentrum der Gesundheit 2017), (Burger 2017).

2. Balancierung der Autoimmunaktivität durch die Darmflora

Welche umfassenden Auswirkungen die Darmflora des Menschen auch auf dessen unterschiedlichste funktionelle Systeme hat, soll Ihnen im folgenden Beispiel nähergebracht werden. Denn Wissenschaftler vermuteten bereits lange Zeit einen Zusammenhang zwischen Autoimmunerkrankungen und den Mikroorganismen der Darmflora. Denn bestimmte Einzeller, die sogenannten Bakteroiden, können bei speziellen autoimmunbedingten Darmerkrankungen das Immunsystem frühzeitig aktivieren.

Forscher konnten nachweisen, dass diese Bakteroiden das Protein Integrase produzieren, was weiße Blutzellen des Immunsystems anlockt, um Zellen, die für den Ausbruch von verschiedenen Darmerkrankungen verantwortlich sind, frühzeitig zu zerstören. Kommt es zu einer Überaktivierung an weißen Blutzellen, so kann eine Autoimmunreaktion die Folge sein, was in einer entgleisten Entzündungsreaktion gipfelt. Durch die Entdeckung von Mechanismen der Interaktion von Darmflora und Immunsystem stellt sich den Forschern ein ganz neues Themenfeld der möglichen therapeutischen Anwendung dar, die helfen könnte, durch entzündungsregulierende Bakterien, wie sie auch in der Darmflora gefunden werden können, Autoimmunerkrankungen besser behandeln zu können (Hebbandi, et al. 2017), (Journal Medizin 2018).

3. Regulierung allergischer Reaktionen durch die Darmflora

Die Darmwand dient nicht nur der Resorption, also der Aufnahme von Nahrungsmitteln, sondern hat auch die Aufgabe, toxische Stoffe nicht passieren zu lassen. Bereitgestellt und aufrechterhalten wird diese Funktion von sogenannten „tight junctions“, welche Zell-Zell-Verbindungen darstellen, die benachbarte Zellen mittels Proteinen quasi aneinanderschweißen. Sind diese Darmbarriere-Funktionen gestört, kommt es infolge dessen zu breit gefächerten Auswirkungen auf die Gesundheit des Darms, sowie auf den Allgemeinzustand.

Eine erhöhte Durchlässigkeit des Darms geht dabei mit dem erhöhten Eindringen von Antigenen einher, was zu den bedeutendsten Ursachen der Lebensmittelallergien, vor allem bei Kindern, zählt. Daher ist es besonders wichtig, dass bei Kindern nach der Geburt, das Darmimmunsystem schnell und kontinuierlich zu reifen beginnt. Die Hygiene-Hypothese beschreibt dabei den Zusammenhang zwischen dem Versuch möglichst Keimfreiheit in der kindlichen Umgebung zu erreichen und der Tatsache, dass durch diese übermäßige Schonung eine gesunde Ausbildung der Darmflora nicht möglich sei (Jossé 2013).

4. Effekt der Darmflora auf die Appetitanregung

Durch die Verbindung des Darms mit dem Nerven- und Hormonsystem kann die Darmflora an wichtigen Prozessen beteiligt sein, die vor einigen Jahren noch nicht annähernd mit der Darmflora in Verbindung gebracht worden wären. So gehen Wissenschaftler der University of New Mexico davon aus, dass Mikroorganismen im Darm beeinflussen können, für welches Gericht Sie sich schlussendlich im Restaurant oder Zuhause entscheiden.

Mikroorganismen im Darm sind durch ihre Vielfältigkeit und durch Ihre Artenvielfalt auf unterschiedlichste Nährstoffe angewiesen. Durch ausgelöste Heißhungerattacken, könne es möglich sein, dass sich Mikrobakterien Zugang zu den benötigten Nährstoffen verschaffen. Sind die Mikroben mit der Nahrungsaufnahme „zufrieden“, so kommt es zur Freisetzung des Glückshormons Dopamin, was Ihnen dann ein Gefühl der Zufriedenheit vermittelt. Um Heißhungerattacken zu vermeiden, empfehlen Experten konsequent als Mittel der Wahl die gesunde Ernährung, gefolgt von der Aufnahme von Probiotika (DARWINIAN MEDICINE 2017), (Gesundheit 2016), (Norris, Molina und Gewirtz 2013).

