Heilfasten nach Buchinger bedeutet, etwa eine Woche lang auf feste Nahrung zu verzichten und nur Tee, Wasser, Brühe und Saft zu dir zu nehmen. Für Gesunde kann es ein Anstoß für neue Gewohnheiten sein, zum dauerhaften Abnehmen oder Entgiften taugt es aber nicht, und bei Vorerkrankungen gehört es in ärztliche Begleitung.
Fasten hat Tradition, und viele Menschen verbinden damit Neustart, Leichtigkeit und Klarheit. Ein Teil davon ist nachvollziehbar, ein Teil ist Werbesprache. Wir haben uns angesehen, was Fachgesellschaften, Verbraucherschützer und Studien tatsächlich sagen, und trennen für dich Versprechen von Belegtem. Wo die Datenlage dünn ist, sagen wir das offen.

So läuft Heilfasten ab
Beim Heilfasten nach Buchinger isst du keine feste Nahrung. Anders als beim totalen Fasten bekommt dein Körper aber eine kleine Menge Energie, nämlich etwa 250 bis 500 Kilokalorien pro Tag. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) beschreibt als üblichen Rahmen sieben bis zehn Fastentage, dazu einen Entlastungstag davor und drei Tage zum langsamen Wiederaufbau der Ernährung.
- Entlastungstag: Du isst nur etwa 1.000 Kilokalorien, verzichtest auf Kaffee, Alkohol und Nikotin und schaltest einen Gang runter.
- Darmentleerung: Am ersten Fastentag steht meist eine Entleerung mit Glaubersalz an, manchmal ergänzt durch Einläufe. Das ist unangenehm und nicht für jeden geeignet.
- Fastentage: Täglich gibt es etwa einen Viertelliter Gemüsebrühe, einen Viertelliter Saft, 30 Gramm Honig und mindestens 2,5 Liter Wasser oder Kräutertee.
- Fastenbrechen und Aufbau: Du beginnst langsam, zum Beispiel mit einem Apfel, und steigerst die Menge in vier Tagen von etwa 800 auf 1.600 Kilokalorien.
Die Angaben schwanken je nach Quelle. Die Verbraucherzentrale nennt höchstens rund 500 Kilokalorien und in der Regel nicht mehr als eine Woche. Klassisch wurden auch zwei bis vier Wochen praktiziert. Zum Programm gehören oft Bewegung, Ruhe und Zeit für dich selbst.

Was die Studien zeigen
Kurz gesagt: Es gibt Hinweise auf Nutzen, aber vieles stammt aus kleinen oder beobachtenden Untersuchungen ohne Vergleichsgruppe. Das solltest du beim Lesen von Versprechen im Kopf behalten.
Gewicht
In einer Beobachtungsstudie aus einer deutschen Fastenklinik mit 1.422 Erwachsenen (im Schnitt 55 Jahre) nahmen die Teilnehmenden je nach Fastendauer zwischen 3,2 Kilogramm (rund fünf Tage) und 8,6 Kilogramm (rund 20 Tage) ab. Der Bauchumfang sank um 4,6 bis 8,8 Zentimeter. Wichtig: Es gab keine Kontrollgruppe, die Daten wurden von Klinikpersonal erhoben, und die Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres auf Fasten zu Hause übertragen.
Ein Teil des schnellen Gewichtsverlusts ist Wasser, nicht Körperfett. Die DGE sieht Heilfasten deshalb nur bedingt als Weg zum dauerhaften Abnehmen, räumt aber ein, dass es ein Startpunkt sein kann, um Essgewohnheiten zu ändern. Wenn du langfristig abnehmen möchtest, findest du Ansätze in unserem Beitrag Abnehmen ohne Diät. Deinen Ausgangswert kannst du mit dem BMI-Rechner einordnen.
Blutdruck
In derselben Klinikstudie sanken die Blutdruckwerte im Mittel: Der systolische Wert (der obere) lag danach bei etwa 121 mmHg statt bei etwa 132 mmHg. Auch hier gilt: ohne Kontrollgruppe, in einer überwachten Klinikumgebung und ohne Aussage darüber, wie lange der Effekt anhält. Wer Blutdruckmedikamente nimmt, darf sie nicht auf eigene Faust anpassen, denn beim Fasten kann der Bedarf sinken.
