Magnesiumstearat: Sicherheit, Toxizität, Risiko und Gefahren?

Magnesiumstearat ist sicherlich nicht jedem ein Begriff, denn nur wer sich mit Nahrungsergänzungsmitteln oder der Herstellung bestimmter Medikamente und Lebensmittel auseinandersetzt stößt über dieses Hilfs- und Fließmittel. Sowohl in der Pharmaindustrie als auch bei der Lebensmittelherstellung findet Magnesiumstearat Verwendung, um beispielsweise günstig Tabletten, Granulate und Kapseln zu produzieren. Da Magnesiumstearat als Fließmittel fungiert lässt es Inhaltsstoffe und Maschinen nicht so schnell verkleben.

Bei Kennern hingegen herrscht eine lebendige Kontroverse um das Thema Magnesiumstearat, das von vielen Firmen aufgrund des ökonomischen Vorteils genutzt wird, in puncto Sicherheit, Toxizität, Risiken und Gefahren für die Gesundheit aber oftmals verharmlost wird. Mediziner und Heilpraktikern kritisieren die Verwendung von Magnesiumstearat, das Allergien auslösen kann und das Immunsystem schwächen soll. Auch würde Magnesiumstearat als Ummantelung von Kapseln und Pillen dafür verantwortlich sein, dass die eigentlich heilenden Wirkstoffe im Medikament sowie die Nährstoffe der Lebensmittel nicht so gut aufgenommen werden können.

Was ist Magnesiumstearat?

Magnesiumstearat, das auch Magnesiumsalz oder Ocetadecansäure genannt wird, gehört im weitesten Sinne zu den Kalkseifen. Genau genommen besteht Magnesiumstearat fast ausschließlich aus Stearinsäure und ein wenig aus Magnesium (4 %). Zwar kommen beide Bestandteile auch auf herkömmliche Art häufig in Lebensmitteln vor, allerdings findet man sie dann in getrennter Form – nämlich in einer völlig natürlichen Daseinsform. Stearinsäure allein findet man in nahezu allen pflanzlichen und tierischen Fetten und Ölen, wie etwa in Kakaobutter oder in Haselnüssen, aber auch in Schweineschmalz und Rindertalg kommt es vor. Magnesiumstearat findet man hingegen nicht in einer natürlichen Form. Denn die Natur kennt Magnesiumstearat nicht. Erst Mensch und Industrie haben diesen Zusammensetzung ermöglicht.

Gewonnen wird es, indem mittels Seifen, Glycerin und Magnesium die Glyceride aus den tierischen oder pflanzlichen Fetten und Ölen gespalten werden. Die Öle und Fette sind für die Herstellung von Magnesiumstearat unabdingbar, wobei meist auf möglichst günstige Rohstoffe wie Rapsöl, Sojaöl oder Maiskeimöl zurückgegriffen wird. Magnesiumstearat gehört als chemisches Erzeugnis zu den Nahrungsmittelzusatzstoffen. Unter der Bezeichnung E572 lässt sich Magnesiumstearat ebenfalls als künstlicher Stoff identifizieren.

Was macht Magnesiumstearat?

Bei der Produktion von Lebensmitteln, Pharma- und Kosmetikprodukten sowie zur Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln wird Magnesiumstearat nahezu in jedem Industriezweig verwendet. Da es als Trennmittel oder auch als Fließmittel bei der Produktherstellung dienen kann, ist es als künstlicher Helfer zu verstehen, der dafür sorgt, dass Massen nicht verkleben oder verklumpen. Verschiedene Prozesse werden durch die Beigabe von Magnesiumstearat daher vereinfacht und beschleunigt, indem homogene Massen angerührt werden können, die wiederum besser abgefüllt und rationiert werden können. Auch für die gesamte Effizienz in einem Betrieb wird immer wieder gerne auf Magnesiumstearat zurückgegriffen, dass ebenfalls als Gleit- oder Trennmittel zum Einsatz kommt und dafür sorgt, dass die Verschmutzung der Maschinen nicht so stark ausfällt, da an ihnen weniger Produktreste haften bleiben. Ohne die Verwendung von Magnesiumstearat würden die Inhaltsstoffe häufiger an den Maschinenteilen kleben bleiben, was zu einer anderen Taktung bezüglich der Säuberung und der Wartung der Maschinen führen würde. Im speziellen Fall der Herstellung von Kapseln für Pharmaprodukte oder Nahrungsergänzungsmittel sorgt Magnesiumstearat als eine Art Trennmittel obendrein dafür, dass stets die identische Menge des Inhalts pro Einheit abgefüllt wird. Magnesiumstearat bringt dem Menschen zusammengefasst daher keinerlei gesundheitlichen Vorteile, sondern lediglich industrielle und somit ökonomische Einsparungen.