5. Die Darmflora hat Auswirkungen auf die Stimmung und die geistige Gesundheit

Forscher sind in den letzten Jahren immer weiter darauf eingegangen, vermehrt den Zusammenhang zwischen dem Darm und dessen Einfluss auf das Gehirn zu untersuchen. Dabei konnten Wissenschaftler der University of Carolina feststellen, dass die unterschiedliche Ansammlung von Bakterien im Darm Grund für psychische Erkrankungen wie Angststörungen beiziehungsweise depressive Verstimmungen sein kann.

Die Kommunikation zwischen dem Gehirn und dem Darm erfolgt über die Darm-Hirn-Achse und lässt sich in beide Richtungen verfolgen. Neben dem Rückenmark als zentrale Anlaufstelle zwischen peripherem und zentralem Nervensystem ist auch der Nervus vagus ein wichtiger Bestandteil dieser Achse.

Die Neurotransmitter (Botenstoffe) die von den Mikroorganismen der Darmflora produziert werden, bilden zusammen mit dem Nervengeflecht des Darms (enterisches Nervensystem) und dem Nervus vagus, die sogenannte Mikrobiom-Darm-Hirn-Achse. Auf diesem Wege ist eine Kommunikation zwischen Darmflora und Gehirn möglich. Ebenfalls möglich ist die Kommunikation der beiden Systeme durch Hormone wie beispielsweise Dopamin, GABA und Neuropeptiden Y.

Durch die Erkenntnis, das Darmbakterien ein wichtiger Baustein von Neurotransmittern wie Dopamin, Serotonin und GABA sind, konnten Wissenschaftler der Cox University in Irland auch Rückschlüsse ziehen, nach denen eine beschädigte Darmflora, die Produktion von wichtigen Neurotransmittern vermindern kann, was zu unterschiedlichsten psychischen Symptomen führen kann (Lyte 2013), (Cryan und Dinan 2012).

6. Gesunde Haut durch die Wirkung der Darmflora

Für welche unterschiedlichsten Wirkungen rund um den menschlichen Körper die Darmflora verantwortlich ist, haben Sie nun bereits mehrmals eindrucksvoll erfahren. Nun geht es um die Auswirkung einer gesunden Darmflora auf die Haut. Denn Forschungen haben ergeben, dass die Darmbakterien auch auf dermatologischer Ebene wirksam sein können. So sind diese beispielsweise in der Lage Hyaluronsäure, Milchsäure, Ceramide oder auch Antioxidantien und UV-Lichtschutzfaktoren zu erzeugen. Diese Stoffe gehören allesamt zu Ingredienzien, die auch in der Beauty-Branche Anwendung finden. Durch die Vielzahl an Arten der Mikroorganismen die die Darmflora besiedeln, ist es auch nicht abwegig, dass jede Art dieser Mikroorganismen auch deren spezielle Aufgaben in diesem Zusammenspiel erfüllt.

Eine koreanische Studie konnte beispielsweise zeigen, dass Studienteilnehmer die drei Monate entweder ein Nahrungsergänzungsmittel mit Milchsäurebakterien einnahmen eine deutliche Verbesserung der Hautfeuchtigkeit erreichen konnten. Nach 12 Wochen trat ebenfalls eine messbare Faltenreduktion ein, was die Forscher in der Placebo-Gruppe nicht feststellen konnten.

Eine weitere Studie aus Frankreich und der Schweiz konnte nachweisen, wie ein Bakterienstamm, der Lacotbacillus paracasei, auf spannende, empfindliche und gereizte Haut wirkt. So fanden die Wissenschaftler heraus, dass diese Mikroorganismen eine deutliche Sensibilitätsverringerung und Stärkung der Haut zur Folge hatten (Axt-Gadermann 2017).

7. Effekt der Darmflora auf die Lebergesundheit

Das Leber und Darm sich gegenseitig beeinflussen ist weitgehend bekannt. So kann der Darm durch dessen Barriere-Funktion die Leber beeinflussen und die Leber den Darm wiederum durch die Produktion von Gallensäuren. So sind laut Experten, Lebererkrankungen oft von Darmbeschwerden getriggert. Auch Störungen der Leberpunktion können im Umkehrschluss für Erkrankungen des Darmtraktes verantwortlich sein.