Schmerzen und Rheuma
Die stärkste Evidenz gibt es bei rheumatoider Arthritis. Ein Expertenpanel zur Fastentherapie nennt hier einen Beleg der höchsten Evidenzstufe aus einer systematischen Übersicht randomisierter Studien. Für andere Beschwerden wie Arthrose, Fibromyalgie, chronische Schmerzen oder Migräne beschreibt dasselbe Panel nur vorläufige Hinweise aus kleineren, meist nicht randomisierten oder beobachtenden Studien. Es betont außerdem, dass die Liste der „empirisch bewährten“ Anwendungsgebiete den tatsächlichen Wissensstand überzeichnet.
Unterm Strich: Bei Rheuma gibt es solide Hinweise, bei vielem anderen sind die Belege dünn. Dass Heilfasten „Krankheiten heilt“, lässt sich nicht sagen.
Der Entgiftungs-Mythos
Ein häufiges Versprechen lautet, Fasten „entschlacke“ und entgifte den Körper. Dafür gibt es keinen Beleg. Die Verbraucherzentrale schreibt, die versprochene Entgiftung lasse sich im Körper nicht nachweisen. Die DGE hält eine Reinigung des Körpers von Schadstoffen aus wissenschaftlicher Sicht für nicht nötig: Bei gesunden Menschen übernehmen Leber, Nieren, Darm, Haut und Lunge diese Aufgabe laufend. Entgiftungsangaben nennen zudem nie, welche Stoffe überhaupt gemeint sind und wie sie abgebaut würden.
Auch die Idee der „Übersäuerung“ ist wissenschaftlich nicht gedeckt. Die DGE verweist darauf, dass gesunde Erwachsene Säure-Basen-Schwankungen selbst ausgleichen. Mehr dazu liest du in unserem Beitrag Übersäuerung: Symptome und „Entsäuern“.
Was bleibt, ist ein ehrlicher Kern: Wenn du fastest, isst du weniger Kalorien, oft weniger Fleisch und Zucker und gehst bewusster mit Essen um. Das kann sich gut anfühlen. Mit Entgiftung hat es nichts zu tun.
Risiken und Nebenwirkungen
Heilfasten ist eine extreme Umstellung für den Stoffwechsel, und die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass sie mit stärkeren Nebenwirkungen verbunden ist als Fastenformen mit Teilverzicht. Ein Expertenpanel nennt als mögliche unerwünschte Wirkungen:
- Kreislaufbeschwerden wie Schwindel oder niedriger Blutdruck
- leichte Unterzuckerung
- Störungen im Elektrolythaushalt, etwa ein zu niedriger Natriumspiegel
- Kopfschmerzen oder Migräne, Rückenschmerzen und Muskelkrämpfe
- vorübergehende Wassereinlagerungen und veränderter Schlaf
Elektrolyte sind Mineralstoffe wie Natrium und Kalium, die für Nerven, Muskeln und Herzrhythmus wichtig sind. Bei Fastenden in ärztlicher Obhut werden deshalb Werte und Kreislauf kontrolliert, und es gibt feste Abbruchkriterien, zum Beispiel bei ausgeprägten Herzrhythmusstörungen oder sehr niedrigem Blutdruck.
Harnsäure und Gicht
In der oben genannten Klinikstudie stieg die Harnsäure im Blut im Schnitt deutlich an (von rund 338 auf rund 495 Mikromol pro Liter). Ein Patient mit bekannter erhöhter Harnsäure erlitt einen Gichtanfall. Wenn du Gicht hast oder deine Harnsäurewerte erhöht sind, solltest du nicht ohne ärztliche Rücksprache fasten.
Wie sicher ist es in der Klinik?
In derselben Studie traten unerwünschte Ereignisse bei weniger als einem Prozent auf, es gab keine Todesfälle. Zwei Personen kamen ins Krankenhaus, eine davon wegen eines Herzinfarkts am neunten Tag. Das spricht dafür, dass überwachtes Fasten bei ausgewählten Erwachsenen gut verträglich sein kann, sagt aber wenig über Fasten auf eigene Faust.
Essstörungen
Wer eine Essstörung hat oder hatte, sollte nicht fasten. Die DGE weist bei Entgiftungsdiäten zudem darauf hin, dass sehr starre Ernährungsregeln mit wenig Eiweiß und Energie das Risiko für Essstörungen erhöhen können. Wenn dich Gedanken ans Essen stark belasten, sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Wer nicht fasten sollte
Das Expertenpanel nennt als Gegenanzeigen unter anderem Schwangerschaft und Stillzeit, Essstörungen wie Anorexie, ausgeprägten Gewichtsverlust bis zur Auszehrung, nicht eingestellte Schilddrüsenüberfunktion sowie fortgeschrittene Leber- oder Nierenschwäche.
