Schüßler-Salz Nr. 11 Silicea ist hochverdünnte Kieselsäure, die nach der Schüßler-Lehre Haut, Haare und Bindegewebe stärken soll. Eine Wirkung über den Placebo-Effekt hinaus ist nicht belegt, und auch für Silizium aus Nahrungsergänzung sieht die EFSA keinen gesicherten Nutzen für Haare, Nägel oder Bindegewebe.
Du fragst dich, ob Silicea dein Haar kräftiger oder dein Bindegewebe straffer macht? Wir trennen hier sauber zwischen dem, was die Lehre behauptet, und dem, was sich in Quellen und Studien tatsächlich findet.

Was ist Silicea überhaupt?
Silicea ist die Nummer 11 der zwölf klassischen „Funktionsmittel“ der Biochemie nach Schüßler. Der Name steht für Kieselsäure, also eine Verbindung des Elements Silizium. Die Lehre stammt aus dem 19. Jahrhundert, ihr Namensgeber lebte von 1821 bis 1898. Die Grundidee aller zwölf Salze findest du in unserem Überblick zu den Schüßler-Salzen.
Wichtig für die Einordnung: Schüßler-Salze werden nach homöopathischen Verfahren zubereitet, also „potenziert“ (Schütteln, Reiben, Verdünnen). Für Silicea ist laut einem Fachartikel der Pharmazeutischen Zeitung die Regelpotenz D12 vorgesehen. Das ist eine sehr starke Verdünnung. Das Präparat ist deshalb etwas anderes als ein Silizium-Nahrungsergänzungsmittel, das eine messbare Menge des Elements enthält.
Was die Lehre behauptet
Nach der Schüßler-Lehre gerät bei Krankheiten das Gleichgewicht der anorganischen Mineralsalze in den Zellen durcheinander. Die potenzierten Salze sollen das ausgleichen, weil „unverdünnte“ Salze nach Auffassung des Namensgebers nicht ausreichend in die Zellen gelangen. Das ist die Behauptung der Lehre, kein gemessener Befund.
Zu den Symptomen von Schüßlersalz Nr. 11, also den Beschwerden, bei denen die Lehre Silicea einsetzt, zählen demnach Probleme von Haaren, Haut und Bindegewebe. So ordnet es auch der Fachartikel der Pharmazeutischen Zeitung ein. Wenn Ratgeber darüber hinaus Nägel oder Cellulite nennen, haben wir dafür keine belastbare Quelle gefunden.
Auch der vermutete Mechanismus ist nicht bewiesen: Als mögliche Erklärung wird genannt, potenzierte Salze könnten die Aufnahme in die Zellen verbessern, etwa über empfindlichere Rezeptoren. Eine verbesserte Aufnahme oder erhöhte Empfindlichkeit ist laut Pharmazeutischer Zeitung bislang nicht nachgewiesen.

Silizium im Körper: was man weiß
Silizium kommt in Knochen, Zähnen, Bindegewebe, Haut, Haaren und Nägeln in größeren Mengen vor. Ob es dort eine wichtige Aufgabe hat, ist aber nicht bewiesen. Vermutet wird eine Rolle beim Einbau von Calcium in die Knochen und bei der Stabilität des Bindegewebes.
Ein echter Mangel wurde beim Menschen bisher nicht beobachtet. Hinweise stammen nur aus Tierversuchen, und ob sie sich auf den Menschen übertragen lassen, ist unklar. Der Bedarf wird auf etwa 5 bis 10 Milligramm pro Tag geschätzt, die Aufnahme über eine ausgewogene Ernährung liegt bei etwa 20 bis 50 Milligramm. Das ist mehr als das Vierfache des geschätzten Bedarfs.
Das ist ein Knackpunkt für die Schüßler-Idee: Wenn kein Mangel bekannt ist, bleibt offen, was ein „Ausgleich“ bewirken soll. Dünnes Haar hat oft ganz andere Auslöser. Ein Beispiel ist der Eisenhaushalt, mehr dazu findest du in unserem Beitrag zu Eisenmangel und Haarausfall.
Was die Studienlage sagt
Zum Schüßler-Salz Silicea selbst
Für die Wirksamkeit der Schüßler-Salze fehlen wissenschaftliche Belege, so schreibt es die Pharmazeutische Zeitung. Eine Wissenschaftsredaktion kommt zum gleichen Schluss: Es gebe keine aussagekräftigen Studien, die eine Wirkung über den Placebo-Effekt hinaus zeigen. Auch ein Gesundheitsportal schreibt, es lägen keine wissenschaftlichen Studien zu den Mineralstoffen vor. Berichtete Erfolge werden deshalb meist dem Placebo-Effekt zugeschrieben. Der kann spürbar sein, ist aber keine Erklärung für eine echte Wirkung der Salze. Eine eigene Studie speziell zu Nr. 11 haben wir nicht gefunden.