 Zwei Krankheitsbilder die Wissenschaftler immer wieder mit dieser engen Verbindung von Leber und Darm in Zusammenhang bringen ist die Fettleber, sowie auch die nichtalkoholische Steatohepatitis (NASH). Denn wie sich in der Vergangenheit zeigte, breitet sich vor allem NASH durch die ebenfalls steigende Adipositasrate aus. Grund für die Erkrankungen könnte laut Forschern eine veränderte Darmflora sein, die vor allem bei übergewichtigen Menschen zu beobachten ist. Auch die Verbindung von Leber zu Darm ist überaus eng, ein Beispiel hierfür ist eine Lebererkrankung, die primär sklerosierende Cholangitis (PSC), die in 70 Prozent der Fälle mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung einhergeht (Deutsches Ärzteblatt 2010).

Zeichen einer Dysbalance der Darmflora

Wie Sie nun bereist bemerkt haben, ist die Darmflora ein sehr komplexes, dynamisches System, welches sich aus Billionen von Mitspielern zusammensetzt. Auch hier ist es nicht ungewöhnlich, dass sich Dysregulation und Dysbalance schnell bemerkbar machen. Folgend sind einige wichtige Symptome aufgezählt, bei denen Sie eine Störung der Darmflora im Hinterkopf behalten sollten (BessergesundLeben 2017).

  • Durchfall
  • Fettstuhl
  • Zwerchfellhochstand
  • Völlegefühl, Aufstoßen
  • Blähungen
  • Dissacharidintoleranz (oft Laktoseintoleranz)
  • Schwächegefühl
  • Koordinationsstörungen
  • Erhöhte Infektanfälligkeit
  • Verstopfung
  • Verstärkte Menstruationsbeschwerden und PMS
  • Verschlechterung des Hautbildes
  • Psychische Störungen
  • Autoimmunerkrankungen (wie rheumatoide Arthritis)

​Darmflora aufbauen: 10 Maßnahmen zum stärken der Darmflora

Nach dem Kennenlernen der allgemeinen Bedeutung der Darmflora für Menschen und die Möglichkeiten des Zusammenspiels mit andere Systemen, soll Ihnen im Folgenden eine Möglichkeit gegeben werden, selbst gegen eine milde Dysregulation vorgehen zu können.

1. Fermentiertes Essen zu sich nehmen

Fermentierte Lebensmittel entstehen durch Zugabe von Salz, Zucker oder bestimmten Pilzkulturen und wandeln sich daraufhin von herkömmlichen Lebensmitteln, durch eine Art der Gärung, in deren fermentierte Variante um. Ein gutes Beispiel für ein fermentiertes Lebensmittel ist das Sauerkraut, welches voll gesunder Mikroorganismen und Vitamin C steckt. Aber auch Lebensmittel wie Kimchi, Sauersteigbrot, Joghurt, Kefir und Kombucha sind klassische Vertreter der fermentierten Lebensmittel.

Durch die stattfindende Milchsäuregärung kommt es zur Entstehung einer Vielzahl an Probiotika, welche für die Darmflora bekanntermaßen durchaus hilfreich, ja sogar essenziell sind. Statt Probiotika also in Tablettenform zu sich zu nehmen, sollten Sie nächstes Mal einfach auf fermentierte Lebensmittel zurückgreifen um Ihrer Darmflora die nötige Menge an Probiotika zuzuführen (Mahr 2017).

2. Zucker reduzieren, künstliche Süßstoffe und Fertiggerichte vermeiden

Die Kombination aus Zucker und fettreichen Lebensmitteln kann für Ihre Darmflora fatale Folgen haben, so tragen Sie über die Einnahme dieser Lebensmittel zur gezielten Zerstörung Ihrer Darmflora bei. Die Ernährung mit viel Fett und viel Zucker, wie sie in der westlichen Welt zunehmend vorherrscht, ist laut einer französischen Studie, aus oben genannten Gründen, ein möglicher Auslöser für die entzündliche Darmerkrankung Morbus Crohn.

Die Studie konnte beobachten, das eine Dysbiose bereits kurze Zeit nach der zucker- und fetthaltigen Lebensmitteleinnahme stattfand und dabei auch die Dicke der Darmwand deutlich zu schrumpfen begann. Schädliche Bakterien konnten sich indes umso besser vermehren. Versuchen Sie also die fettreiche und zuckerreiche Ernährung, wie sie vor allem beim Konsum vieler Fertigprodukte vorliegt zu reduzieren und auf gesunde und vollwertige Ernährung umzusteigen (Martinez-Medina, et al. 2014).