- Schwangerschaft und Stillzeit: kein Fasten.
- Untergewicht: Bei Untergewicht fehlen Reserven. Schon bei einem BMI unter 21 verlangt das Expertenpanel engere Überwachung. Deinen Wert kannst du mit dem BMI-Rechner prüfen.
- Kinder und Jugendliche: Die DGE rät Kindern, Jugendlichen, Schwangeren und Stillenden von Entgiftungskuren ab. Wir sehen das bei Fastenkuren genauso: Fasten ist für Kinder und Jugendliche nicht vorgesehen.
- Diabetes mit Medikamenten: Wer Insulin spritzt oder regelmäßig Medikamente nimmt, sollte laut Verbraucherzentrale nur mit ärztlicher Begleitung fasten. Das Expertenpanel nennt Typ-1-Diabetes ausdrücklich als Fall für erfahrene Begleitung und Antidiabetika als Medikamente, die angepasst werden müssen. Die Gefahr ist eine Unterzuckerung.
- Weitere Medikamente: Auch bei Blutdruckmitteln (besonders Betablocker und Entwässerungsmittel), Blutverdünnern, Kortison oder Psychopharmaka muss die Dosis häufig angepasst werden. Das gehört in ärztliche Hände.
- Instabile Herzerkrankung, Gicht, Krebs, Suchterkrankungen: nur nach Rücksprache und mit erfahrener Begleitung.
Ärztliche Begleitung und Arztbesuch
Die DGE empfiehlt, Heilfasten von Ärztinnen und Ärzten oder von Therapeutinnen und Therapeuten mit Fastenausbildung begleiten zu lassen. Die Verbraucherzentrale rät dazu, vorab ärztlich abklären zu lassen, ob Fasten für dich in Frage kommt, und sich von geschulter Seite oder einer angeleiteten Gruppe unterstützen zu lassen. Vor dem Fasten werden in einer Fastenklinik üblicherweise Anamnese, Blutdruck, Puls und Laborwerte (unter anderem Elektrolyte, Harnsäure, Leber- und Nierenwerte) geprüft.
Wann solltest du zum Arzt?
- Vor dem Fasten, wenn du Vorerkrankungen hast, regelmäßig Medikamente nimmst oder unsicher bist.
- Während des Fastens sofort, bei starkem Schwindel, Ohnmachtsgefühl, Herzrasen oder Herzstolpern, Brustschmerz, anhaltendem Erbrechen oder Durchfall, starken Krämpfen oder Verwirrtheit. Brich das Fasten dann ab. Bei Brustschmerz oder Ohnmacht rufst du den Notruf.
- Nach dem Fasten, wenn Beschwerden nicht abklingen.
Heilfasten oder Intervallfasten?
Das sind zwei verschiedene Dinge. Heilfasten ist eine zeitlich begrenzte Kur mit stark verringerter Energiezufuhr. Beim Intervallfasten wechselst du regelmäßig zwischen Essens- und Fastenphasen, etwa mit einem Essensfenster pro Tag oder zwei Fastentagen pro Woche. Eine praktische Anleitung findest du in unserem Beitrag Intervallfasten: Anleitung.
Zum Gewicht beim Intervallfasten ist die Studienlage inzwischen recht klar. Ein Cochrane-Review von 2026 wertete 22 randomisierte Studien mit 1.995 Erwachsenen mit Übergewicht aus. Im Vergleich zu normaler Ernährungsberatung ergab sich beim Gewichtsverlust kaum ein Unterschied (21 Studien, 1.430 Personen). Auch gegenüber keiner Maßnahme war der Unterschied wahrscheinlich gering. Zu unerwünschten Wirkungen ist die Evidenz unsicher, genannt werden etwa Müdigkeit, Kopfschmerz und Übelkeit. Die Studien dauerten höchstens zwölf Monate. Auch eine randomisierte Studie mit 100 überwiegend adipösen Erwachsenen fand, dass Intervallfasten in Form von Wechseltagen nicht besser abschnitt als eine tägliche Kalorienreduktion.
Das heißt nicht, dass Intervallfasten nutzlos ist, denn manche Menschen kommen damit gut zurecht. Aber ein Wundermittel ist es nicht. Ob Heilfasten oder Intervallfasten besser zu dir passt, hängt von deinem Ziel, deiner Gesundheit und deinem Alltag ab. Mehr zu diesem Themenbereich findest du in der Kategorie Naturheilkunde.