Das heißt nicht, dass du dir Besserung nur einbildest. Es heißt, dass sich nach heutigem Stand nicht sagen lässt, dass das Salz selbst etwas bewirkt.
Zu Silizium als Nahrungsergänzung
Hier gibt es einige Studien. Sie lassen sich aber nicht auf das Schüßler-Salz übertragen, denn dort werden messbare Mengen Silizium eingenommen:
- Eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie von 2007 mit 48 Frauen mit feinem Haar: Sie nahmen neun Monate lang täglich 10 Milligramm Silizium. Haarstruktur und Zugfestigkeit verbesserten sich, der Haarquerschnitt nahm zu.
- Eine offene Studie von 2010 ohne Vergleichsgruppe mit 79 Teilnehmenden mit brüchigem, gespaltenem Haar (3 × 350 Milligramm Kieselerde täglich): Nach drei und sechs Monaten verbesserten sich unter anderem Haardicke und die Selbsteinschätzung der Haarqualität.
- Eine offene Studie von 1993 mit 50 Frauen mit gealterter Haut, dünnem Haar oder brüchigen Nägeln: Sie nahmen kolloidale Kieselsäure ein und trugen sie zusätzlich auf die Haut auf. Haut, Haare und Nägel verbesserten sich.
Das klingt vielversprechend, hat aber Grenzen: Die Studien sind klein, zwei davon waren offen, also ohne Placebogruppe, und der Wirkmechanismus ist weitgehend ungeklärt. Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA sieht keinen Nutzen von Silizium als Nahrungsergänzung für die Knochengesundheit und auch keinen Vorteil für Nägel, Haare und Bindegewebe. Ob sich das mit weiteren Studien ändert, ist offen.
Unterm Strich: Für Silizium in messbarer Dosis gibt es kleine Hinweisstudien, aber keine anerkannte Wirkung. Für das hochverdünnte Schüßler-Salz haben wir nicht einmal diese gefunden.
Silizium in der Nahrung
Silizium steckt in allen Lebensmitteln. Besonders viel enthalten pflanzliche Lebensmittel wie Vollkorngetreide und Wurzelgemüse, tierische Lebensmittel enthalten wenig. Als Quellen werden auch Kartoffeln und Vollkornprodukte genannt. Genaue Gehalte einzelner Lebensmittel haben wir in unseren Quellen nicht gefunden und nennen deshalb keine.
Wer sich abwechslungsreich mit pflanzlichen Lebensmitteln ernährt, deckt den geschätzten Bedarf also in der Regel mehrfach ab. Vollkorn liefert außerdem Ballaststoffe, mehr dazu in unserer Übersicht ballaststoffreicher Lebensmittel. Weitere Beiträge zu Mineralstoffen und Spurenelementen findest du in der Kategorie Nährstoffe.

Einnahme, Laktose und Verträglichkeit
Dosierung
Maßgeblich sind immer die Angaben auf der Packung oder im Beipackzettel deines Präparats. Allgemein gilt für Schüßler-Salze: Die Tabletten werden nicht geschluckt, sondern im Mund zergehen gelassen, weil die Aufnahme nach der Anwendungslehre über die Mundschleimhaut erfolgen soll. Empfohlen wird die Einnahme meist vor einer Mahlzeit. Als Orientierung aus der Heilpraktiker-Praxis nennt ein Gesundheitsportal, dass die Tagesdosis insgesamt 15 Tabletten nicht überschreiten soll. Das ist keine ärztliche Vorgabe, sondern eine Praxisregel.
Laktose
Schüßler-Tabletten werden mit dem Füllstoff Laktose (Milchzucker) hergestellt. Wenn du eine Laktose-Unverträglichkeit hast, gibt es laut Pharmazeutischer Zeitung Alternativen: Globuli mit Saccharose als Trägerstoff oder Tropfen. Lies im Zweifel die Packungsangaben und frag in der Apotheke nach.
Verträglichkeit und Wechselwirkungen
In den Quellen, die wir gelesen haben, sind weder Nebenwirkungen noch Wechselwirkungen von Silicea D12 beschrieben. Das ist kein Beweis für Unbedenklichkeit, sondern zeigt vor allem, wie wenig dazu untersucht ist. Nimmst du dauerhaft Medikamente, bist du schwanger oder stillst du, frag vorher in der Apotheke oder bei deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Anders sieht es bei Silizium-Nahrungsergänzung aus: Das BfR hat dafür Höchstmengen pro Tag festgelegt, zum Beispiel 350 Milligramm für Siliziumdioxid, 100 Milligramm für Kieselsäure (Silicagel) und 10 Milligramm für organisches Silizium. Schädlich ist Silizium nach bisherigem Wissen vor allem beim Einatmen von Staub, etwa bei Bergleuten (Silikose, „Staublunge“). Die Befürchtung, Silizium fördere Harnsteine, wurde laut einem Apothekenportal durch neuere Untersuchungen widerlegt.