Ist Magnesiumstearat gesundheitsschädlich oder ungefährlich?

Magnesiumstearat wird grundsätzlich von den entsprechenden Behörden als ungefährlich eingestuft, solange man es in kleinen Mengen zu sich nimmt. Als Begründung dafür liefert etwa die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) die Zerlegung von Magnesiumstearat in seine Einzelteile Magnesium und Stearinsäure, die beide als ungefährlich für den menschlichen Organismus gelten.

Vor allem Magnesium sei als lebensnotwendiges Mineral elementar für den Körper.
Und da auch Stearinsäure natürlich in Lebensmitteln vorkommt, sei auch dessen Aufnahme unbedenklich. Schließlich nehme man Stearinsäure über Fleisch- und Fischprodukte, aber auch über Eier, Milchprodukte und Getreide im Schnitt mit 7000 mg pro Tag auf. Da beide Bestandteile einzeln keine gesundheitlichen Schäden hervorrufen, sondern in Maßen sogar noch gesundheitsförderlich seien, gilt auch Magnesiumstearat als ungefährlich. Allerdings ergibt eins plus eins nicht gleich zwei, denn seine Einzelteilen Magnesium und Stearinsäure macht Magnesiumstearat nicht riskant, sondern erst ihre Kombination. Isoliert sind die Bestandteil anders zu bewerten als in ihrer Zusammensetzung und so gibt es mittlerweile einige Studien, die auf die Gefahren und Risiken der künstlichen Verbindung Magnesiumstearat, die es in der Natur so nicht gibt, aufmerksam machen.

1. Beeinflusst Magnesiumstearat immune T-Zellen?

Anfang der 1990er Jahre belegte man bereits Gefahren und Risiken, die sich durch die Zufuhr von Magnesiumstearat auf das Immunsystem ergeben können. Das Forscherteam kam zu der Erkenntnis, dass eingenommenes Magnesiumstearat für den menschlichen Körper eine gravierende Folge hat: Die Einnahme fördere nämlich die Einlagerung von gesättigten Fettsäuren im Körper, genauer gesagt in der Membran einer T-Zelle. T-Zellen wiederum sind für die menschlichen Abwehrkräfte und das Immunsystem relevant. Als Resultat der Studie ergibt sich daher, dass Magnesiumstearat die Immunabwehr schwächt.

2. Beeinflusst Magnesiumstearat die intestinale Resorption?

Zu Beginn einmal kurz die Begriffe erklärt: Intestinal bedeutet den Darmkanal betreffend und unter Resorptoin werden alle Prozesse, die im menschlichen Organismus mit der Aufnahme von Stoffen zu tun haben zusammengefasst. Die Kontroverse um Magnesiumstearat beinhaltet also auch, ob das Salz die Darmfunktion stört. Die Einnahme von Magnesiumstearat soll dazu beitragen, dass sich im Darmtrakt sogenannte Biofilme bilden. Diese dünnen Schichten sind zum einen ein gutes Metier für Erreger und Bakterien, zum anderen verhindert der Biofilm die Aufnahme der Vitalstoffe, Nährstoffe, Vitamine und Mineralien aus der Nahrung. Daher kann man die Frage, ob Magnesiumstearat im Darm schädliche Biofilme verursacht, mit Ja beantworten.

3. Ist Magnesiumstearat mit Pestiziden und GVO kontaminiert?

Oftmals taucht die Sorge um eine Pestizidbelastung von Magnesiumstearat in den Debatten auf. Die Ursache liegt darin begründet, dass für die Herstellung von Magnesiumstearat oftmals Baumwollsamenöl oder andere Ölengenutzt werden, die bereits im Vorfeld mit Pestiziden und Pflanzenschutzmitteln kontaminiert sein können. Allerdings ist der medizinische Standard und jener in der Lebensmittelindustrie mittlerweile so hoch, dass durch die zahlreichen Kontrollen und Prozesse der Reinigung kaum bis gar keine Spuren von Pestiziden in Magnesiumstearat zu finden sind. Auch gibt es keine Beweise dafür, dass Magnesiumstearat mit GVO – also mit gentechnisch veränderten Organismen oder gentechnisch modifizierten Organismen – belastet wäre. Ohne Gentechnik kommt Magnesiumstearat daher durchaus aus.