3. Probiotische Nahrungsmittel zu sich nehmen

Probiotika sind bedeutend an der Regulierung und Balance der Darmflora beteiligt. Probiotika beinhalten lebensfähige Mikroorganismen, sodass diese zur Gruppe der „functional Foods“ gehören. Meist werden Milchsäurebakterien und Hefen angewendet, aber auch andere Spezies sind durchaus im Gebrauch.

In probiotischen Lebensmitteln sind Mikroorganismen, meist der Art Lactobacillus casei enthalten, die die Magenpassage mit der Eigenschaft der Teilungsfähigkeit, überwinden können. Durch die Besiedelung des Darms, sollten Lactobacillen beziehungsweise Probiotika im Allgemeinen die Fehlbesiedelung mit Darmkeinem durch die Produktion von Bacteriozinen verhindern beziehungsweise vermindern. Neben den fermentierten Lebensmitteln die bereits erwähnt wurden, sind auch Lebensmittel mit probiotischen Zusätzen auf dem Markt erhältlich, so sind probiotische Lebensmittel in Form von: Wurst, Speiseeis, aber auch Käse und Quark keine Seltenheit (Zentrum der Gesundheit 2017).

4. Weniger tierische Produkte konsumieren

Eine Ernährung frei von tierischem Eiweiß mag Ihnen vielleicht drastisch erschienen, doch Wissenschaftler konnten den Zusammenhang einer gesunden Darmflora und einer veganen Ernährung aus Studien schlussfolgern. T. Coin Campbell räumt in seinem Buch „China Study“ mit den Mythen rund um vegane Ernährung auf und zeigt zudem, dass Verzicht auf tierisches Eiweiß nicht nur eine gesündere Darmflora zur Folge hat, sondern auch bösartige Erkrankungen des Darms bis hin zu Krebs verhindern kann. Laut Campbell kann durch eine vegane Lebensweise auch die Fäulnis im Darm verringert werden. Ein weiterer positiver Nebeneffekt der veganen Ernährung ist unter anderem die Reduzierung eines unangenehmen Körpergeruchs.

Das Gute, um einen positiven Effekt zu erzielen, müssen Sie nicht dauerhaft auf tierische Eiweiße verzichten, schon eine kleine Auszeit kann ihnen dabei helfen, gesünder zu leben und ihre Darmflora zu unterstützen (Müller 2016).

5. Mehr Gemüse und Ballaststoffe 

Ballaststoffe sind von der Lebensmittelseite aus gesehen ein wichtiger Bestandteil der Verdauung und der Darmgesundheit. Ballaststoffe stellen dabei einen unverdaulichen Anteil an Nährstoffen dar, durch die einerseits die Peristaltik angeregt wird, andererseits auch die Regulation des Cholesterinhaushalts positiv beeinflusst wird.

Ebenso kann ballaststoffreiche Ernährung dazu beitragen, das Risiko an Darmkrebs zu erkranken deutlich verringern. Wenn Sie sich nun fragen, in welchen Lebensmitteln besonders viele Ballaststoffe vorkommen, dann sind Sie mit einer einfachen Faustregel gut beraten. Diese lautet, je weniger industriell nachbearbeitet ein Lebensmittel ist, umso höher ist auch für gewöhnlich der Gehalt an Ballaststoffen. Auch Divertikel und Hämorrhoiden können so vorgebeugt werden. Achten Sie dabei unbedingt auch auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr (Steinkellner 2016).

6. Stillen von Baby für mindestens 6 Monate

Wie Sie bereits bei zu Beginn des Artikels gelesen haben, wird der Gastrointestinaltrakt des Neugeborenen erst nach und nach mit Mikroorganismen besiedelt. So stellten sich Untersuchungen zufolge auch deutliche Unterschiede zwischen gestillten und nicht gestillten Kindern ein. Dabei gilt heute, das Baby die kaum oder gar nicht gestillt werden, über eine deutlich schlechtere Darmflora verfügen also Babys, die gestillt werden. Weiters gilt auch, wie bereits besprochen, je gesünder die Darmflora, umso stärker das Immunsystem des Babys. Auch konnten bereits Zusammenhänge zwischen gestillten Kindern und geringerer Infekt- und Allergieanfälligkeit hergestellt werden. Auch sind Kindern die gestillt worden sind, im Laufe ihres Lebens weniger häufig von entzündlichen Darmerkrankungen betroffen. Eine dänische Studie der University of Copenhagen bestätigte die Vermutung, dass gestillte Kinder eine weit besser ausgeprägte und damit gesündere Darmflora aufweisen, als Kinder die nicht, oder nur gelegentlich gestillt werden (Zentrum der Gesundheit 2016).

