Evidenz

Evidenz bezeichnet in der Medizin die wissenschaftlichen Belege, auf die sich eine Aussage über Nutzen oder Risiko einer Maßnahme stützt. Gemeint ist nicht „es gibt Beweise“, sondern: Wie gut sind die vorhandenen Studien und was sagen sie aus?

Evidenz ist keine Ja-Nein-Frage. Studien unterscheiden sich in ihrer Qualität, und deshalb ordnet die evidenzbasierte Medizin sie in einer Hierarchie. Am stärksten gelten systematische Übersichten und Metaanalysen randomisierter kontrollierter Studien sowie gut gemachte einzelne Studien dieser Art. Darunter folgen Kohortenstudien, Fallstudien und ganz unten die reine Expertenmeinung, die nicht auf einer kritischen Bewertung der Daten beruht.

Evidenzbasierte Medizin bedeutet dabei nicht, nur nach Studien zu entscheiden. Sie bezieht die Erfahrung der Behandelnden und die Wünsche der Patientinnen und Patienten mit ein. Oft fehlen außerdem hochwertige Studien, sodass Entscheidungen auf schwächerer Evidenz beruhen. Das ist legitim, die Schlussfolgerung ist dann aber weniger sicher.

Für deinen Alltag heißt das:

  • Eine einzelne Studie ist noch kein Beleg für einen Nutzen beim Menschen.
  • Achte darauf, welcher Studientyp hinter einer Schlagzeile steckt.
  • „Wenig Evidenz“ heißt nicht „wirkt nicht“, sondern: Es gibt noch keine verlässlichen Belege in die eine oder andere Richtung.

Mehr dazu: Randomisierte kontrollierte Studie, Metaanalyse, Beobachtungsstudie, Leitlinie

Quellen

  1. MSD Manual Profi-Ausgabe: Evidenzbasierte Medizin und klinische Richtlinien. https://www.msdmanuals.com/de/profi/spezielle-fachgebiete/klinische-entscheidungsfindung/evidenzbasierte-medizin-und-klinische-richtlinien
  2. IQWiG (gesundheitsinformation.de): Welche Studienarten gibt es?. https://www.gesundheitsinformation.de/welche-studienarten-gibt-es.html
  3. IQWiG (gesundheitsinformation.de): Was sind systematische Übersichten und Meta-Analysen?. https://www.gesundheitsinformation.de/was-sind-systematische-uebersichten-und-meta-analysen.html

Bildquellen