Wann solltest du zum Arzt?
Schüßler-Salze können eine ärztliche Abklärung nicht ersetzen. Such ärztlichen Rat, wenn:
- Haarausfall plötzlich, büschelweise oder in kahlen Stellen auftritt,
- sich Nägel auffällig verfärben, verformen oder ablösen,
- Hautveränderungen nicht abheilen, stark jucken oder sich verändern,
- du dich zusätzlich erschöpft fühlst oder ungewollt abnimmst,
- Beschwerden trotz mehrerer Wochen nicht besser werden oder sich verschlimmern.
Hinter solchen Beschwerden können behandelbare Ursachen stecken. Wer sie mit einem Schüßler-Salz überbrückt, verliert womöglich wertvolle Zeit. Allgemeines zu Naturheilverfahren findest du in der Kategorie Naturheilkunde.
- Silicea (Nr. 11) ist hochverdünnte Kieselsäure (Regelpotenz D12). Haare, Haut und Bindegewebe sind das Einsatzgebiet der Lehre, kein belegter Effekt.
- Für die Wirksamkeit von Schüßler-Salzen fehlen wissenschaftliche Belege; berichtete Besserung gilt als Placebo-Effekt.
- Silizium kommt im Körper vor, ein Mangel wurde beim Menschen aber nicht beobachtet. Über die Nahrung nimmst du meist 20 bis 50 Milligramm am Tag auf.
- Kleine Studien zu Silizium in messbarer Dosis zeigen Hinweise bei Haaren, die EFSA erkennt aber keinen Nutzen an.
- Tabletten enthalten Laktose; Globuli oder Tropfen sind eine Alternative.
- Bei plötzlichen oder anhaltenden Haar-, Nagel- oder Hautproblemen lass die Ursache ärztlich abklären.
Häufige Fragen
Hilft Silicea gegen brüchige Nägel und Haarausfall?
Das ist nicht belegt. Für Schüßler-Salze gibt es keine aussagekräftigen Wirksamkeitsstudien. Bei Haarausfall oder veränderten Nägeln lohnt sich die Suche nach der Ursache.
Ist Silicea dasselbe wie Kieselerde oder Silizium-Kapseln?
Nein. Das Schüßler-Salz ist stark potenziert (D12), Nahrungsergänzungsmittel enthalten dagegen messbare Mengen Silizium. Nur für Letztere gibt es kleine Studien.
Wie lange darf ich Silicea nehmen?
Halte dich an die Packungsangaben. Eine wissenschaftlich begründete Anwendungsdauer haben wir nicht gefunden. Tut sich nach einigen Wochen nichts, lohnt sich ein Gespräch in der Apotheke oder Arztpraxis.
Enthält Silicea Laktose?
Die Tabletten in der Regel ja, der Milchzucker dient als Füllstoff. Bei Intoleranz gibt es Globuli (mit Saccharose) oder Tropfen.
Kann ich Silizium einfach über das Essen bekommen?
Ja, Vollkorn und Wurzelgemüse liefern viel. Mit einer ausgewogenen Ernährung nimmst du ein Mehrfaches des geschätzten Bedarfs auf.
Quellen
- apotheken.de: Silizium. Hintergrundwissen Nahrungsergänzungsmittel. https://www.apotheken.de/gesundheit/gesund-leben/nahrungsergaenzungs-mittel/11051-silizium
- Pharmazeutische Zeitung: Mit Salzen heilen. Ausgabe 35/2013. https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-352013/mit-salzen-heilen/
- Pharmazeutische Zeitung: Beratung zu Schüßler-Salzen. https://www.pharmazeutische-zeitung.de/themen/beratung-zu-schuessler-salzen/
- Altmeyers Enzyklopädie: Kieselerde. https://www.altmeyers.org/de/naturheilkunde/kieselerde-16224
- Quarks: Artikel zu Schüßler-Salzen. https://www.quarks.de/?p=120329
- t-online: Schüßler-Salze bei Erkältung mit Husten und Halsschmerzen. https://www.t-online.de/gesundheit/heilmittel-medikamente/id_72800048/schuessler-salze-bei-erkaeltung-mit-husten-und-halsschmerzen.html
Bildquellen
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