7. Antibiotika vermeiden bzw. limitieren

Antibiotikagabe ist bei fortschreitenden bakteriellen Infektionen oft das Mittel der Wahl. Doch vor allem von Breitbandantibiotika kann die Darmflora nachhaltig geschädigt werden. Neuen Erkenntnissen zufolge, kann die Schädigung durch Antibiotika noch ein Jahr nach Beendigung der Einnahme anhand der Darmflora festgestellt werden. Eine Studie am Academic Centre for Dentistry in Amsterdam untersuchte dabei 66 gesunde Erwachsene aus dem vereinigten Königreich und Schweden. Die Studienteilnehmer nahmen ein Placebo oder ein, in üblicher Dosis verabreichtes, Antibiotikum ein. Dabei wurden die Teilnehmer der Antibiotikagruppe mit einem von vier verschiedenen Antibiotika behandelt. Dabei handelte es sich entweder um Ciprofloxacin, Amoxicillin, Clindamiycin oder auch um Minocyclin.

Zur Überprüfung der Theorie wurden jeweils ein, zwei, vier und zwölf Monate nach der letzten Einnahme Untersuchungen von Speichel- und Stuhl durchgeführt. Ziel der Studie war die Veränderungen der Darmflora durch die antibiotische Therapie und die anschließende Besserungsdauer genauer beurteilen zu können. Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, das vor allem Bakterien die Buttersäure produzieren einen enormen Schaden durch die meisten Antibiotika davontragen, der sich einige Monate nach der Beendigung noch nachweisen lässt. Diese buttersäureproduzierenden Bakterien sorgen unter anderem für die Entzündungsbekämpfung, die Stresshemmung und gegen die Entstehung von Krebs. In der Minocyclin-Gruppe war die Darmflora bis zu meinem Monat nach der Einnahme noch geschädigt, in der Clindamycin-Gruppe dauerte dieser Zustand bis zu vier Monate an, in der Ciporofloxacin-Gruppe wurde sogar eine Beeinträchtigung der Darmflora im Zeitraum von bis zu 12 Monaten festgestellt, während Amoxycillin keine deutlichen Auswirkungen auf die Darmflora besitzt (PraxisVITA 2018).

8. Stress verringern

Körperlicher und emotionaler Stress haben nicht nur Auswirkung auf das Befinden, sondern können auch körperliche Folgen nach sich ziehen, die unter anderem den Darm betreffen können. Denn durch Stress kann die Permeabilität (Durchlässigkeit) des Darms erhöht werden und so eine Dysbalance zwischen Darm-Immunsystem und Darmflora führen. Eine Folge daraus kann ein dauerhaft anhaltender, meist stumm verlaufender, Entzündungsprozess sein, der in weiterer Folge zu chronischen Darmerkrankungen führen kann. In diesem Zusammenhang zueinander lässt sich auch gut erkennen, warum das sogenannte Reizdarmsyndrom besonders oft ins sehr stressigen Lebenslagen auftritt.

Daher sollten Sie auf alle Fälle Stress so gut es geht vermeiden, nicht nur Ihrer Darmflora wegen, sondern auch um keine weiteren Krankheiten zu provozieren (zsmed Team 2015).

9. Ausreichend schlafen

Das ausreichend Schlaf wichtig ist, ist hinreichend bekannt, auch das die innere Uhr durch Schichtarbeit oder Zeitumstellungen oftmals durcheinandergerät ist kein Geheimnis mehr. Forscher einer israelischen Studie konnten jedoch zeigen, dass Schichtarbeit und Zeitumstellung auch eine deutliche Auswirkung auf den menschlichen Körper haben. Dazu haben Forscher mit Mäusen experimentiert und den Einfluss der Inneren Uhr auf die Darmbakterien untersucht. Dabei legten die Wissenschaftler auch Wert auf den Rhythmus der Nahrungsaufnahme. Es zeigte sich, dass eine gestörte Rhythmik auch umfassende Auswirkungen auf die Bakterienzusammensetzung im Darm hatte. Durch diese Dysbalance kann es wiederum zum Auftreten verschiedenster bereits besprochener Folgen und Krankheiten kommen (Einfach.Gesund.Schlafen 2016).