- Heilfasten heißt: etwa 250 bis 500 Kilokalorien pro Tag, meist sieben bis zehn Tage, mit Entlastungs- und Aufbautagen.
- Die besten Belege gibt es bei rheumatoider Arthritis. Bei Gewicht und Blutdruck stammen viele Daten aus Beobachtungsstudien ohne Kontrollgruppe.
- Für dauerhaftes Abnehmen ist Heilfasten laut DGE nur bedingt zu empfehlen. Ein Teil des Verlusts ist Wasser.
- Ein Entgiftungseffekt ist nicht belegt. Leber und Nieren entgiften bei Gesunden von selbst.
- Risiken: Kreislaufprobleme, Elektrolytstörungen, Anstieg der Harnsäure (Gicht), Unterzuckerung.
- Nicht fasten sollten Schwangere und Stillende, Kinder und Jugendliche, Untergewichtige und Menschen mit Essstörungen. Bei Diabetes mit Medikamenten nur mit ärztlicher Begleitung.
Häufige Fragen
Wie viel nimmt man beim Heilfasten ab?
In einer Klinikstudie waren es je nach Dauer im Schnitt 3,2 bis 8,6 Kilogramm. Ein Teil davon ist Wasser. Ohne veränderte Gewohnheiten steigt das Gewicht oft wieder: Die DGE schreibt, kurzfristige Diäten wirkten nicht dauerhaft.
Kann ich zu Hause heilfasten?
Gesunde Erwachsene fasten oft zu Hause, am besten mit Anleitung oder in einer Gruppe. Lass vorher ärztlich klären, ob es für dich passt. Wenn du Erkrankungen hast oder Medikamente nimmst, brauchst du ärztliche Begleitung.
Hilft Heilfasten gegen Bluthochdruck?
Der Blutdruck kann beim Fasten sinken, das zeigen Beobachtungsdaten. Für eine langfristige Behandlung reicht die Datenlage nicht. Setze Blutdruckmedikamente nie eigenmächtig ab. Eine Übersicht zu Hausmitteln findest du im Beitrag Hausmittel gegen Bluthochdruck.
Wie lange darf Heilfasten dauern?
Die Verbraucherzentrale nennt in der Regel nicht mehr als eine Woche, die DGE beschreibt sieben bis zehn Fastentage als Standard der Ärztegesellschaft für Heilfasten. Längeres Fasten gehört in ärztliche Hände.
Ist Fasten ein guter Start in eine gesündere Ernährung?
Das kann sein. Die DGE sieht darin einen möglichen Anstoß. Entscheidend ist, was danach kommt. Deinen Kalorienbedarf kannst du mit dem Kalorienrechner schätzen.
Quellen
- Verbraucherzentrale NRW: Richtig fasten: Tipps zum Wohlfühlen und Durchhalten in der Fastenzeit. https://www.verbraucherzentrale.nrw/wissen/lebensmittel/schlankheitsmittel-und-diaeten/richtig-fasten-tipps-zum-wohlfuehlen-und-durchhalten-in-der-fastenzeit-44967
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Heilfasten. https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/diaeten-und-fasten/heilfasten/
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Entgiftungsdiäten. https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/diaeten-und-fasten/entgiftungsdiaeten/
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Diäten und Fasten, Übersicht (Aussage zu Kurzzeitdiäten). https://www.dge.de/ernaehrungspraxis/diaeten-fasten/heilfasten/
- Wilhelmi de Toledo F. et al.: Fasting Therapy – an Expert Panel Update of the 2002 Consensus Guidelines. Forschende Komplementärmedizin 2013. https://karger.com/fok/article-split/20/6/434/356679/Fasting-Therapy-an-Expert-Panel-Update-of-the-2002
- Wilhelmi de Toledo F. et al.: Safety, health improvement and well-being during a 4 to 21-day fasting period in an observational study including 1422 subjects. PLOS ONE 2019. https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0209353
- Stiftung Warentest (test.de): Fasten – Welche Kur bringt was? https://www.test.de/Fasten-Reine-Glaubenssache-1759866-0/
- Cochrane: Intermittent fasting for adults with overweight or obesity (Plain-Language-Summary). Cochrane Database of Systematic Reviews 2026, CD015610. https://www.cochrane.org/evidence/CD015610_intermittent-fasting-traditional-dietary-advice-or-no-treatment-which-works-better-help-adults
- Deutsches Ärzteblatt: Adipositas: Intervallfasten in klinischer Studie ohne Vorteile. https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/74460/Adipositas-Intervallfasten-in-klinischer-Studie-ohne-Vorteile
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