4. Stellt Magnesiumstearat ein Formaldehyd-Risiko dar?

Andere Quellen wiederum äußern ihre Bedenken, was das Formaldehyd-Risiko bei Magnesiumstearat angeht. Nicht nur, dass der Stoff damit belastet sein soll, sondern Magnesiumstearat soll sogar selbst Formaldehyde produzieren können. Das mag zwar stimmen, jedoch ist die Relation bei dieser Faktenlage wichtig. Denn etwa ein Gramm Magnesiumstearat kann 0,3 Nanogramm Formaldehyd produzieren. Verharmlosen sollten Sie die Einnahme von Magnesiumstearat jedoch auch nicht. Wenn Sie auf Ihre Gesundheit und Ihre Ernährung achten, sollten Sie in jedem Fall auf qualitativ hochwertige Produkte setzen. Wägen Sie stets die Vorteile und Nachteile ab, wenn Sie zu einem Nahrungsergänzungsmittel greifen, das mit ziemlicher Sicherheit – wenn auch nur in geringen Mengen – Magnesiumstearat enthalten wird.

5. Kann Magnesiumstearat das Auftreten von Blasensteine begünstigen?

Das Risiko an Blasensteinen zu erkranken ist auch immer wieder eine Kernaussage der Kritiker. Denn schon 1980 gab es erste Studien, die diese Aussasge untermauern. An Ratten überprüfte man die gesundheitlichen Nachteile, die sich durch die Einnahme von Magnesiumstearat ergeben. Über drei Monate hinweg gab man den Nagern Magnesiumstearat, mit dem Resultat, dass die Tiere nicht so viel zunahmen wie eine rattengruppe, die auf die Fütterung mit Magnesiumstearat verzichten durften. Jene Ratten, die Magnesiumstearat eingenommen hatten, wiesen zudem Blasensteine auf. Eine Dosis von maximal 5 % Magnesiumstearat wäre jedoch für die Gesundheit unbedenklich.

Toxizität von Magnesiumstearat

Auch die Aussage, Magnesiumstearat sei giftig hält sich hartnäckig. Tatsächlich braucht es aber eine ganze Menge an Magnesiumstearat, um eine toxische Wirkungen auf den Körper zu bemerken. Eine Studie an Ratten ergab, dass Sie mindestens 2500 mg Magnesiumstearat pro Kilogramm Körpergewicht am Tag einnehmen müssten, um eine toxischen Wirkung zu erzielen. Demnach müsste eine Frau von 60 Kilogramm also täglich mindestens 150000 mg Magnesiumstearat, also 0,15 Kilogramm pro Tag konsumieren, um giftige Auswirkungen auf ihren Körper zu provozieren. Eine herkömmliche Tablette oder Kapsel, die Sie als Nahrungsergänzungsmittel kaufen oder die ihre medizinische Versorgung sichert, enthält im Durchschnitt nur einen marginalen Anteil. In einer Tablette, die durchschnittlich etwa 500 Milligramm wiegt, würden Sie in etwa eine 25 Milligramm große Menge an Stearinsäure und eine etwa 5 Milligramm kleine Dosis an Magnesiumstearat vorfinden.

Abschließende Worte

Nun sollte der Artikel über Magnesiumstearat Ihnen einen ersten Eindruck verschaffen. Die Herstellung, das Vorkommen und die Notwendigkeit von Magnesiumstearat sollten klar geworden sein. Inwieweit die einzelnen Kritikpunkte an Magnesiumstearat zutreffen und welche Fakten eher einer hysterischen Übertreibung gleichkommen wurden ebenfalls transparent für Sie aufgelistet. Wenn Sie regelmäßig Medikamente oder Tabletten konsumieren oder Sie Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen, sollten Sie ohnehin stets mit Ihrem Arzt Rücksprache halten. Wenn Sie allergische Reaktionen bemerken, sofern Sie neue Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, sollten Sie die Einnahme von Magnesiumstearat versuchen zu vermeiden und ebenfalls einen Arzt konsultieren. Die Verwendung von Magnesiumstearat muss im Übrigen jeder Hersteller angeben, so dass es Ihnen selbst obliegt, ob Sie das entsprechende Produkt verwenden möchten. Hoffentlich hat Ihnen der Artikel über Magnesiumstearat, die mit der Einnahme verbundenen Risiken, Vorteile und Gefahren gefallen. Gerne können Sie innerhalb eines Kommentars Ihre Meinung mitteilen, eine Diskussion starten und den Artikel teilen.


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