10. Trainieren

Das Bewegung gut für den Körper und die Gesundheit ist, wissen viele, das davon jedoch auch die Darmflora profitieren soll ist aktuellen Stand der Forschung. So wissen Wissenschaftler heute, dass Sportler über eine deutlich bessere und gesündere Darmflora verfügen als Nichtsportler. Auch die Entzündungswerte der Sportbegeisterten sind deutlich geringer.  In der Studie wurden 46 Profi-Rugbyspieler während einer trainingsintensiven Phase mit gesunden Männern verglichen. Es zeigte sich in der Auswertung der genommenen Stuhl- und Blutproben deutlich, dass die Profis einen verbesserten Stoffwechsel und weit geringere Entzündungswerte aufwiesen. Die Wissenschaftler konnten schlussfolgern, dass dies eine Auswirkung der vielfältigeren und gesünderen Darmflora sein müsse (Der Standard 2014).

Darmbakterien aufbauen mit fermentierten Gerichten: Ein Rezept für hausgemachten Sauerkraut

Sie wissen bereits, das fermentierte Gerichte wie Sauerkraut reich an Probiotika sind, welche Ihrer Darmflora auf die Sprünge helfen können. Nun erfahren Sie, wie sie Sauerkraut Zuhause selbst herstellen können.

Zutaten

  • 1 Kopf Kraut mit einem Gewicht von 1kg
  • 1 Esslöffel Salz
  • 1 Liter Wasser
  • Plus: (150 g Salz für die Salzlake)

Zubereitung

Das Kraut zuerst teilen und die äußersten Blätter entfernen. Anschließend entfernen Sie einige Blätter im Ganzen und legen diese vorerst zur Seite. Nach dem Entfernen des Strunks müssen Sie das Kraut fein reiben, hierzu eignet sich ein Krauthobel oder eine geeignete Maschine. Nach dem Reiben vermischen Sie das Kraut mit dem Salz und kneten/rühren das Kraut einige Male. Nutzen Sie nun einen Stampfer um dem Kraut durch mehrmaliges Stampfen und Pressen Wasser zu entziehen.

Anschließend benötigen Sie einen Gärtopf oder ein entsprechendes Glasgefäß und Füllen das Kraut dort ein. Nun kommen die Blätter von vorhin zur Anwendung. Nutzen Sie diese und decken Sie das Kraut damit ab. Beschweren Sie das Kraut und gießen Sie es mit Salzlake (150g Salz gelöst in einem Liter Wasser) auf, bis das Kraut komplett bedeckt ist.

Nun müssen sie bis zu 10 Tage warten, bis sie ihr Kraut genießen können, lagern Sie es dazu bei Zimmertemperatur. Umso länger Sie im Anschluss mit der Entnahme warten, umso saurer wird das Sauerkraut im Gefäß (Eder 2016).

Fazit

​Die Darmflora ist ein umfangreicher Mikrokosmos der Ihren Darm besiedelt. So sensibel die Darmflora auch ist, so wichtig ist diese auch für die Abwehr von Krankheiten, die Verhinderung von Krebs sowie die Aufrechterhaltung der Stimmung. Wird dieses System gestört, laufen viele Prozesse im Körper nichtmehr rund und es kann zu umfangreichen Krankheitsbildern und Symptomen kommen. Um dies zu vermeiden, sollten Sie einerseits immer ein Auge darauf haben was Sie essen, andererseits sollten Sie immer aktiv versuchen Ihre Darmflora bestmöglich zu unterstützen. Der Artikel „​Darmflora aufbauen - Wie Sie Ihre Darmbakterien natürlich stärken und sanieren“ hat Ihnen zugesagt und sollten Sie Personen kennen, die unter einer gestörten Darmflora leiden, empfehlen Sie den Artikel weiter, um auch andere über die Möglichkeiten und Ursachen zu informieren.

​Quellen und weiterführende Links


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